20.10.2013, 13:56 Uhr

BAUMGARTNER EMPFIEHLT GEGEN ATLETICO: "BALL ZIRKULIEREN LASSEN"

Baumgartner empfiehlt gegen Atletico: "Ball zirkulieren lassen"

Die zahlreichen Fans (bis Sonntag wurden über 42.000 Karten verkauft / Karteninfos), die am Dienstag (20.45 Uhr) im Happel-Stadion dem FK Austria Wien im dritten Spiel zur Gruppe G der Champions League gegen Atletico Madrid fest die Daumen drücken werden, dürfen sich freuen.


„Mit den Rojiblancos kommt die spanische Mannschaft der Stunde in den Prater“, schwärmt Hubert Baumgartner, der sich mit dem Fußball im Land des Welt- und Europameisters fast täglich beschäftigt, ihn in- und auswendig kennt, die Sprache perfekt beherrscht und spanische Medien liest.
 

Die Zuneigung des früheren Austria-Keepers zum spanischen Fußball stammt aus der Zeit, als er für Recreativo Huelva, den ältesten Klub im Land, das Tor hütete. Zwischen 1979 und 1983 lernte er auf der iberischen Halbinsel nicht nur seine Frau Maribel, mit der er zwei Söhne hat, sondern auch viele Freunde kennen. Einer seiner „Spezies“ ist Ex-Teamkicker Julio Alberto Moreno, der mit Baumgartner in Huelva gespielt hat und vorher für Atletico und danach für FC Barcelona tätig war.


Atletico zählt seit damals neben Betis Sevilla, einem Ex-Klub unseres Trainers Nenad Bjelica, zu den Lieblingsvereinen des Kärntners, dessen erster Trainer in Spanien Marcel Domingo war. Dieser kam - natürlich von Atletico. Und als „Hubsi“ unter Leistenproblemen litt, kam ihm einst Atleticos Klubarzt Guillen als Operateur zu Hilfe. „Viele in Spanien sagen, dass es leicht sei, Anhänger von Barca oder Real zu sein. Aber viel interessanter sei es, Anhänger von normalen Klubs zu sein und mit diesen alle Höhen und Tiefen mitzumachen“, verriet Baumgartner, der aber auch andere Gründe für seine Affinität zu Atletico hat.
 

Dass Atletico in dieser Saison sowohl in der Primera Division (gleichauf mit Barca Zweiter), als auch in der Champions League (Erster auch ohne Punkteverlust) glänzt, ist nicht zuletzt ein Verdienst von Trainer Diego Simeone. Der argentinische Ex-Teamkicker ist seit seinem Engagement als Aktiver in der Hauptstadt ein Idol des Atletico-Publikums. „Er war ein Achter, hat als Lokomotive der Mannschaft gegolten“, erinnert sich Baumgartner.
 

Simeone, den sie „Cholo“ (Mestize/Mischlingskind einer Indianerin und eines italienischen Einwanderers) nennen, machte sich als exzellenter Stratege auf dem Rasen einen Namen, war ein Spieler mit körper- und kampfbetonter Note. „Er hat immer alles bis zum letzten Schweißtropfen gegeben“, weiß unser Ex-Torhüter, der mit der Austria dreimal Meister (1976, 1978, 1979), einmal Cupsieger (1977) wurde und den Veilchen als „Elfer-Killer“ 1978 den Weg ins Pariser Europacup-Finale der Cupsieger geebnet hat und mit ihnen ein Jahr später bis ins Meistercup-Semifinale vorgestoßen ist.
 

Das Publikum hat Simeone auch deshalb von der ersten Minute besonders geliebt, weil er als Spieler den Verein vor dem Abstieg bewahrt und eine Saison darauf zum Double geführt hat. Jetzt brachte der 43-Jährige, der vor zwei Jahren seinen Betreuerstab von seiner Trainerstation Estudiantes de La Plata mitgebracht hat, Atletico wieder auf die Erfolgsstraße zurück. Was er einst als Spieler Atletico vorgelebt hat, fordert er nun als Feldherr von seiner Mannschaft ein.
 

Seine Truppe, die einen Marktwert von 251 Mio. Euro besitzt (lt. transfermarkt.at), ist kampf- und spielstark, lebt sehr vom Kollektiv, zeigt dank der technischen Qualität einen tollen Tempo-Fußball. „Das kollektive Denken steht für Cholo stets im Mittelpunkt. Das Ego eines Spielers hat bei ihm keine Chance. Kein Spieler ist wichtiger als die Institution Atletico“, sagte Baumgartner über den Austria-Gegner, der zehnfachen spanischen Meister (zuletzt 1996) und einmaligen Cupsieger (2013) ist und der 2010 und 2012 jeweils die Europa League und den UEFA-Supercup gewonnen hat.
 

Nicht nur für Baumgartner ist Atletico die stärkste Elf in unserer Gruppe. Die Madrilenen spielen sehr variantenreich, sind unheimlich schnell im Umschalten von der Defensive in die Offensive. Der 58-Jährige warnte vor allem vor Standards. „Die sind ein Hobby von Simeone. Die Mannschaft hat 30 Prozent ihrer Tore aus ruhenden Bällen erzielt“. Er wies in diesem Zusammenhang vor allem auf Diego Costa, Miranda, Godin, Raul Garcia, die stark im Kopfball sind, und die gefährlichen Freistoß-Schützen Koke und Gabi hin.
 

„Da wäre die Austria gut beraten, Fouls um ihren Strafraum zu vermeiden“, machte der WM-Teilnehmer 1978, der die UEFA-Pro-Lizenz als Trainer besitzt, auf einen wichtigen Faktor aufmerksam. Was sollten unser Veilchen machen gegen die mit Teamspielern aus vielen Ländern gespickten Startruppe? „Von Beginn an versuchen, den Ball zirkulieren zu lassen, Ballsicherheit gewinnen und geduldig spielen, wie sie es schon gegen Porto und Zenit gezeigt haben“, meinte die Austria-Oldie, der u.a. als Coach 1991 VSE St. Pölten in die oberste Spielklasse geführt und für Admira, FC Linz und Rapid gearbeitet hat.
 

„Hubsi“ drückt am Dienstag natürlich seiner Austria die Daumen. „Es wäre ein weiterer riesiger Prestigegewinn, gegen diese Mannschaft zu bestehen. Dann könnte ich bei meinen vielen spanischen Freunden auch frech sein und muss mir nicht immer anhören, dass wir nur gute Skifahrer haben“, sagte Baumgartner. Zu seinen Freunden, mit denen er per Skype kommuniziert, zählen neben Julio Alberto Moreno noch Jose Antonio Camacho, Guillermo Amor, Miguel Angel Portugal, Mario Kempes, Manolo Zambrano und Gines Melendez Sotos. Letzterer ist Sportdirektor des spanischen Fußball-Verbandes und Chef der Trainerausbildung. „Von ihm erhalte ich aktuelles Trainingsmaterial samt DvDs“, verriet „Hubsi“.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 17 36
2. SK Puntigamer Sturm Graz 17 33
3. FC Red Bull Salzburg 17 31
4. FK Austria Wien 17 31
5. RZ Pellets WAC 17 22
6. FC Admira Wacker Mödling 17 22
7. SK Rapid Wien 17 21
8. SV Guntamatic Ried 17 17
9. SKN St. Pölten 17 14
10. SV Mattersburg 17 11
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