31.07.2013, 14:31 Uhr

"WER IN GRUPPENPHASE WILL, MUSS DIESE HÜRDE NEHMEN!"

"Wer in Gruppenphase will, muss diese Hürde nehmen!"

Während einer wichtigen Zeit für den FK Austria Wien mit den beiden Spielen in der dritten Quali-Runde zur Champions League gegen FH Hafnarfjördur sprach AG-Vorstand für Finanzen, Markus Kretschmer, über das Spiel in Salzburg, den Europacup-Sieg gegen Hafnarfjödur, die Aufstiegschancen, daraus resultierende mögliche Einnahmen sowie den Ansturm auf Abos und den Transfer unseres zum teuersten Fußballer Österreichs avancierten Ex-Veilchens Aleksandar Dragovic.

 
War das Spiel in Salzburg, das Sie live auf der Tribüne miterlebt haben, ein herber Rückschlag vor den wichtigen internationalen Wochen?


Kraetschmer: „Ich glaube nicht, dass es ein herber Rückschlag, sondern sicherlich eine sehr bittere Pleite war, die es natürlich auch entsprechend zu analysieren galt. Grundsätzlich ist es für mich als peinlich anzusehen, wenn man als regierender Meister, egal gegen wen auch immer, 1:5 verliert.“

 
Worin lagen für Sie die Ursachen dieser deutlichen Niederlage?


„Wenn man ins Detail geht, kann man sehr klar erkennen, dass wir leider so wie gegen Admira einerseits an unserer Chancenauswertung gescheitert sind und auf der anderen Seite wahrscheinlich auch zu einfach die Verlust-Tore zugelassen haben.“

 
War das 1:0 gegen FH Hafnarfördur am Dienstag leistungsmäßig eine Steigerung gegenüber dem Salzburg-Spiel?


„Die zwei Spiele kann man schwer miteinander vergleichen, die Isländer waren extrem defensiv eingestellt. Was mir bei unserem Team ein bisschen abgegangen ist, war die spielerische Idee. Aber letztlich ist es in so einem Spiel wichtig, effektiv zu sein und dass man mit dem 1:0 ein gutes Resultat mitnimmt.“

 
Wie schätzen Sie grundsätzlich die Chancen gegen die Isländer ein, die als Tabellenführer in die Generali-Arena gekommen sind und hier nur 0:1 verloren haben?


„Wir müssen auf der Hut sein und ich denke, wer jetzt die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat, der hat irgendwo sehr wenig Zeitung gelesen oder kaum ferngesehen. Es gibt doch einige Warnsignale, die ganz klar zeigen, diese Mannschaft ist nicht zu unterschätzen. Wenn wir ein Tor in Island erzielen – und dazu sind wir sicherlich in der Lage - bin ich überzeugt, dass wir es schaffen.“

 
Sie zeigen vor dem Gegner eine gehörige Portion Respekt – zurecht?


„Diese Mannschaft ist ein Meister, sie hat sich gegen den litauischen Meister (Anm. EK Ekranas) mit zwei Siegen (2:1/heim und 1:0 auswärts) durchgesetzt, sie ist aktueller Tabellenführer und feierte zuletzt vier Liga-Siege in Serie. Das alles sagt viel über die Stärke von Hafnarfjördur aus.“

 
Trainer Nenad Bjelica hat einen Heimsieg ohne Gegentor erhofft. Wird das 1:0 reichen?


„Es war wichtig, dass wir diesen Sieg gelandet haben. Ein 1:0 ist im Europacup viel wert. Wir wissen jedoch alle, dass wir uns vom Heimspiel mehr erwartet haben. Der Gegner stand sehr defensiv und wir haben die drei, vier hochkarätigen Chancen, die wir hatten, nicht zum 2:0 genützt. Damit wartet noch ein schwerer Gang in Island auf uns.“

 
In Island ist die nationale Liga schon 13 Runden gediehen, unsere Meisterschaft hingegen erst zwei Wochen alt. Von der Qualität gibt es aber keine Diskussion über den Favoriten, oder?


„Nordländische Teams kämpfen aufopferungsvoll von der ersten bis zur letzten Minute. Aber auf der anderen Seite dürfen wir auch nicht um den heißen Brei herumreden: Wer in eine Gruppenphase - einerlei ob in der Champions oder Europa League – will, der muss eine solche Hürde nehmen. Auch mit der Hilfe unseres Publikums haben wir uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel verschafft.“

 
Warum ist nach unserer Zuschauerrolle in der vorigen Europacup-Saison der nunmehrige Auftritt in der Champions-League-Qualifikation aus finanzieller Sicht besonders wichtig?

