15.03.2013, 14:38 Uhr

TAKTIKER SCHMID ÜBER DEN TITELKAMPF, ANALYSEN UND MATTERSBURG

Taktiker Schmid über den Titelkampf, Analysen und Mattersburg

Manfred Schmid ist einer aus dem Betreuer-Teams rund um Peter Stöger. Der „Schmidl“ oder "Schmidi", wie er gerufen wird, hat als Aktiver mit dem FK Austria je dreimal den Meistertitel und den Supercup sowie zweimal den ÖFB-Cup gewonnen. Er ist einer der engsten Vertrauen des Chefcoachs.
 

Der Wiener gilt als exzellenter Analytiker und kennt Stöger, den Verein, zu dem er erstmals im zarten Alter von zehn Jahren als kickender Knirps aus Simmering kam, und auch etliche Spieler als Co-Trainer aus gemeinsamen Zeiten in Wiener Neustadt ganz genau.
 

Der 42-Jährige, der mit Petra verheiratet ist und die UEFA-Pro-Lizenz mit Auszeichnung erworben hat, bestritt zwischen 1988 und 2002 insgesamt 451 Spiele (29 Tore) als defensiver Mittelfeldspieler. Seit seiner Rückkehr nach Favoriten im Jänner 2011 ist er als Stratege eine fixe Größe auf dem Weg zum möglichen Titel.
 

Vor dem kommenden Liga-Spiel am Sonntag (17:00 Uhr) zum Abschluss der 26. Runde in Mattersburg sprach Schmid, der als Trainer in der Stronach-Akademie, im BNZ, bei den Amateuren, in Schwanenstadt und in eben in Neustadt tätig war, über Analysen, den Titelkampf, das 0:0 in Wiener Neustadt und erzählte Interessantes aus der Praxis mit den Veilchen sowie sein Verhältnis zum Chef.
 

Über Manöverkritiken nach Spielen im Allgemeinen:
Manfred Schmid:
"In erster Linie ist es wichtig, dass man sich nach erfolgreichen, aber auch nach weniger erfolgreichen Spielen zusammensetzt und überlegt, was man vorgehabt und was man davon umgesetzt hat. Welche Möglichkeiten hat man, Dinge zu verbessern. Das galt für das 4:0 gegen Wacker ebenso wie für das 0:0 zuletzt in Wiener Neustadt."
 

Über sein Resümee der Partie in Wiener Neustadt im Konkreten:
"Die Mannschaft war auf die Stärken und Schwächen der Neustädter, die wir auch so erwartet haben, gut vorbereitet.  Wir waren gut in der defensiven Ordnung und hatten bis auf ein, zwei Situationen kaum Probleme." 
 

Über das violette Offensivspiel auf schwer zu bespielendem Feld in Wiener Neustadt:
"Unser Spiel nach vorne hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Es war kaum möglich, schnell und direkt zu spielen und den Gegner damit so unter Druck zu setzen. Wir haben es verabsäumt, die wenigen Chancen zu nützen und in Führung zu gehen, dann wäre die Sache vielleicht einfacher geworden."
 

Über zwei verlorene Punkte in Wiener Neustadt:
"Grundsätzlich ist nichts passiert. Wir haben eingeplant, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen. Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, dass sie nicht wollte oder die Einstellung nicht in Ordnung war. Sie weiß ganz genau, worum es geht, was sie leisten muss, damit sie Erfolg hat."
 

Über das kommende Spiel am Sonntag in Mattersburg:
"Das wird wieder eine schwierige Aufgabe. Man sieht an den Spielen gegen Teams aus der unteren Tabellenregion, dass man große Probleme hat gegen Mannschaften, die hinten drinnen stehen, kratzen und beißen. Es ist eben das, was man von Gegnern erwarten kann, die im Abstiegskampf stecken."
 

Über den Gegner, der am Mittwoch im Nachtrag in Wolfsberg spielte:
"Die Mattersburger haben zuletzt gute Leistungen gebracht, im Hanappi-Stadion Rapid gefordert und nur mit Pech dort nicht gewonnen. Uns erwartet ein ähnliches Spiel. Sie sind stark im Zweikampf, laufstark und sehr aggressiv. Sie suchen ihr Heil im Konter. Es ist keine Mannschaft, die uns in die eigene Hälfte drückt und unter Druck setzt, sondern eher versucht, aus geordneter Formation und schnelles Umschalten in den Angriff zu gehen."

