12.03.2014, 13:05 Uhr

GAGER: "WENN DU GUT BIST, MUSST DU SEHR GUT WERDEN WOLLEN!"

Gager: "Wenn du gut bist, musst du sehr gut werden wollen!"

Seit 16. Februar im Amt, ließ die Austria unter ihrem neuen Trainer Herbert Gager auf Liga-Ebene einen Aufwärtstrend erkennen, der sich auch in der Tabelle niederschlägt. In den letzten zehn Runden soll der Europacup-Platz gefestigt und im Optimalfall der zweite Endrang erreicht werden.

 

Im Interview mit fk-austria.at spricht der von den Amateuren hochbeorderte Gager über seine Erkenntnisse aus den ersten drei Spielen, blickt in die Zukunft und erklärt, unter welchem Ansatz sich die Mannschaft auch langfristig steigern kann.

 

Ihr Einstand ist mit sieben Punkten aus den letzten drei Partien durchaus geglückt. Wie wichtig waren diese Zähler in dieser Phase der Meisterschaft?

Gager: „Sie waren sehr wichtig, da unsere Ausgangslage keine gute war – das Selbstvertrauen dementsprechend. Gerade die letzten beiden Siege haben die Mannschaft aber sicher weitergebracht, jetzt sind wir um die Europacup-Plätze wieder 'live' dabei. Das war auch unser kurzfristiges Ziel.“

Würden Sie unterschreiben, dass in jedem der letzten drei Spiele eine kleine Steigerung zu sehen war?

„Ja, speziell die zweite Halbzeit gegen Grödig war nach einer durchwachsenen ersten schon sehr gut, ist dem Ideal und unseren Vorstellungen schon nahe gekommen. Das muss aber auch unser Anspruch sein. Nichtsdestotrotz wollen wir uns noch weiter steigern.“

In welchen Bereichen?

„Wir sehen die Mannschaft schon in der Lage, das umzusetzen, was wir von ihr wollen. Allerdings ist es ist nicht lange her, da hatten wir eine Serie von sechs sieglosen Spielen. So etwas bleibt für eine gewisse Zeit hängen, natürlich denken die Spieler mit diesem Hintergedanken phasenweise noch zu viel nach, zweifeln. Der mentale Bereich ist einfach enorm wichtig im Fußball. Ich glaube aber, dass das Selbstvertrauen jetzt weiter wachsen wird. Wir zeigen der Mannschaft anhand von Video-Analysen, was am letzten Wochenende schon wesentlich besser geklappt hat als noch zuvor. Auch das kann die Brust wachsen lassen.“

Eine Änderung, die sofort sichtbar war: James Holland wurde ein Zweiter Sechser zur Seite gestellt. Er hat dadurch auch Freiheiten nach vorne. Welche Beweggründe gab es für diese Entscheidung?

„Sechser möchte ich die Positionen nicht nennen, ich sehe da eher zwei zentrale Mittelfeldspieler, die sowohl in der Offensive als auch in der Defensive ihre Aufgaben haben. Auf James‘ Schultern sind im Defensiv-Bereich einfach so viele Aufgaben gelegen, dass diese alleine nur schwer zu bewältigen waren. Jetzt haben wir hier zwei Spieler, die sich nicht nur die Defensiv-, sondern eben auch die Offensiv-Aufgaben teilen können. Zudem wollen wir flexibler, schwerer ausrechenbar sein. Dafür braucht es ein gutes Wechselspiel dieser beiden Akteure.“

Tomas Jun ist zuletzt vom Flügel ins Zentrum gewichen. Warum?

„Wenn man seine Stärken analysiert, glaube ich, dass er im Zentrum besser aufgehoben ist. Er ist eher im Spiel, hat mehr Ballkontakte, kann seine Stärken besser ausspielen.“

Mit Daniel Royer stand dafür zuletzt ein erprobter Spieler nicht im Kader.

„Das Umschaltverhalten ist in unserem Spiel einfach sehr wichtig, in diesem Bereich erwarte ich mehr. Daniel und ich hatten in der letzten sowie in dieser Woche sehr gute Gespräche. Jetzt werden wir sehen, wie er das umsetzt. Aber es ist keine Frage, er hat viele Qualitäten und alle Möglichkeiten, in den Kader zurückzukehren.“

 

 

Die Spieler schätzen Ihren Drang, sie jeden Tag verbessern zu wollen. Gibt es einen Leitsatz, nachdem die Spieler trainieren sollten?

„Das wichtigste ist, dass im Training jeder das Maximum aus sich herausholt, denn nur das geht automatisch mit einer Leistungssteigerung über einen längeren Zeitraum einher. Wenn ich jeden Tag mein Bestes gebe, bin ich überzeugt, dass es bei jedem steil nach oben gehen kann. So wie ich trainiere, so spiele ich auch. Auf Knopfdruck funktioniert man im Regelfall nicht, deshalb schaue ich schon im Training sehr genau hin.“

Zu den Stärken der Austria Amateure zählten unter Ihrer Führung nicht nur die feine Klinge, sondern auch die guten körperlichen Werte. Die Spieler begründen dies mit der hohen Bedeutung, die Sie dem sportwissenschaftlichen Aspekt einräumen.

