18.11.2013, 10:28 Uhr

KRAETSCHMER: "DAS WIRTSCHAFTLICHE HÄNGT VOM SPORTLICHEN AB"

Kraetschmer: "Das Wirtschaftliche hängt vom Sportlichen ab"

Markus Kraetschmer stuft sich als „gewissenhaften Kaufmann“ ein. Man darf ihm glauben, hat er mit dem Präsidium und seinen Mitarbeitern doch den FK Austria Wien nach der Stronach-Ära auf solide Beine gestellt. Und er blickt auch mit Optimismus in die violette Fußball-Zukunft. „Durch unsere erstmalige Teilnahme an der UEFA Champions League wird das Geschäftsjahr 2013/14 wahrscheinlich eines der wirtschaftlich erfolgreichsten der Austria-Geschichte“, kündigte der AG-Wirtschaftsvorstand an.

 
Anlässlich der Präsentation der Kennzahlen der wirtschaftlichen Konzern-Bilanz 2012/13, die bei einer Bilanzsumme von 38,3 Mio. Euro und einem Umsatz von fast 24,5 Mio. Euro zum dritten Mal in Folge einen Gewinn (diesmal 700.000 Euro) ausweist, wagte er eine weitere erfreuliche Prognose: „Faktum ist, dass wir das laufende Geschäftsjahr in jedem Fall wieder positiv abschließen werden und dass unser noch negatives in ein positives Eigenkapital umkehrt werden wird“, sagte der studierte Betriebswirt.

 
Im Interview mit unserem Klub-Portal sprach der 41-Jährige über das Lob, das die UEFA den Veilchen für die wirtschaftliche Gebarung spendete, über einen Lernprozess unseres Klubs, über den Aufholbedarf in der Bundesliga, aber auch über mögliche Ab- und Zugänge in der Transferperiode im Jänner.


Die Zahlen des Geschäftsjahres 2012/13 brachten einen Überschuss (700.000 Euro) und eine Reduktion des negativen Eigenkapitals (auf 1,9 Mio. Euro). Wie war das ohne Europacup-Einnahmen, aber erhöhtem Prämienaufkommen in der Meistersaison möglich?

 
„Wir sind sehr froh, dass wir zum dritten Mal in Serie positiv bilanziert haben. Das war nicht selbstverständlich, zeigt aber, dass die harte Arbeit der vergangenen Jahre Früchte trägt. Ich traue mich heute zu sagen, dass wir durch unsere erstmalige Teilnahme an der Champions League nächstes Jahr ein positives Eigenkapital haben werden. Wie hoch es sein wird, hängt aber von noch vielen offenen Fragen ab.“

 
Welche Dinge spielen diesbezüglich eine Rolle in ihren Prognosen?

 
„Wir haben noch zwei Gruppenspiele in der Champions League, da werden Punkte und Prämien vergeben. Wir wissen noch nicht, ob wir im Frühjahr 2014 weiter im Europacup vertreten sind. Was passiert im Jänner auf dem Transfermarkt und wie verläuft die Meisterschaft im Frühjahr? Erst danach kann man seriös beantworten, wohin die wirtschaftliche Reise 2013/14 geht.“

 

Das UEFA-Financal-Fairplay-Bulletin lobte unseren Klub als einen von 14 europäischen Vereinen ob der Gebarung. Macht Sie das stolz?
 

„Was mir persönlich wichtig ist: Nach 2007, als uns Magna und Frank Stronach verlassen haben, wurde uns von vielen eine düstere Zukunft prognostiziert. Und wir sind 2013 nicht nur Meister geworden, sondern haben uns erstmals für die Champions League qualifiziert und zum dritten Mal in Folge wirtschaftlich positiv bilanziert.“
 

Kann man feststellen, dass die Violetten in allgemein schwierigen Zeiten ökonomisch auf bestem Kurs sind?


„Ja, wir sind auf dem richtigen Weg. Wir sind zum Beispiel einer UEFA-Arbeitsgruppe bewusst freiwillig beigetreten, weil die Kriterien des Financial Fairplay (FFP) in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Wir setzen sie schon in der Praxis um. Das UEFA-Lob im letzten internen UEFA-Bulletin zum FFP ist da eine schöne Bestätigung, bei aller Freude über die CL-Teilnahme gleichzeitig aber auch Auftrag, diesen Weg nicht zu verlassen, sondern konsequent fortzusetzen.“
 

Sportlich läuft es national nicht nur nach Wunsch. Was wiegt bei Ihnen mehr, die Freude über die ökonomischen Zahlen oder die Enttäuschung über den vierten Tabellenplatz?
 

„Wir haben uns auch durch die Erfolge der Mannschaft mit dem Meistertitel und die CL-Teilnahme wirtschaftlich weiter stabilisiert. Das Wirtschaftliche hängt natürlich vom Sportlichen ab. Sind wir sportlich erfolgreich wie im Frühjahr 2013, dann werden unsere Spieler interessant, erzielt man Mehreinnahmen aus dem Stadion-Besuch, Merchandising etc. Ich glaube, wir machen derzeit einen Lernprozess durch, der für alle im Klub, die Mannschaft, die Betreuer und die Mitarbeiter aller Bereiche, notwendig und wichtig ist.“
 

Ist diese Phase des Lernens, wie Sie es nennen, etwas Überraschendes?
 

