05.11.2013, 16:01 Uhr

WIRKT DIE MORALSPITZE DER AUSTRIA AUCH FÜR DAS SPIEL IN MADRID?

Wirkt die Moralspitze der Austria auch für das Spiel in Madrid?

Siege machen stark, heißt es auch im Fußball. Und so nahm der FK Austria Wien am Dienstag auf dem Flug nach Spanien eine Portion Selbstvertrauen und ein gutes Omen im Gepäck mit zu seinem vierten Auftritt in der Gruppe G der UEFA Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/live Puls 4 und Sky Austria) gegen Atletico Madrid.

 
Das 3:0 in Wr. Neustadt kam zum richtigen Zeitpunkt und sollte bei den Veilchen als Moralinjektion wirken. Wie am 17. August, als wir daheim die Niederösterreicher 5:0 deklassierten und dann vier Tage später in Zagreb mit dem 2:0 in der Qualifikation gegen Dinamo den wichtigen Grundstein zum erstmaligen Einzug in die Königsklasse legten.

 
Im violetten Lager ist freilich niemand so vermessen und rechnet gegen den Gruppenfavoriten aus dem Land des Welt- und Europameisters auf einen ähnlichen Erfolgscoup wie damals. Die Prioritäten liegen nach dem Lehrspiel gegen Diego Costa und Co. vor zwei Wochen im Hinspiel mit 0:3 im Prater auf ganz anderen Ebenen. Einsatz, Disziplin, Ordnung, Teamgeist lauten die Lehren.

 
„Wir müssen defensiv sehr kompakt stehen, weil wir gegen eine sehr angriffslustige Elf spielen“, gab Kapitän Manuel Ortlechner als oberste Devise aus. Unser Innenverteidiger, und nicht nur er, hofft, dass der Austria eine solche Leistung wie gegen den FC Porto (0:1/daheim) oder in St. Petersburg (0:0) gelingt. „Wir können bestenfalls überraschen“, sagte „Orti“ realistisch.

 
„Es wird natürlich ganz schwierig. Wir werden versuchen, uns gut zu präsentieren. Vielleicht haben wir dazu diesmal etwas Glück auf unserer Seite“, appellierte Trainer Nenad Bjelica auch an Göttin Fortuna, die  uns bisher nicht so hold war und uns nur „Metalltreffer“ gönnte. Nach dem ersten Punkt gegen Zenit, wäre daher das erste Tor der Wiener in der Champions League ein Erfolgserlebnis.

 
„Wir haben schon angeklopft, waren dem ersten Tor bereits ein paar Mal sehr nahe“, erinnerte Florian Mader, der bisher in allen sieben Spielen dieser Europacup-Saison jeweils 90 Minuten im Einsatz gewesen ist und gegen Dinamo einen Treffer beigesteuert hat. „Der erste Treffer in der Gruppe steht ganz oben auf unserer Liste, was wir erreichen wollen“, verriet der Tiroler.

 
Gelingt dieser ausgerechnet im Estadio Vicente Calderon wäre es umso schöner. Je länger hinten die Null gehalten werden kann, desto größer könnten die Chancen auf unsere Premiere werden. Mader erinnerte an das Hinspiel und wie es nicht gemacht werden darf: „Da haben wir Fehler im Defensiv-Verhalten begangen, gerieten mit dem ersten Torschuss in Rückstand und nach 20 Minuten hieß es 0:2.“

 
Der Tiroler fordert kompaktes Stehen in der Defensive sowie allgemein konzentriertes und konsequentes Arbeiten auf dem ganzen Platz ein. „Wie in den ersten zwei Spielen, da ist uns das sehr gut gelungen. Genauso müssen wir auftreten. Jeder muss für jeden kämpfen, die Räume engmachen und vorne müssen die Möglichkeiten, die man bekommt, präzise zu Ende gespielt werden“, nannte Mader den Plan in der Theorie.

