04.11.2013, 15:08 Uhr

AUSTRIA-SPIELER BETRETEN IM ESTADIO VICENTE CALDERON NEULAND

Austria-Spieler betreten im Estadio Vicente Calderon Neuland

Die vierte Runde der Gruppe G der UEFA Champions League führt den FK Austria Wien ins Estadio Vicente Calderon, an die Heimstätte von Atletico Madrid. Unsere Kicker betreten dort am Mittwoch (20.45 Uhr/live Puls 4 und Sky) Neuland. Es erwartet sie neben einem überaus starken Gegner eine pulsierende, einmalige Umgebung. „Die Spieler können sich auf eine großartige Atmosphäre freuen“, sagt AG-Sportvorstand Thomas Parits aus eigener Erfahrung.

 
Diese hat der frühere ÖFB-Teamstürmer zwischen 1974 und 1977 als Legionär des FC Granada gemacht. „Mein erster Auftritt in Madrid war jener im Herbst 1974 im Altetico-Stadion. Wir haben einen Punkt geholt und es herrschte eine sehr gute Stimmung. Es wird für jeden ein Erlebnis werden“, meint Parits, der die Kultstätte in der spanischen Hierarchie und der Tradition hinter dem Camp Nou (FC Barcelona) und dem Santiago Bernabeu (Real Madrid) einstuft.

 
Auch unser Trainer Nenad Bjelica hat das Aletico-Stadion als Spieler während seines Spanien Engagements zwischen den Jahren 1993 und 1977 (Betis Sevilla, Las Palmas und Albacete) kennengelernt. „Die Fans von Atletico und Betis Sevilla sind die treuesten im Land. Die Stimmung wird heiß, aber die Anhänger werden korrekt sein“, berichtet der Kroate aus seiner aktiven Laufbahn. Er verbindet das Vicente Calderon besonders mit einem 1:1 im Cup und einem Spiel, das er verloren hat, als Atletico 1995/96 um den Titel gespielt hat.

 
Robert Sara, nun als Co-Trainer bei den Austria Amateuren tätig, kann ebenfalls ein Lied über das Estadio singen. „Wir haben relativ brav gespielt, aber 0:2 verloren. Es war ein riesiges Erlebnis. Man kann sich als Spieler nichts Schöneres wünschen, überhaupt wenn man dort noch nie vorher gespielt hat“, erinnert sich unserer Ex-Kapitän, der neben Krieger, Hickersberger, Riedl und Co. im November 1970 in der zweiten Runde des Meistercups bei Atletico zu Gast war.

 
Damals hat die 55.000-er-Arena, die 1966 errichtet wurde, Anfang der 70er-Jahre umgebaut und zu Ehren auf den Namen des Mäzens und Klubpräsidenten Vicente Calderon umgetauft wurde, übrigens noch Estadio del Manzanares geheißen. Diese Bezeichnung wurde gewählt, weil das riesige Oval im Süden der Hauptstadt am Rio Manzanares liegt. Der Fluss hat eine ganz besonderen Beziehung zu dem Rund und Atletico.

 
Hubert Baumgartner, der zwischen 1979 und 1983 für Recreativo Huelva das Tor gehütet hat, seither mit einer Spanierin verheiratet ist und sich mit dem Fußball auf der iberischen Halbinsel noch immer intensiv beschäftigt, weiß, welche Verbindung es da gibt. Am Ufer des Flusses waren früher viele verschiedene Handwerker angesiedelt. Ganz nahe dem Stadion hatten sich die „Colchoneros“ (Matratzenmacher) niedergelassen.

 
„Um die Zuneigung zu den Handwerkern deutlich zu machen, hat der Arbeiterklub seine Vereinsfahren nach dem Bürgerkrieg 1936 von Blau-Weiß auf Rot-Weiß geändert. Das Rot-Weiß dominiert nämlich die Trachten der Matratzenmacher“, klärt „Hubsi“ über den zweiten Spitznamen des kommenden Austria-Gegners auf. Daher werden die „Rojiblanos“ auch „Colchoneros“ genannt.

 
Der Rio Manzanares hat Baumgartner, der mit Austria dreimal Meister war und 1978 mit ihr das Europacup-Endspiel der Cupsieger in Paris erreicht hat, zu einer ganz eigenen Einlage verholfen. „Als ich einmal in einem Spiel im Jänner aus meinem Tor an die Strafraumgrenze lief, habe ich mich plötzlich als Eisläufer gefühlt“, erzählte der 58-Jährige Kärntner. Da das Stadion an einer Ecke zum Fluss hin offen ist und die Kälte auf das Feld zieht, sind Minusgrade im Winter möglich. 

 
Marko Stankovic hat sich auf das zweite Treffen mit Atletico besonders gefreut. Leider wird nun nichts daraus. Unser erfolgreichster Torschütze (8 in 16 Pflichtspielen), der beim 0:3 in Wien nach 14 Minuten vom Rasen musste, ist noch immer außer Gefecht. „Das Stadion habe ich mir vor Kurzem schon im Internet angeschaut. Wenn man im Fernsehen ein Spiel verfolgt, merkt man, welche tolle Stimmung dort herrscht. Ich war dort noch nie“, trauert der Mittelfeldspieler, der alles wieder via TV anschauen muss, um seine vergebene Chance.

 
Möglicherweise wird Stankovic das Estadio Vicente Calderon, unter dessen Haupttribüne durch einen Tunnel eine Hauptstraße führt, der bei Spielen nur für die Team-Busse und VIP's offen ist, nie mehr als Spieler betreten. Es wird nämlich abgerissen. Atletico fiebert der Übersiedlung ins Estadio de Madrid 2016/17 entgegen. Diese 1994 errichtete Arena war für die Bewerbung der Hauptstadt um die Olympischen Sommerspiele 2020 ins Auge gefasst worden, doch das IOC gab letztlich Tokio den Zuschlag. Jetzt wird das Stadion zu einem Fußball-Tempel ohne Laufbahn und für über 70.000 Zuschauer umgebaut.

 
„Atletico sagt, ein Stadion muss Geld verdienen, darf nichts kosten“, hört Baumgartner von seinen vielen Freunden aus Spanien über die Philosophie des aktuellen spanischen Cupsiegers, der heuer das Giganten-Duo Barca und Real in der Tabelle gesprengt hat. Die „Matratzenmacher“ sind sportlich zur Creme de la Creme im Land des Welt- und Europameister aufgestiegen. Mit dem multifunktionalen Stadion, das Büros, Shops, Konferenz-Center etc. beherbergen wird, ist man dann auch abseits des Rasens auf einem Niveau mit den ganz Großen des Fußballs.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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