„Das ist so. Aber alle in meinem Trainerteam haben sehr großes Mitspracherecht, anders will ich das nicht. Ich möchte keinen Co-, Tormann- oder eben Athletik-Trainer, der keine eigenen Ideen hat. Alles geschieht natürlich in Absprache. Wichtig ist, dass man sich gut ergänzt, seine Eindrücke austauscht und dies dann ins Training einfließen lässt. Zur körperlichen Komponente: Mir ist hier wie in vielen Bereichen wichtig, dass man sich nie zufrieden gibt. Ich habe eine Mannschaft übernommen, die körperlich gut in Schuss war. Aber trotzdem müssen weitere Schritte gesetzt werden. Du willst ja nicht auf dem Level bleiben, sondern wenn du gut bist, musst du sehr gut werden wollen. Das versuchen wir zu vermitteln. Im heutigen Fußball geht zudem ohne einem sehr, sehr guten Zustand nichts.“

 

Als Spieler haben Sie den Beinamen Freistoßkönig getragen. Wie wichtig sind Standardsituationen in einem Fußballspiel heute?

„Standardsituationen entscheiden heute häufig Spiele, offensiv wie defensiv legen wir viel Wert darauf. Es gibt Partien, in denen aus dem Spiel wenig gelingt, du sie aber mit Standardsituationen sogar noch umdrehen kannst, wenn nötig.“

Wie zufrieden waren Sie zuletzt mit dem Abwehrverhalten bei gegnerischen Standardsituationen?

„Wir haben solche Situationen in den letzten Spielen gut gelöst. Wir verteidigen bei Eckbällen jetzt wieder in ‚Linien-Formation‘ (statt Manndeckung, Anm.), nachdem wir viele Gespräche geführt und diese als die passendste Variante für unsere Mannschaft befunden haben. Einer der wichtigsten Gesprächspartner in diesem Zusammenhang war unser Tormann-Trainer Franz Gruber, der sich seit vielen Jahren mit diesem Thema beschäftigt.“

Und bei offensiven Standardsituationen?

„Hier liegt noch Arbeit vor uns.“

 

 

Welche Erkenntnis war die interessanteste in ihrer UEFA-Pro-Lizenz-Diplomarbeit über die Spielweise des FC Barcelona?

„Das Barcelona-Konzept macht aus, dass es schon bei den ganz Kleinen in einer einzigartigen Art und Weise umgesetzt wird. Den Spielern werden im Laufe ihrer Ausbildung dieses 'Tiki-Taka', auch wenn das einige jetzt schon nicht mehr erkennen können, sowie eine Spielanlage eingeimpft, die sie im besten Fall später auf Kampfmannschafts-Ebene zum Ausdruck bringen sollen. Das gelingt Barcelona wie keinem anderen Klub auf der Welt.“

Zurzeit ist der FC Bayern das fußballerische Maß aller Dinge. Womit begründen Sie deren Überlegenheit?

„Sie haben sich diese Überlegenheit erarbeitet. Der Verein hat finanziell eine herausragende Entwicklung genommen und dadurch die Möglichkeit, jenes Personal zu verpflichten, dass sie benötigen. Mit Pep Guardiola haben sie einen Trainer, der die Bayern noch besser gemacht hat, obwohl er ein sehr schweres Erbe antrat. Sie sind in ihrem Spiel noch ein bisschen flexibler geworden. Zu Beginn der Saison hat Guardiola seinen Stil aber noch  stärker in die Mannschaft eingebracht. Zuletzt sind sie wieder ein wenig dahin zurückgegangen, wo sie unter Heynckes waren, weil die Vorstellungen bei Bayern vielleicht nicht zu Hundertprozent umsetzbar waren. Sie spielen trotzdem fantastisch und ich glaube, sie können noch besser werden.“  

Von welchen Dingen ist Guardiola zurückgewichen?

„Am Anfang spielte Bayern wie Barcelona aus einer 4-1-4-1-Grundausrichtung heraus, vorne mit einer falschen Neun, also ohne echten Stürmer. Jetzt sind sie zu einem 4-2-3-1 zurückgegangen, das aber sehr flexibel ist und je nach Spielstand oder Gegner anders aussehen kann. Wolfsburgs Trainer hat das am letzten Wochenende gut erklärt, indem er gemeint hat, die Bayern müssten während des Spiels gar keinen Spieler auswechseln, um ihre Spielanlage umzugestalten. Stattdessen wird einfach der eine oder andere Spieler aus der ersten Elf auf eine andere Position gestellt und schon kann einiges anders aussehen.“

Vergangene Woche haben Sie Fanklub-Vertreter getroffen, bereits seit 25. Februar gewähren Sie den Leuten über Ihre persönliche Facebook-Fanseite tiefere Einblicke. Ein persönliches Anliegen?

„Ja, ich denke, dass der Inhalt für unsere Fans interessant sein kann. Sie sollen näher dabei sein und so lange es interessant für sie ist, werde ich das auch fortführen. Ich glaube, es kommt gut an. Ich habe viel Feedback dafür erhalten, von Fans, von meinem näheren Umfeld, von meinen Kindern. Erst gestern hat mich mein Sohn darauf hingewiesen, dass wir jetzt die ‚3.000-Likes-Marke‘ überschritten haben.“

Zurück zur Austria: Am Samstag steht das Spiel beim SK Sturm auf dem Programm. Die Grazer hatten zuletzt wenig Spielglück und befinden sich in einer schwierigen Situation. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Partie?

„Nach dem Sieg gegen Grödig haben wir den Fokus auf das Spiel gegen Sturm gerichtet. Wir lassen uns von der Situation in Graz nicht in die Irre führen, das wird ohne Zweifel ein schwieriges Spiel. Wir müssen schauen, dass wir unseren höchsten Level erreichen, das abrufen, was wir in der zweiten Halbzeit gegen Grödig gezeigt haben. Dann können wir aus Graz durchaus etwas mitnehmen.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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