02.02.2013, 10:45 Uhr

WARUM GASSELICH ERSTER PRÄSIDENT DES LEGENDENKLUBS IST

Warum Gasselich erster Präsident des Legendenklubs ist

Seit September 2012 verfügt der FK Austria Wien über einen Legendenklub samt eigenen Räumlichkeiten im ersten Stock der Südtribüne der Generali-Arena, in dem sich auch eine Ehrentafel mit Bildern befindet. Erster Präsident des erlauchten Kreises ist Felix Gasselich. Warum gerade er, fragt sich vielleicht der eine oder andere Fan angesichts der Dichte an großen Ex-Autrianern? „Weil ich das schönste Tor erzielt habe“, antwortet der frühere Mittelfeldspieler mit breitem Grinsen.

 
Gasselichs Treffer 1982 im Europacup gegen Galatasaray ist anlässlich des 100. Geburtstages des Vereins 2011 zum „Tor des Jahrhunderts“ gewählt worden. Nein, das war nicht der Grund, warum der Felix, der in Istanbul den Ball fünfmal aufgegaberlt und zwei Gegner ausgetanzt hatte, ehe er ihn ins Netz schoss, diese Funktion bekommen hat. „Ich war einer der Väter der Idee“, erzählte der 57-Jährige, der gemeinsam mit Kuratoriumsmitglied Gerhard Kaltenbeck den Klub ins Leben gerufen hat.

 
Als Geburtsstätte der violetten „Oldie-Runde“ scheint der Stadtwirt im dritten Wiener Bezirk in der Chronik auf. Dort kamen einst die 55er-Junioren zusammen, mit denen Gasselich 1970 Meister geworden ist. Später dann gesellten sich Spieler wie Erich Obermayer, Josef Sara etc. dazu, die Gasselich und Konsorten gekannt und zu ihrer geselligen und regelmäßigen Runde eingeladen hatten.

 
Der erste Präsident hat sich auch im Ausland umgesehen, wie Legendenklubs in Dortmund, Hamburg und Amsterdam - in den Niederlanden hat er für Ajax (1983 bis 1985) selbst einmal gekickt - gegründet und aufgezogen wurden. So eine Einrichtung müsste doch auch in Favoriten möglich sein, hatte er sich gesagt. „AG-Finanzvorstand Markus Kraetschmer war gleich Feuer und Flamme und so kam ich mit Gerhard Kaltenbeck zusammen“, erzählte Gasselich.

 
Der frühere Techniker, der mit den Violetten fünfmal Meister und dreimal ÖFB-Cupsieger war und 1978 im Pariser Endspiel des Europacups der Cupsieger stand, macht seine neue Aufgabe riesigen Spaß. Er hatte bei aktuellen Partien der Violetten schon etliche Ex-Kicker getroffen und gefachsimpelt. Doch möchte er in Zukunft in der Generali-Arena auch solche sehen und mit ihnen plaudern, mit denen man nicht so oft zusammenkommt.

 
„Ich denke da an den Köglberger Heli, den Aigner Ernstl oder den Krieger Edi“, nannte er Beispiele und möchte auch ehemalige Austria-Legionäre wie Julio Morales, Tibor Nyilasi oder Sigurd Rushfeldt an den Verteilerkreis bringen. Die Besuche der Ausländer, die ein- oder zweimal im Jahr stattfinden sollen, seien noch Zukunftsmusik. „Dafür müssen wir erst Sponsoren gewinnen, die zum Aufenthalt der Gäste beitragen“, erklärte Gasselich.

 
Der exklusive Klub, der derzeit 79 Mitglieder zählt, erfreut sich großer Beliebtheit. Das bewies kurz vor Weihnachten auch eine gesellige Feier, zu der von den 63 noch lebenden Legenden 28 „Oldies“, die es zusammen auf 97 Meister- und 68 Cup-Titel gebracht haben, gekommen waren. Dabei gab es viel zu erzählen, zu diskutieren und zu erfahren.

 
So etwa, dass sich Obermayer nach langer, schwerer Krankheit auf dem Weg der Besserung befindet. Dass Andy Ogris durch seine Tochter Natascha im Jänner zum Opa gemacht wird. Oder dass Josef Hickersberger und unser aktueller Chefcoach Peter Stöger etwas Austria-Gemeinsames hatten. „Uns zwei haben sie am selben Tag gefeuert – 1994 nach dem 4:0-Erfolg im ÖFB-Cup-Finale gegen FC Linz. Den Peter als Spieler und mich als Trainer“, erinnert sich der Ex-Teamchef.

 
Mit Alfred Riedl und Herbert Prohaska waren noch zwei weitere frühere ÖFB-Teamchefs zu Austrias weihnachtlichen Legenden-Abend erschienen. „Wir haben aus früheren Zeiten erzählt. Aber nicht, wie gut wir waren, sondern über irgendwelche Episoden, die nichts mit Fußball zu tun hatten“, verriet der einstige „Schneckerl“, der selbst gute und etliche Anekdoten zum Besten geben kann. Völlig ernst ist seine Einschätzung, was den Verein seines Herzens betrifft.
 

„Er hat in den vergangenen Jahren wirklich enorm an Sympathie gewonnen. Das zeigt auch, dass er einen edlen Legendenklub installiert hat. Und für mich war es auch eine kleine Überraschung - wie der Sieben-Punkte-Vorsprung in der Tabelle -, dass es gleich im ersten Jahr der Gründung eine Weihnachtsfeier gegeben hat. Austria ist auf dem Weg zu Klein-Bayern-München oder Klein-Real-Madrid“, lobte Prohaska.
 

Er habe schon vor dem Legendenklub zu vielen Oldies Kontakt gehabt, aber nicht im so großen und organisierten Rahmen wie jetzt. „Zu etlichen Mitspielern von früher ist die Verbindung aber abgerissen, das können wir nun wieder auffrischen“, hofft der „Jahrhundert-Fußballer“ Österreichs und der Austria. Mit vielen „Spezln“ trifft er jedes Jahr in Mayrhofer zum Skifahren zusammen. „Im Jänner rennt dort immer der Schmäh und rinnt der Schnaps!“
 

Vor den aktuellen Kickern der Austria und deren 48 gewonnenen Punkten im Herbst ziehen die Legenden durch die Reihen den Hut. „Ich wünsche mir dazu 2013 ein ähnlich gutes Frühjahr“, hofft Gasselich und spricht im Hinblick auf das erste Liga-Spiel 2013 auswärts gegen Rapid von einer „Sechs-Punkte-Partie“. Wenn man danach daheim auch Admira schlage, könne man gleich von Beginn an Salzburg unter Druck setzen.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 18 36
2. FC Red Bull Salzburg 18 34
3. FK Austria Wien 18 34
4. SK Puntigamer Sturm Graz 17 33
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 17 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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