18.09.2013, 16:02 Uhr

STATISTIKCHECK: AUSTRIA ZUM AUFTAKT GEGEN DEN GRUPPEN-FAVORIT

Statistikcheck: Austria zum Auftakt gegen den Gruppen-Favorit

Endlich ist für unsere Mannschaft der erste Tag der Bewährung in der Champions League gekommen, für die sich die Austria im fünften Anlauf zur großen Freude qualifiziert hat.  Am Mittwoch (Anpfiff 20:45 Uhr/Schiedsrichter Craig Thomson/SCO/live auf Puls 4, Sky) gastiert mit dem FC Porto das vielleicht größte Kaliber in der Gruppe G im Wiener Ernst Happel-Stadion, wenngleich Atletico Madrid und Zenit St. Petersburg ebenfalls zur erweiterten europäischen Elite zählen.


Der Serien-Champion aus Portugal, der von 1990 bis heuer 17 seiner insgesamt 27 Meistertitel holte, seit 2003 nur 2005 und 2010 nicht gewann (!) und auch in der laufenden Punktekampagne mit dem Maximum von 12 Zählern nach vier Runden schon wieder voranliegt, hat schon zwei Trophäen der europäischen Eliteklasse in seiner Klub-Vitrine stehen.


1987 überraschte der damalige Außenseiter mit dem 2:1 im Wiener Europacup-Finale der Landesmeister gegen den FC Bayern München und 2004 sicherte sich die Elf von Jose Mourinho in Gelsenkirchen mit dem klaren 3:0 gegen AS Monaco auch in der Champions League den Titel.


Kein Wunder, dass die Portugiesen mit besonderer Freude Wien und das damalige Prater-Stadion in Erinnerung haben, viele Fußballfreunde haben noch das Fersler-Tor zum 1:1 des Algeriers Madjer im Gedächtnis, dem Juary das bejubelte Siegestor folgen ließ.


In der Schalke-Arena 17 Jahre später trafen dann Carlos Alberto, Deco und Alenitschew und krönten den Erfolgsrun von Mourinho, der von Jänner 2002 bis Sommer 2004 mit den Blau-Weißen zwei Meistertitel, einen Landescup (von insgesamt 16, zuletzt 2011), die Champions League 2004 und vorher den UEFA-Cup 2003 gewann. Im Endspiel von Sevilla wurde Celtic Glasgow nach Verlängerung mit 3:2 bezwungen, wobei Derlei zweimal und Alenitschew scorten, dann übersiedelte der recht eigenwillige Erfolgstrainer - nicht zuletzt wohl auch finanziell nach London gelockt - zum FC Chelsea.


Sieht man vom Weltpokal 2004 ab (0:0, Elferschießen 8:7 gegen Once Caldas/COL) so blieben nach Mourinho international mit Ausnahme der Saison 2010/11 die ganz großen Erfolge aus. 2011 bezwang der FC Porto im rein portugiesischen Endspiel von Dublin den SC Braga durch den Treffer von Falcao mit 1:0 und holte sich damit auch im Nachfolgebewerb des UEFA-Cups, der Europa League, einen Titel. Der Klub war fast durchwegs in der Champions League vertreten, in der allerdings spätestens im Viertelfinale Endstation war.


Paulo Fonseca (40) heißt seit Juni der Trainer des 1893 gegründeten Futebol Clube do Porto, der seit 2003 im neu gebauten Estadio do Dragao (Drachen-Stadion, Kapazität gut 50.000) spielt und am 28. September sein 120-jähriges Bestehen feiert.


Er ist nach Mourinho bereits der achte Coach der Hafen-Elf und Nachfolger von Vitor Pereira, der von 2011 bis 2013 die Mannschaft zu zwei Meisterschaften führte. Einst (von 1980 bis 1982, als vor allem noch überwiegend Benfica Lissabon in Portugal den Ton angab), schwang auch unser „Jahrhundert-Trainer“ Hermann Stessl, der am 3. September seinen 73. Geburtstag feierte,  beim FCP das Zepter. Vizemeistertitel, Supercup-Sieg und erstmals Vorstoß ins Viertelfinale bei den Cupsiegern lautet die Ausbeute des gebürtigen Grazers, der noch intensive Beziehungen zu Portugal und dessen Fußball hat.


Wenn auch nicht unbedingt als Generalprobe für Mittwoch zu bezeichnen, nagt die 2:3-Niederlage am Samstag in der Generali-Arena gegen Aufsteiger Grödig doch einigermaßen an der Stimmung im violetten Lager. „Abhaken, nur das Positive mitnehmen“, wird als Devise ausgegeben. Das Positive war das gute Spiel mit zahlreichen Chancen in der ersten Hälfte, die zu einer klaren Führung hätten reichen müssen, aber teilweise auch mit Pech vergeben wurden.


Vielleicht und hoffentlich erinnern sich Torschützenkönig Philipp Hosiner und Co. gegen den FC Porto an ihre Abschlussstärke, die in der vergangenen Saison der Austria mit dem Punkterekord von 82 Zählern den 24. Meistertitel beschert hatte.


