04.06.2014, 07:31 Uhr

THOMAS PARITS ÜBER TRAINER, ERWARTUNGEN, TRANSFERS UND BILANZEN

Thomas Parits über Trainer, Erwartungen, Transfers und Bilanzen

Die Spieler des FK Austria Wien befinden sich auf Urlaub oder bei der WM in Brasilien. In der Führungsetage der Violetten herrscht hingegen dieser Tage rege Betriebsamkeit. Die Personalie neuer Trainer wurde mit der Bestellung von Gerald Baumgartner erledigt. Der Salzburger unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag mit einer Option für eine weitere Saison.

Wie es dazu kam, was für den 49-Jährigen sprach, welche Ziele der Klub mit Baumgartner anstrebt und wie sich der Kader über den Sommer verändert wird – darüber sprach fk-austria.at mit AG-Sportvorstand Thomas Parits. Der Burgenländer zog außerdem eine Saisonbilanz der Profis, Amateure und des Nachwuchses.

Was hat letztlich den Ausschlag für unseren neuen Cheftrainer Gerald Baumgartner als Nachfolger von Herbert Gager gegeben?

Parits: „Es gab natürlich sehr viele Kriterien, die zu erfüllen waren. Im Endeffekt auch jenes Kriterium, dass wir einem österreichischen Trainer die Chance geben wollten. Wir hatten Baumgartner auf der Liste, weil er in den vergangenen zwei Jahren sehr gute Arbeit geleistet hat. Er hat mit dem FC Pasching den ÖFB-Samsung-Cup geholt und erreichte mit SKN St. Pölten abermals das Finale. Davor hatte er bei den Salzburger Juniors lehrreiche Jahre gehabt.“

Werden für Baumgartner, der in St. Pölten noch ein Jahr Vertrag hatte, im Gegenzug Austria-Spieler an den Erste-Liga-Verein verliehen oder fließt Geld?

„Über Ablösemodalitäten ist Stillschweigen vereinbart worden. Aber es gibt einen Punkt in dem Deal, der Leihgaben vorsieht. Wenn die St. Pöltener Interesse an einem Spieler unserer Amateure haben, werden wir uns zusammensetzen und eine Lösung finden. Der Spieler hat dabei aber natürlich ein großes Mitspracherecht.“

Es wurde stets betont, dass der typische Austria-Spielstil bzw. attraktiver, offensiver Fußball wichtige Themen in den Gesprächen gewesen seien.

„Markus Kraetschmer und ich haben das Thema intensiv analysiert. Wir wollten Baumgartners Philosophie genau kennenlernen. Dieses System mit hohem Attackieren und richtigem Offensiv-Fußball, das uns beeindruckt, haben wir phasenweise auch unter Peter Stöger gespielt. Das hat Gerald auf seinen bisherigen Stationen forciert und mit Teams mit weniger Qualität als die Austria durch Erfolge bewiesen. Die Handschrift wollen wir nun auch sehen.“

Welche wichtigen Bereiche kamen in den Verhandlungen der Vorstände mit dem neuen Cheftrainer noch zur Sprache?

„Wir haben uns natürlich sehr ausführlich über den Kader unterhalten. Baumgartner erklärte unter anderem, dass er viel Qualität im Kader sehe und glaubt, unsere gemeinsamen Ideen umsetzen zu können. Und ich meine, die Austria und ihre Fans können sich auf offensiven Fußball freuen, für den die Violetten traditionell stehen. Ich hoffe, Baumgartner gelingt das und dass seine Wünsche in Erfüllung gehen und wir unsere Ziele erreichen.“

Welche Saisonziele hat sich der Meister von 2013 für die am 19./20. Juli beginnende neue Bundesliga-Saison gesetzt?

„Ich habe zu Gerald gesagt, 'Du warst jetzt zweimal nacheinander im Cup-Finale, aber aller guten Dinge sind Drei'. Mit dem Cup-Triumph oder dem zweiten Platz in der Liga, der nächstes Jahr die Champions-League-Qualifikation bringt, würde ich meine Tätigkeit wie vereinbart in einem Jahr gerne ausklingen lassen.“

Hat Baumgartner bei seiner Verpflichtung Wünsche für Verstärkungen geäußert?

„Nicht zwingend. Wir werden mit einem starken Kader in die neue Saison starten, der aber noch die eine oder andere Verstärkung erfährt. Wir sind unter anderem in Gesprächen mit einem sehr guten Innenverteidiger. Da sind wir in einem guten Stadium.“

Die Sommerpause ist auch die Zeit der Bilanzen. Wie fällt Ihre für die Profi-Abteilung mit dem undankbaren vierten Endrang aus?

„Wir haben einen guten Beginn gehabt mit dem erstmaligen Einzug in die Gruppenphase der Champions League und uns dort sehr gut präsentiert. Das Ende war hingegen alles andere als erfreulich. Wir haben in den letzten drei Runden nur einen Punkt geholt und zwei Elfer verjuxt. Man muss so ehrlich sein und sagen, dass sich gerade unter solchen Umständen die Spieler an der Nase nehmen müssen.“

Würden Sie sagen, das Verfehlen des Europacup-Startplatzes um einen Punkt war ein Selbstfaller?

„Ja. Es darf nicht passieren, dass man drei Runden vor Schluss fünf Punkte und mit der besseren Tordifferenz vorne liegt und am Ende mit leeren Händen dasteht. Es tut weh, international zuschauen zu müssen. Vor zwei Jahren sind wir vor der gleichen Situation gestanden und haben dann eine Meistersaison geliefert. Jetzt hoffe ich, wir kommen wieder in die Europacup-Ränge und können uns ähnlich rehabilitieren.“

Wie fällt Ihr Resümee der Amateure aus, die in der Ostliga ein starkes Finish zeigten und auf dem zweiten Tabellenplatz landeten?

„Mit den Amateuren bin ich überaus zufrieden. Es war eine schwierige Situation für Andi Ogris, der nach dem Aufstieg Herbert Gagers zum Proficoach kurz nach dem Frühjahrsstart das Traineramt übernahm. Wie davor Gager hat auch Andi sehr gute Arbeit geleistet, und die Jungveilchen sind mit fünf Siegen und zwei Remis aus den letzten sieben Spielen bestes Amateur-Team einer starken Ostliga geworden. Sie stehen verdient auf dem zweiten Platz!“

Welche Aspekte im Amateurlager erfreuen Sie neben diesen Zahlen noch?

„Für mich ist gar nicht die Platzierung so entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache wie sich die Spieler weiterentwickelt haben. So wurden zuletzt Osman Hadzikic, Tino Casali, Petar Gluhakovic und Tarkan Serbest wie schon zuvor Sascha Horvath, Peter Michorl und Bernhard Luxbacher zu den Profis hochgezogen. Dieser Weg funktioniert, wir setzen ihn fort, indem wir jungen Spielern die Chancen im Profikader geben.“

Die Akademie-Auswahlen stehen den Amateuren um nicht nach. U15, U16 und U18 scheinen jeweils unter den ersten Drei der Tabelle auf!

„Das ist ebenfalls überaus positiv. Wir können mit diesem Spieljahr wirklich sehr zufrieden sein. In der UEFA Youth League sind wir bis ins Achtelfinale vorgedrungen, dort am späteren Finalisten Benfica Lissabon gescheitert. Die Austria hat sich gut präsentiert und die Spieler haben viel Erfahrung gesammelt. Der Nachwuchs ist eine wichtige Säule unserer Arbeit.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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