 

Manfred Schmid, Alex Grünwald und Philipp Hosiner während des Trainingslagers in Lara.
 

Über die Kunst, die Spannung und Stimmung der Spieler hochzuhalten:
"Wir wissen, dass wir schon ein Ziel erreicht haben: Das ist die Champions-League-Qualifikation. Jetzt können wir diese Saison krönen. Wir werden alles daran setzen, diese Top-Voraussetzung zu nützen. Spieler, die in dieser Situation einen Motivator benötigen, um Meister zu werden, brauchen keinen Trainer, sondern einen Arzt. So eine Chance hat man im Leben vielleicht nie wieder!"
 

Über den unbedingten Willen, den jeder Spieler haben muss:
"Jeder ist gefordert, wenn er zum Einsatz kommt. Er muss alles dem Erfolg der Mannschaft und des Vereins unterordnen - nur so können wir die Meisterschale nach Favoriten holen. Persönliche Interessen müssen hintangestellt werden. Salzburg weiß genau, dass wir in den kommenden zwei Spielen alles für uns entscheiden können. Ich bin davon überzeugt, wenn wir sechs oder vier Punkte machen, wird da nichts mehr passieren."
 

Über den einzig verbliebenen Titelrivalen Salzburg:
"Jetzt ist noch nichts entscheiden. Die Salzburger können natürlich noch ran kommen, aber man hat aufgrund der Körpersprache von Spielern und des Betreuers gesehen, dass sie viel Druck haben. Wir wissen auch, dass sie versuchen, uns irgendwo den Druck weiterzugeben. Jetzt den zweiten Platz als ihr neues Ziel zu formulieren, ist unglaubwürdig, zumal sie andere Ansprüche haben."
 

Über den Umgang mit solchen Stress-Situationen:
"Wir haben hier Leute, die selbst in solchen Lagen waren, wo sie entweder einem Rückstand nachgelaufen sind oder einen Vorsprung verteidigen mussten, und am Ende erfolgreich waren. Wir können damit umgehen. Wir analysieren die eigenen Spiele und bereiten uns immer akribisch auf den nächsten Gegner intensiv vor."
 

Über die Konzentration auf die Aufgaben:
"Salzburg ist momentan für uns absolut kein Thema. Unser ganzer Fokus liegt auf Mattersburg. Es gibt viele Einzelgespräche über die Dinge, die vielleicht nicht so funktioniert haben und die man dabei anspricht. Doch grundsätzlich befinden wir uns auf einem sehr guten Weg. Die Mannschaft hat Charakter. Wenn man den Spielern in die Augen schaut, dann sieht man, wie sehr sie brennen."

 

Chefcoach Peter Stöger und Assistenztrainer Manfred Schmid.
 

Über das Trainerduo Stöger/Schmid und was es ausmacht:
"Wir kennen einander schon sehr lange, haben gemeinsam gespielt. Jeder kennt die Schwächen und Stärken des anderen. Jeder weiß über den Menschen Stöger bzw. Schmid Bescheid. Wir können uns gegenseitig genau einschätzen. Wir vertrauen einander blind, haben die gleich Einstellung zum Fußball, zu unserem Verein Austria Wien und wir haben die gleichen Ziele."
 

Über eine Längenwelle zweier Personen, die beide Ruhe ausstrahlen:
"Wenn ich mit Peter Spiele beobachte oder mit ihm über Fußball rede, habe ich das Gefühl, wir haben beide noch Großes vor Augen. Mittlerweile ist es schon so, wenn er oder ich etwas sagt, schauen wir uns nur kurz an und wissen, das passt oder es passt nicht."
 

Über eine gewachsene Arbeitsbeziehung:
"Wir haben schon viele Jahre miteinander verbracht, Höhen und Tiefen erlebt als Spieler und als Trainer. Vor allem haben wir schon in anderen Klassen trainiert. Ich habe ganz unten im BNZ begonnen, betreute dann die Austria Amateure, habe in Schwanenstadt den Klassenerhalt schaffen müssen und war in Neustadt. Peter war bei der Vienna, beim GAK, in Wiener Neustadt. Wir sind beide froh, dass wir diese Umwege gegangen sind. Das hat uns sehr geprägt und weiterentwickelt."

 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 8 17
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 8 15
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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