26.02.2014, 12:37 Uhr

AUSTRIA-IKONE PROHASKA: „GAGER IST DIE LOGISCHE TRAINERWAHL“

Austria-Ikone Prohaska: „Gager ist die logische Trainerwahl“

Die Meinung von Herbert Prohaska, des Jahrhundertfußballer Österreichs und des FK Austria Wien, hat Gewicht. Der 58-Jährige, der als Spieler und Trainer die Violetten mehrmals zum Meister geführt sowie als ÖFB-Teamchef mit Österreich die WM 1998 erreicht hat, sprach vor dem Start zum letzten Liga-Drittel im Exklusiv-Interview für die Homepage des Vereins seines Herzens über viele Themen.

Der 83-fache ÖFB-Teamspieler (10 Länderspiel-Tore), der jetzt als ORF-Chefanalytiker tätig ist, stand uns über die aktuelle Form des Meisters ebenso Rede und Antwort wie über den Trainerwechsel, das Saisonziel, die Premiere der Veilchen in der Champions League, und die ebenfalls kürzlich erfolgte Beförderung seines früheren Mitspielers Andy Ogris zum Amateur-Trainer.

Frage: Wann hast Du die Veilchen zuletzt im Stadion live gesehen?
Prohaska: „Das war am 11. Dezember im Happel-Stadion im letzten Gruppen-Spiel der Champions League gegen Zenit St. Petersburg, das wir 4:1 gewonnen haben. Die anderen Spiele haben ich im Fernsehen verfolgt.“

Frage: Was sagst Du zur aktuellen Form des Titelverteidigers in der laufenden Meisterschaft?
Prohaska: „Der Frühjahrsauftakt war alles andere als gut, deswegen hat es auch die Beurlaubung von Trainer Nenad Bjelica gegeben. Es war klar, dass der Druck riesengroß wird, wenn man zu Beginn das Derby auswärts - nach 1:0 Führung vielleicht ein bisschen unglücklich – 1:3 verliert. Und wenn man dann daheim gegen Wiener Neustadt in der 93. Minute den Ausgleich zum 1:1 kassiert, ist es kein Wunder, dass es in einem Klub wie der Austria ein bisschen unruhig wird.“

Frage: Was sagst Du zu Herbert Gager als Nachfolger von Nenad Bjelica?
Prohaska: „Es ist eine logische Wahl, weil ich glaube, wenn du auf die Schnelle innerhalb einer Woche einen Wechsel vornimmst, dann kann man sich auch leicht verhauen. Die Entscheidung pro Gager jetzt im Frühjahr ist die richtige, denn Herbert kennt das Umfeld im Klub, die Spieler, die Funktionäre. Er muss niemanden kennenlernen, kann sich darauf konzentrieren und hoffen, dass es unter ihm besser geht.“

Frage: Wie kommt die Austria, die diesem und am übernächsten Samstag gegen Schlusslicht Innsbruck und Grödig zwei Heimspiele vor sich hat, aus dem Schlamassel von sechs sieglosen Runden (0-4-2) heraus?
Prohaska: „Im Fußball geht das nur durch Siege. Für mich ist aber die Heimschwäche der Austria mit nur vier Siegen in zwölf Spielen das Negative. Das ist für einen noch regierenden Meister eine erschreckende Bilanz. Das zeigt eklatant, dass die Austria da Probleme hat.“

Frage: Was sind die Gründe, dass die Mannschaft die in der Champions League gezeigten Leistungen nicht auch auf nationaler Ebene abzurufen imstande war und ist?
Prohaska: „Es ist in der Meisterschaft wahrscheinlich so, dass die Austria bis auf wenige Spiele immer Favorit ist und damit hat sie sich schwer getan, das Spiel zu machen, den Gegner unter Druck zu setzen. In der Champions League hat sie hingegen defensiv spielen und auf Konter setzen können. Es ist sicherlich viel leichter als krasser Außenseiter als als Favorit zu spielen.“