Die drei Gruppen-Konkurrenten gewannen übrigens auch jeweils daheim alle am Samstag ihre Meisterschaftsspiele. Der FC Porto mit 2:0 gegen Gil Vicente (Tore: Varela, Martinez),  Atletico Madrid mit 4:2 gegen Almeria (David Villa, D. Costa/Elfer, Mendes, Raul Garcia) und Zenit St. Petersburg gegen Terek Grosny mit 2:0 (Kerschakow, Danny). Porto und Atletico sind nach vier Runden mit dem Maximum von 12 Punkten Spitze (die Madrider ex aequo mit dem FC Barcelona), Zenit hinter ZSKA Moskau (20) mit 17 nach acht Runden Zweiter.


Dass die Gegner Austria in der Gruppe G nur als Anwärter für Rang vier einstufen, auch wenn Sätze wie „jede Mannschaft, die sich qualifiziert, hat Qualität“ fallen, lassen einige Kommentare durchblicken. Sergej Semak, Co-Trainer des Italieners Luciano Spalletti bei Zenit, gibt die Meinung wohl aller drei Klubvertreter wieder, wenn er feststellt: „Porto, Atletico und Zenit haben größere Chancen weiterzukommen als die Austria, bei allem Respekt für die Österreicher, die aber durchaus auch in der Lage sind, stärkere Mannschaften zu ärgern. Dass sie sich aber für das Play Off qualifizieren, ist nur schwer vorstellbar“, so der Russe, der den FC Porto aufgrund seiner großen Geschichte und Erfahrung in der Champions League als Gruppenfavoriten einstuft.


Beim FC Porto von Portugiesen zu sprechen, ist übrigens eine Übertreibung. Im Kader stehen nämlich mit Josue, Varela, Lica und Ricardo nur vier. Hingegen acht Brasilianer, je zwei Argentinier, Mexikaner und Kolumbianer sowie je ein Russe, Angolaner, Uruguayer, Franzose, Belgier, Franco-Argentinier und Türkei-Belgier. Stürmer Jackson Martinez (COL) und Verteidiger Nicolas Otamendi (ARG) sind derzeit die Prominentesten in einer Mannschaft, die Klasse aber keine überragenden Stars hat. 


Die Austria kreuzte mit portugiesischen Klubs erst insgesamt vier Mal die EC-Klingen, wobei die Gegner  immer das bessere Ende für sich hatten.

 

Darunter in der Saison 2002/03 auch mit dem Mittwoch-Gegner in  der 2. UEFA-Cup-Runde, als unsere Violetten in Wien mit 0:1 (Tor Derlei) und auswärts mit 0:2 (Postiga, Derlei) unterlagen. Gegen Benfica war zweimal Endstation: 1961/62 (Meister/Achtelfinale) mit 1:1 (h) vor 80.000 (!) Zuschauern (Stark bzw. Aguas) und 1:5 (a/Humberto/Eigentor bzw. Santana 2, Aguas 2, Eusebio).  Sowie 2006/07 in der Champions League-Qualifikation (3. Runde) mit 1:1 (h/Blanchard bzw. Nuno Gomes) und 0:3 (a/Rui Costa, N.Gomes und Petit). 2009/10 gab es in der Gruppe (Europa-Liga) gegen Nacional Madeira mit 1:1 (h/Schumacher bzw. Micael) und 1:5 (a/Schumacher bzw. Micael 2, Mateus, Tomasevic, Lopes) das Nachsehen.


Der Vergleich: FK Austria Wien – FC Porto


Austria: 24 Meistertitel (zuletzt 2013), 27 ÖFB-Cup-Titel (2009). Tabellenstand nach acht Runden (5) mit 12/8.

 

Qualifikation: 3. Runde: gegen FH Hafnarfjördur 1:0 (h/Royer), 0:0 (a). Play Off: Dinamo Zagreb 2:0 (a/Leovac, Stankovic), 2:3 (h/Mader, Kienast bzw. Brozovic, Fernandes, Beciraj)

 

Größter EC-Erfolg: Cupsieger-Finale 1977/78 in Paris. 0:4 gegen Anderlecht.

Meistercup 1978/79 (Halbfinale): Malmö FF 0:0 (h),0:1 (a)

 

FC Porto: 27 Meistertitel (2013), 16 Cup-Erfolge (2011). Aktueller Tabellenstand: 1. 12/4.

 

Europacup-Siege: Meister Finale 1987 (Wien): Gegen Bayern München 2:1, Champions

 

League-Finale 2004 (Gelsenkirchen): AS Monaco 3:0

UEFA-Cup 2003 (Sevilla/Finale): Celtic Glasgow 3:2 n.V.

 

Europa-League 2011 (Dublin/Finale): Braga 1:0

 

Weltpokal: 1987 (2:1 n.V. gegen Penarol Montevideo) und 2004 (0:0, 8:7 Elfer gegen Once Caldas/COL)

 

UEFA-Super-Cup 1987 gegen Ajax Amsterdam (1:0 h,1:0 a).

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
2. CASHPOINT SCR Altach 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 18 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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