„Diese Runde gegen die Isländer würde im Falle des Aufstiegs allein eine fixe UEFA-Prämie von 3,5 Millionen Euro einbringen. In unserem Budget haben wir nur mit den beiden fixen Runden kalkuliert, alles Weitere wäre ein Plus. 2012/13 gab es nur für die UCL-Gruppenphase 8,6 Millionen, dazu pro Sieg rund eine Million und ein Remis wurde mit 500.000 Euro belohnt. Kartenverkauf und andere Einnahmen (zB. Merchandising, Gastronomie; etc.) sind da gar nicht berücksichtigt. Ich denke diese Summen beschreiben die wirtschaftliche Dimension mehr als deutlich und erklären den Begriff "Jahrhundertchance" eindrucksvoll!“

 
Stichwort Geld: Ist durch den Transfer des nunmehr teuersten ÖFB-Kickers Aleksandar Dragovic für angeblich 9 Mio. Euro vom FC Basel zu Dynamo Kiew auch ein Körberlgeld für die Austria abgefallen?


„Ja, das war eine sehr schöne Nachricht. Wir haben schon damals, als der Wechsel von Dragovic von der Austria nach Basel zustande kam, deshalb eine Brücke gebaut. Wir waren von seiner Weiterentwicklung überzeugt und haben daran geglaubt, dass Basel nochmals gutes Geld mit einem Transfer von Aleksandar verdienen würde und daran wollten wir eine prozentuelle Beteiligung.“
 

Wie hoch war diese prozentuelle Beteiligung?


„Natürlich sprechen wir in solchen Fällen nicht über Zahlen, es wurde Stillschweigen vereinbart. Daran halten wir uns, es ist eine sehr schöne Summe. Aleks ist ein Beweis für die Transferpolitik der Austria in den vergangenen Jahren und ebenso für die Nachhaltigkeit, dass man aus solchen Transfers profitieren kann.“

 
Sie sehen darin einen Profit für die Violetten in doppelter Hinsicht?


„Sicher, der Dragovic-Wechsel zeugt auch von guter Ausbildungsarbeit. Aleks ist das Paradebeispiel, weil er wirklich von Klein auf über die Austria den Weg zuerst in die eigene Kampfmannschaft und dann nach Basel sowie jetzt nach Kiew gefunden hat.“

 
„Drago“ stellt für viele junge Veilchen eine Art Vorbildfunktion dar, haben Sie das so gemeint?


„Er ist sicher ein Anreiz für viele andere Spieler, aber auch für unsere Nachwuchs- und Ausbildungsabteilung ist dieser Weg konsequent weiterzugehen. Wenn man dann auch noch in kommenden Jahren wirtschaftlich davon profitiert, dann ist das etwas absolut Positives und bestätigt unsere Philosophie.“
 

Erfreulich ist aber auch der Ansturm der Fans. Mit über 5.300 abgesetzten Saison-Abos hat man den eigenen Klub-Rekord deutlich verbessert.


 „Das ist, was mich als wirtschaftlich Verantwortlicher sehr freut und auch sehr stolz macht. Es ist genau das eingetreten, was ich erhofft und erwartet habe: Wir haben 2012/13 durch den Meistertitel eine Basis gelegt und jetzt können wir beginnen zu ernten. Das ist eben auch an der Anzahl der Abos zu sehen. Es wird die Aufgabe unserer Mannschaft sein, mit attraktivem Fußball die Leute zu überzeugen, dass sie das Richtige getan haben, und vielleicht noch mehr Zuschauer zu gewinnen.“
 

Haben Sie mit einem solchen Ansturm auf die Abo-Tickets insgeheim gerechnet?


 „Nicht gerechnet, aber doch gehofft, da wir zu Beginn dieses Jahres schon eine Rekordanzahl an Frühjahrs-Abos hatten und dass die Besucher dann daraus ein Jahres-Abo machen würden. Das ist für die wirtschaftliche Planbarkeit sehr, sehr positiv. Fußball ist nun einmal ein Wochengeschäft. Gegen die SV Ried am Samstag müssen wir den Zuschauern wieder attraktiven Fußball bieten, dann werden wir vielleicht die Abo-Zahl noch weiter steigern können.“

 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 17 36
2. SK Puntigamer Sturm Graz 17 33
3. FC Red Bull Salzburg 17 31
4. FK Austria Wien 17 31
5. RZ Pellets WAC 17 22
6. FC Admira Wacker Mödling 17 22
7. SK Rapid Wien 17 21
8. SV Guntamatic Ried 17 17
9. SKN St. Pölten 17 14
10. SV Mattersburg 17 11
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