Frage: Hast Du das gute Abschneiden des Debütanten in der Champions League so wartet? Bei Punktegleichheit mit dem drittplatzierten FC Porto hat nur das direkte Duell unseren Aufstieg verhindert.
Prohaska: „Ich habe der Austria diese Auftritte auf alle Fälle zugetraut. Sie hat in St. Petersburg und in Porto gepunktet und in überzeugender Manier die Russen daheim geschlagen. In der Königsklasse hat sich Austria sehr, sehr gut verkauft, leider diese Leistung aber nicht in der Meisterschaft gezeigt.“

Frage: Ist das ausgegebene Saisonziel, den zweiten oder dritten Endrang und damit die Europacup-Teilnahme zu erreichen, vor dem letzten Liga-Drittel noch realisierbar?
Prohaska: „Zu erreichen ist es schon, aber da muss eine gehörige Steigerung, da muss ein Lauf her. Da müssen einmal drei, vier Spiele gewonnen werden. Und das wird schwer genug, noch dazu nach dem ein bisschen verhauten Start ins neue Jahr.“

Frage: Kann man Salzburg schon vor den letzten zwölf Liga-Partien zum Meistertitel gratulieren?
Prohaksa: „Den Salzburgern kann man schon lange zum Meistertitel gratulieren. Es spricht für sie, dass sie in den ersten drei Ligaspielen 2014 16 Tore erzielt und nur einen Treffer kassiert haben. Und in der Europa League sind sie sensationell unterwegs. Sie sind schon lange Meister.“

Frage: Wie bewertest Du als Schirmherr der „Heute für Morgen – Erste Liga“ immer wieder laut werdende Stimmen nach einer Aufstockung der höchsten Spielklasse?
Prohaska: „Diese Diskussionen werden jedes Jahr immer wieder geführt. Ich sehe keinen Grund für eine Aufstockung. Ich glaube, es ist sportlich sowohl für die tipp3-Liga als auch für die Erste Liga am wertvollsten zu zehnt zu spielen. Das zeigt ja auch jede Saison der Aufsteiger aus der Erste Liga, dieser spielt immer eine gute Rolle und oben mit. Die Heute für Morgen Erste Liga ist sehr stark und ausgeglichen.“

Frage: Befürworter einer Aufstockung verweisen auch auf den Rückgang der Besucherzahlen und fordern Veränderungen. Zu recht?
Prohaska: „Der Rückgang ist relativ leicht zu erklären. Wenn du oben Teams hast wie Grödig, die zwar super arbeiten, super wirtschaften, aber nie mehr als 2.000 Zuschauer zusammenbringen, dann ist ein Rückgang eingeleitet. Wenn du den LASK oben hättest und der eine halbwegs gute Rolle spielt, kommen dort 10.000 Leute und wir hätten einen anderen Schnitt. In Österreich hängt das Ausbleiben der Zuschauer nicht mit einer zu schwachen Liga, sondern mit Klubs wie LASK, GAK oder Austria Kärnten zusammen, die in der Vergangenheit schlecht gewirtschaftet haben und deshalb nicht mehr erstklassig spielen.“

Frage: Mit dem Aufstieg von Gager zum Cheftrainer der Profis ist Andy Ogris zum Amateur-Trainer befördert worden. Ist das auch eine gute Personalentscheidung?
Prohaska: Der Andy ist in der Akademie U18-Trainer (hier geht's zum Livestream der U19 gegen Benfica Lissabon) gewesen und er kennt die Spieler, die zum Teil auch bei den Amateuren eingesetzt werden, sehr gut. Nachdem bei Austria alle mit seiner Arbeit zufrieden sind, war das auch eine logische Folge. Ich habe mich für ihn schon gefreut, als er in der Akademie einen Job erhalten hat. Er ist eine Austria-Ikone, kann mit jungen Leuten sehr gut arbeiten.

Frage: Wann wird man Dich wieder in der Generali Arena sehen?
Prohaska: Das Problem ist, dass ich eine sehr große Familie habe, die mich auch am Wochenende sehr gerne haben will. Und da fällt die Entscheidung immer sehr schwer. Ich hoffe, bald wieder meiner Austria zuschauen zu können.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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