 
Er ist damit einer Meinung mit seinem Mitspieler. Christian Ramsebner, der in Wiener Neustadt den gesperrten Kaja Rogulj vertreten hat, sagte: „Atletico repräsentiert derzeit eine der stärksten Vereinsteam der Welt. Gegen die Madrilenen ist es schwer zu bestehen. Wir müssen schauen, dass wir unser Bestes geben, dass wir wieder eine sehr kompakte Mannschaftsleistung abliefern so wie in St. Petersburg.“

 
In Russland hatte der Oberösterreicher, der beim 0:3 gegen Atletico in Wien auf der Ersatzbank saß, übrigens den damals verletzten Rogulj ausgezeichnet vertreten und Lob von Nebenmann Ortlechner („Respekt für seine Leistung“) erhalten. „In St. Petersburg hat es ganz gut funktioniert“, war „Ramsi“ mit sich zufrieden. Er sei bereit, er trainiere jeden Tag dafür, dass er seine Leistung aufrufen könne, wenn er spielen dürfe.

 
In Madrid wird ein einzelner Spieler zu wenig, das Kollektiv wird dort gefragt sein. „Wir sind krasser Außenseiter und haben nur eine Chance, wenn jeder einen guten Tag hat, wenn wir als Mannschaft geschlossen auftreten, uns nicht scheißen, die Zweikämpfe mit Selbstbewusstsein bestreiten. Dann ist auch gegen ein so ein Team etwas möglich“, fordert Ramsebner totalen Einsatz.

 
Den dritten Endrang, der im Frühjahr zum Wechsel in die Europa League berechtigt, hat der Meister keineswegs schon zur „Halbzeit“ der Gruppenphase abgeschrieben. Im Fußball setzte man sich immer hohe Ziele. „Natürlich wird es schwer, wir haben im Pool drei starke Klubs. Unser nächstes Ziel muss einmal sein, dass wir ein Tor machen und dann vielleicht einen Sieg holen. Abgerechnet wird Mitte Dezember“, meinte Ramsebner.

 
Mader hält den dritten Platz „rechnerisch“ schon noch für möglich. Aber man wisse auch, dass das sehr, sehr schwer würde. Denn es warten jetzt in Madrid und dann in Porto zwei Auswärtsspiele. „Uns ist allen bewusst, dass wir punkten wollen und dass wir natürlich alles versuchen werden“, versprach der Routinier, für den das riesige Estadio Vicente Calderon einen besonderen Reiz verspürt: „Die Vorfreude ist bei allen schon sehr groß.“

 
Die Wiener dürfen dort von den Hausherren nicht erwarten, dass diese aufgrund ihres Fünf-Punkte-Vorsprungs in der Tabelle auf den ersten Verfolger vielleicht im Schongang agieren könnten. „Wir reden jetzt nicht vom Aufstieg, sondern konzentrieren uns nur auf das nächste Spiel“, sagte Raul Garcia, der in Wien für die schnelle Führung gesorgt hatte. Der Mittelfeldspieler lässt aus gutem Grund keinen Übermut aufkommen.

 
Schließlich ist für Atletico ein neuer Vereinsrekords in der Champions League zum Greifen nahe. Vier Siege in Serie hat der spanische Cupsieger und aktuelle Tabellenzweite der Primera Division in der „Königsklasse“ noch nie gefeiert. Mit dem vierten Streich wäre die Truppe von Diego Simeone auch erstmals seit 2008/09 fix für die K.O.-Phase qualifiziert.

 
Dass die Austria dem Favoriten einen Strich durch diese Rechnung machen könnte, glaubt in der spanischen Hauptstadt niemand. Zumal die Simeone-Truppe am Sonntag auch zu Null gewonnen hat. 2:0 daheim vor 54.000 Besuchern durch Tore von David Villa (33.) und Diego Costa (41.) gegen Athletic Bilbao. 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 19 39
2. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 19 22
7. FC Admira Wacker Mödling 19 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SV Mattersburg 19 14
10. SKN St. Pölten 18 14
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