„Das haben schon andere größere Klubs durchgemacht. Ich bin weder enttäuscht, noch traurig. Ich habe gewusst, dass es schwierig werden kann. Dass es so extrem in den Zacken nach oben und unten geht, ist natürlich hart. Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen, werden konkret die ersten Maßnahmen in der Transferzeit im Jänner 2014 setzen.“
 

Heißt das, dass sowohl neue Spieler geholt werden als auch Spieler abgegeben werden?
 

„Wir haben schon nach dem Derby mit Sportvorstand Parits und Cheftrainer Bjelica eine sehr gute Zwischen-Analyse erstellt und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir der Mannschaft durch drei neue Spieler frische Impulse geben wollen. Es kann auch zu Abgängen kommen oder es können Spieler ihren Vertrag nicht verlängern. Und es kann aber auch sein, dass Heinz Lindner, der bis dato immer betont hat, sich bei uns weiterentwickeln zu wollen, nach seinem sensationellen Auftritt in Madrid Angebote erhält.“
 

Als Vizepräsident des Bundesliga-Aufsichtsrates sind Sie sicher über den Ausstieg der Bewerbssponsoren tipp3 und T-Mobile informiert. Als Nachfolger werden Red Bull und bwin genannt, ist da was dran?
 

„Festgehalten kann Folgendes werden: Wir haben vorige Woche eine turnusmäßige Aufsichtsratssitzung der Liga gehabt, in der Vorstand Georg Pangl als Zuständiger der Gespräche informierte. Faktum ist, dass tipp3 und T-Mobile ihre Verlängerungsoption zur Fortsetzung in der jetzigen Form nicht wahrgenommen haben. Es ist aber durchaus möglich, dass die beiden langjährigen Partner in anderer Form erhalten bleiben.“
 

Nochmals nachgefragt, gibt es in der engeren Wahl schon neue Partner, die das Sponsoring in der ersten und zweiten Spielklasse übernehmen könnten?
 

„Es wird derzeit sehr intensiv diskutiert, möglicherweise das Thema Sponsoring/Vermarktung der Bundesliga mit zwei Spielklassen auf neue Beine zu stellen, es im Gesamten zu vermarkten. Vorstand Pangl ist beauftragt, mögliche Partner zu finden sowie Konzepte zu erstellen und Gespräche zu führen. Ich möchte zu kolportierten Namen keine Stellungnahme abgeben, weil ich auch die Gespräche nicht führe. Ich kann die Gerüchte aber in keiner Form bestätigen.“
 

Admira Wacker blitzte mit dem Protest gegen den Acht-Punkte-Abzug wegen Lizenzverstoßes ab. Nimmt das nicht jegliche Spannung aus dem Abstiegskampf?

 
„Wir haben das Interview mit positiven Wirtschaftszahlen begonnen. Um auf diesem Niveau zu sein, sind das Lizenzierungsverfahren und die Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre notwendig gewesen. Das Verfahren unserer Liga zählt mit jenem Deutschlands zu den besten in Europa und wir sind deshalb auch durch BL-Fachvorstand R. Herovits in der Expertengruppe der UEFA dabei. Es reicht eben nicht, sportlich sehr gut zu sein, sondern es heißt auch wirtschaftlich gut zu operieren. Denn wohin sportlicher Erfolg um jeden Preis geführt hat, zeigt leider die Historie. Ich erinnere an Sturm Graz, FC Tirol oder GAK.“
 

Was sagen Sie zum speziellen „Fall Admira“ und die Auswirkungen?

 
 „Das ist alles andere als glücklich. Nur, man muss schon festhalten, ohne Details zu kennen, dass sich der Lizenzsenat die getroffenen Sanktionen sicher sehr genau überlegt hat. Und wenn man sich nicht an Spielregeln hält, dann muss man auch die Konsequenzen, die es gibt, tragen. Offensichtlich hat es zwischen dem Lizenzantrag zum 15.03.2013 und dem, was dann wirklich passiert ist, Differenzen gegeben. Faktum ist auch, dass Admira ja nicht zum ersten Mal mit der Lizenzierung Probleme gehabt hat.“

 
Und wie stehen Sie zum Vorschlag von Bundesliga-Präsident Hans Rinner, Urteile für Vergehen bis Saisonende unter Verschluss zu halten, um den Wettbewerb nicht zu verzerren?
 

„Hans Rinner hat gemeint, man muss auch über solche Lösungsansätze nachdenken, sein Vorschlag könnte eine Option sein. Die große Schwierigkeit ist, man gibt für die kommende Saison im März den Antrag ab, erhält dann eine Lizenz auf Basis der eingereichten Unterlagen, dann werden Abweichungen festgestellt und der Klub wird dann aber im laufenden Spieljahr bestraft. Und wenn man einem Klub, der ohnehin mit Geldsorgen zu kämpfen hat, eine Geldbuße auferlegt, ist das auch nicht der Weisheit letzter Schluss.“

 
Sind sie für die Evaluierung des Lizenzierungsverfahren in Österreich?

 
„Wir haben ein strenges und gutes Verfahren, das extrem wichtig ist und das wir beibehalten müssen. Über Strafen, Konsequenzen, Zeitpunkte, Fristenlauf etc. kann man immer wieder nachdenken und das Verfahren wird stets nachbessern – es gibt fast jährlich Anpassungen der Lizenzbestimmungen in der Bundesliga. Und auch die UEFA wird das FFP konsequent durchziehen. Es hat schon die ersten Fälle gegeben. Der FC Malaga wurde aus dem Europacup ausgeschlossen und einige andere Vereine haben Prämien aus der Champions League vorerst nicht erhalten, weil sie gegen Bestimmungen verstoßen haben.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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