18.06.2012, 13:36 Uhr

SAISON OHNE EUROPACUP ZOG BUDGET-ADAPTIERUNG NACH SICH

Saison ohne Europacup zog Budget-Adaptierung nach sich

Was liegt dem Wirtschaftschef des FK Austria Wien vor Beginn der ersten Saison ohne Europacup-Teilnahme seit 2001/02 am violetten Herzen? „Dass wir das umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben und uns die Fans auf dem Weg begleiten“, sagte AG-Vorstand Markus Kraetschmer in Interview mit www.fk-austria.at eine Woche nach dem Start der Saisonvorbereitungen der Mannschaft.


Der Manager baut auf den violetten Anhang. Die Austria will nach dem enttäuschenden vierten Endrang in der vorigen Liga-Saison viele Fans, die man vielleicht im Frühjahr vergrämt hat, mit positiven Leistungen und guten Resultaten in die Generali Arena zurückholen. „Wir hoffen, dass uns die Fans nach vorne pushen, wir alle gemeinsam das große Ziel, einen der Top-2-Plätze in der Liga erreichen, und Ende Mai 2013 wieder feiern können“, sprach Kraetschmer aus seinem Herzen.


Der 40-jährige Ex-Banker, der seit mittlerweile 15 Jahren im violetten Diensten steht, sprach ausführlich nicht nur über die sportliche Zukunft, die finanzielle Situation ohne Europacup, den Spargedanken und seine Auswirkungen, sondern warf auch noch einmal einen Blick in die Vergangenheit und machte sich diesbezüglich so seine Gedanken, ob er alles wieder so machen würde, wie er es im Winter getan hat.


Kraetschmer über die violette Saison 2012/13 ohne Austria-Teilnahme am Europacup:

Auch wenn es schon einige Wochen her ist, sitzt der Stachel noch immer sehr tief und tut sehr weh. Das Europacup-Verfehlen trifft den Verein in drei Punkten.


Erstens: In den vergangenen Jahren hatten wir mit den Europacup-Einnahmen planen können, aber vorsichtig nur mit einer Quali-Runde budgetiert. Es war dann so, dass wir mehr erreicht haben. Das war für die Gesamtsituation des Klubs sehr gut. Das wird man im Zuge des Jahres abfangen können, es entgeht uns ein Deckungsbeitrag von rund 200.000 Euro.


Zweitens: Für uns als Klub und die Spieler ist die Plattform weggefallen, sich ins internationale Rampenlicht zuspielen. Dragovic, Baumgartlinger, Junuzovic und Barazite, die uns bis vorigen Winter verlassen haben, machten aufgrund ihrer Leistungen im Europacup interessant. Wir haben nie ein Geheimnis gemacht, dass Transfers von Spielern eine wichtige Erlös-Quelle ist.

Drittens: Auch wenn uns unsere Partner großteils die Treue halten, ist es schade um ein Zusatzgeschäft, das man oft als Europacup-Starter mit neuen Sponsoren machen konnte. Das fällt auch weg und ist sicher ein Rückschritt.“


Kraetschmer über Sparmaßnahmen, gekürztes Budget:
Wegen des Nicht-Erreichen des Europacups haben wir eine Budget-Adaptierung vornehmen müssen. Dieses Budget haben wir am 21. Mai in den Vereinsgremien, vom Verwaltungs- und Aufsichtsrat der FK Austria AG, genehmigt bekommen - mit der Ausprägung, dass wir so schnell wie möglich in die Erfolgsspur zurückkommen wollen. Daher werden wir die Kräfte des Etats auf die Kampfmannschaft bündeln und haben das Budget dort im Ansatz erhöht, um wirklich Qualität in die Mannschaft zu haben.

Kraetschmer über die Ziele, die er für die Saison 2012/13 ins Auge fasst:
Das Mindestziel lautet Europacup-Startplatz, im Idealfall ein Rang unter den Top 2, um in der finanziell wesentlich attraktiveren Qualifikation zur Champions League spielen zu können. In Kombination dazu wollen wir gutes attraktives Spiel zeigen. Das bedeutet für uns als Vorstände, dass wir in verschiedenen Bereichen nochmals jeden Cent und Euro genau umdrehen oder das eine oder andere geplante Projekt zurückstellen oder streichen müssen. Das ist ein ganz normaler Prozess, den es in jedem Unternehmen gibt. Aufgabe der nächsten Wochen ist es, die Qualität der Kampfmannschaft zu steigern. Was andere Bereiche betrifft, Amateure, Akademie und Nachwuchs, wollen wir die Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen.


Kraetschmer über den Fall, sollte die Austria länger als nur eine Saison nicht im Europacup vertreten sein:
Daran denken wir überhaupt nicht, sondern es herrscht der Wille und die Entschlossenheit im gesamten Klub vor, so rasch wie möglich in die Erfolgsspur zurückzukehren. Eine Durststrecke wie von 1996 bis 2002 als wir nur im Sommer-Intertoto-Cup mitspielten, wird nicht kommen.


Kraetschmer über die allgemeine Zukunft des ÖFB-Rekord-Siegers:
Das Frühjahr hat einmal mehr gezeigt, dass der sportliche Erfolg der Kampfmannschaft über allem steht. Für uns in den Gremien ist aber auch wichtig, dass die Gesamtentwicklung passt. In Bereichen Amateure und Akademie sind wir auf dem richtigen Weg. Mir ist schon bewusst, dass das niemals so im Fokus der Öffentlichkeit steht. Aber da reift Etwas im Stillen, von dem wir noch profitieren werden. Wo wir wirklich unzufrieden sein müssen, ist die sportliche Performance der Kampfmannschaft.“

 

Kraetschmer über das verkorkste Frühjahr 2012 und die daraus gezogenen Konsequenzen:
Mit dem Wissensstand vom 20. Dezember 2011 würde wir die Entscheidungen heute wieder so treffen. Ivo Vastic hat im Klub und den Amateure schon davor gute Arbeit geleistet und ist mit der Mannschaft auch erfolgreich gegen Ried (2:0-Heimsieg) in die Saison gestartet. Dann ist es zu einer Verkettung von Umständen gekommen, die ihren Ursprung nicht im sportlichen Bereich hatte. Wir haben zwar mit Barazite und Junuzovic gute Spieler verloren, aber mit Kienast, Simkovic, Holland und Kardum für österreichische Verhältnisse gute Qualität geholt.


Kraetschmer über die genaueren Gründe der angesprochenen „Verkettung von Umständen“ aus seiner Sicht:
Aufgrund der sportlichen Performance, diverser Aussagen, die auch dann ein bisschen falsch interpretiert worden sind, und natürlich das Unruhe-Thema mit oder ohne Roli Linz und einem angeblichen Konflikt des Spielers mit Trainer Vastic ist eine Negativspirale entstanden, aus der wir uns nicht mehr lösen konnten. Fehler machen wir alle in allen Bereichen. Die Analyse ist gut fortgeschritten, es werden aber noch einige Maßnahmen zu folgen haben. Mit dem Trainerwechsel, Peter Stöger für  Vastic, ist nicht alles gut. Wir haben auch im Vorstand analysiert, was hätten wir anders machen können. Aus Fehlern muss man lernen. Wir haben die Ärmel hochgekrempelt, arbeiten sehr hart und in Ruhe. Es ist ganz gut, dass der Fokus momentan auf anderen Vereinen und der EM liegt.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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