13.03.2013, 16:25 Uhr

EIN TORJÄGER SPRICHT FREI VON DER SEELE HERAUS

Ein Torjäger spricht frei von der Seele heraus

Philipp Hosiner kann sich auch freuen, wenn er einmal nicht gerade auf Torjagd ist und trifft. Der Dienstag war so ein Augenblick. Unser Stürmer wurde von ÖFB-Teamchef Marcel Koller wie schon zuletzt zum Jahresauftakt 2013, als die rot-weiß-rote Auswahl in Wales 1:2 verlor,  in den 23-Mann-Kader geholt. Der Austrianer darf damit zumindest auf seinen zweiten Einsatz im ÖFB-Dress und sein erste Team-Tor hoffen.
 

Entweder am 22. März im Happel-Stadion (20.30 Uhr) gegen Färöer oder vier Tage später in Dublin (20.45 Uhr MEZ) gegen Irland. Dabei geht es zweimal um Punkte für die Gruppe C der WM-Qualifiktion. Hosiner war erst ein einziges Mal in einem Länderspiel mit von der Partie. Am 7. Oktober 2011 kam er beim 4:1 in Aserbaidschan anstelle von Marc Janko in der 88. letzten Minuten zu seinem kurzen Team-Debüt.
 

„Wir haben volles Vertrauen in die jetzt einberufenen Spieler, das sind unsere besten Spieler, davon sind wird überzeugt. Die Jungs können kicken“, sagte Koller anlässlich der Bekanntgabe seiner Wahl, zu der mit Tormann Heinz Lindner und Verteidiger Markus Suttner noch zwei weitere Veilchen gehören. Zudem stehen mit Kapitän Manuel Ortlechner und Mittelfeldmann Florian Mader zwei erweiterte Austrianer auf Abruf bereit.
 

Vom violetten Trio strahlt natürlich Hosiner besonders, nachdem er im Herbst trotz seiner vielen Tore keine Berücksichtigung fand und jetzt zum zweiten Mal innerhalb von etwas mehr als einen Monat zu den besten Kickern Österreichs zählt. Es ist daher ein guter Zeitpunkt, dem nach außen ruhigen Burgenländer Besonderheiten und andere Dinge zu entlocken sowie zu erfahren, wie er „tickt“.
 

Er ist Chelsea-Fan. In Spanien sympathisiert er mit Real Madrid. Sein fußballerisches Vorbild ist seit Jahren der Franzose Thierry Henry. Als weltbesten Kicker nennt er den Argentinier Lionel Messi vor dem Portugiesen Cristiano Ronaldo. „Hosi“ hat mit den von ihm Genannten Gemeinsames: Den Torriecher und den Erfolgshunger.
 

Durch seine Treffer ist unser Stürmer auch auf den Geschmack eines Meistertitels gekommen. „Es wäre wie für viele andere in der Mannschaft der erste. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Vor der Saison hätten nur die größten Austria-Fans daran geglaubt, dass wir Meister werden könnten. Aber so richtig auszusprechen, hat sich das niemand wirklich getraut, weil es zu unrealistisch war“, sagt der 23-Jährige mit der Endstation Sehnsucht im Blickwinkel.
 

Jetzt sei man dort, wo es sich keiner gedacht hätte. „Nun wollen wir natürlich Meister werden – das wäre etwas ganz Besonderes und für jeden ein Traum“, spricht Hosiner frei aus seiner Fußball-Seele. Normal ist er ja eher der „Lionel Messi“, der Mikrofone, TV-Kameras, Journalisten scheut, zurückhaltend, ruhig und bescheiden auftritt. Man kann es auch „Schweinwerfer-Allergie“ nennen. Und so versteht er es manchmal auch nicht, dass er nach einem Spiel von Pressevertretern zum Interview gebeten wird, obwohl die ganze Mannschaft ein gute Leistung gezeigt hat.
 

„Und ich dabei nur den Ball ins leere Tor schieben musste. Ich denke, es hat auch einmal der Tormann, ein Verteidiger oder Mittelfeldspieler verdient, da herausgenommen zu werden“, gibt sich unser Torjäger auch abseits des Rasens als Teamplayer. Doch als Stürmer sei es nun einmal so, dass man im Rampenlicht stehe, wenn man trifft, meint Hosiner und ergänzte nicht ganz unzufrieden: „Gott sei Dank für mich“.
 

Der Ex-Admiraner schielt auch schon ein bisschen auf den nächsten Höhepunkt, wenn am Ostersonntag (16.00 Uhr) mit RB Salzburg der einzige verbliebene Verfolger in die Generali-Arena kommt. „Holen wir am Sonntag in Mattersburg einen Sieg, wird es eine Bombenstimmung geben. Da wird es für Salzburg sicher nicht angenehm, hier zu spielen“, glaubt der Teamspieler im Hinblick auf den Schlager der 27. Runde, für den bis Mittwoch bereits 10.800 Karten verkauft wurden.
 

Eine endgültige Entscheidung werde da aber noch nicht fallen, denkt der Angreifer: „Aber vielleicht können wir einen weiteren großen Schritt Richtung Titel machen“, hofft unser Mann mit der Rückennummer 16, der sich am Verteilerkreis „sehr wohl fühlt“ und vorerst dort Erfolg haben möchte. An einen Transfer ins Ausland verschwendet er derzeit keine Gedanken.
 

„Ob das in zwei, drei oder vier Jahren sein wird, ist mir ziemlich wurscht“, beteuert Hosiner, der „irgendwann einmal“ den Schritt machen möchte. Es sollte für jeden Österreicher das Ziel sein, im Ausland zu spielen. „Weil in Deutschland, England oder Spanien mit den großen Stadien der Fußball einfach anders gelebt wird“, führt er an und versprach: „Ich werde aber nicht sofort gleich den erstbesten Verein nehmen und wechseln“.
 

In Sachen Transfer benötigt Hosiner, der früher einmal für den SV Sandhausen und TSV 1860 München in Deutschland gespielt hat, übrigens keinen eigenen Manager wie ihn viele seiner Kicker-Kollegen haben. „Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig ist mehr oder weniger mein Berater. Er arbeitet schon jahrelang im Profi-Fußball und kennt sich da zu 100 Prozent aus. Ich vertrauen ihm voll und ganz“, erzählt der Goalgetter über sein Umfeld.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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