31.07.2012, 14:33 Uhr

MAINZER „JULES“ IM TEST GEGEN AUSTRIA EIN BEGEHRTER MANN

Mainzer „Jules“ im Test gegen Austria ein begehrter Mann

Eigentlich hätte er nach einer Stunde im Testspiel gegen den FK Austria Wien am Montagabend in Wiener Neudorf unter die Dusche dürfen, aber letztlich überlegte es sich Thomas Tuchel, der Trainer des FSV Mainz 05, doch anders und ließ Julian Baumgartlinger über 90 Minuten auf dem Rasen. In den ersten 45 Minuten agierte der Ex-Violette wie gewohnt als umsichtiger „Sechser“ mit vielen Ballkontakten, nach etwa einer Stunde gab der 24-Jähriger den rechten Verteidiger.

Nach dem Schlusspfiff hatte „Jules“, wie er gerufen wird, ebenfalls viel zu tun. Er musste unzählige Hände seiner Landsleute schütteln, Umarmungen über sich ergehen lassen, Autogramm-Wünsche erfüllen, für Fotos lächelnd posieren und Interviews geben. So kam Baumgartlinger erst gut 45 Minuten nach der Partie (1:1/Tore Ivanschitz/41. Foulelfer bzw. Kienast/49.) in die Kabine. „Das Wiedersehen mit Freunden, Ex-Kollegen und allen Funktionären war ein sehr schönes Erlebnis. Ich habe mich sehr gefreut“, erzählte „Jules“ über seine „dritten Halbzeit“.

Für den Legionär, der als einziger Feldspieler der Rheinhessen durchspielte, war es ein „toller Test, auch von der Leistung der Austria her“. Die Veilchen hätten den deutschen Bundesliga-Verein, der seit Freitag in Bad Tatzmanndorf auf einwöchigem Trainingslager weilt und schon fünf Wochen Vorbereitung in den Beinen hat, voll gefordert. „Es war ein gelungener Abend für beide Seiten“, befand Baumgartlinger, für den auch das Resultat okay ging.

„Auf alle Fälle. Ich denke sogar, dass das 1:1 für uns aufgrund der zweiten Hälfte, in der Austria bessere Chancen gehabt hat, um das Spiel zu gewinnen, ein bisschen schmeichelhaft war. Für uns ist es ein gutes Ergebnis“, gestand der Mittelfeldspieler, der vor einem Jahr Favoriten in Richtung FSV Mainz verlassen hatte und dort einen Vertrag bis 2015 unterschrieben hat. Der Kontakt zu seinen Veilchen riss danach aber nie ab.

„Selbstverständlich bin ich mit ihnen noch in Verbindung – mit dem Orti, dem Stanko, dem Mader Flo usw. Das sind gute Freunde von mir und wir sehen einander auch immer wieder im ÖFB-Team“, sagte Baumgartlinger, der im Alter von 13 Jahren in der Jugend des TSV 1860 München groß geworden ist und der für die Austria vom Sommer 2009 bis Sommer 2011 in 107 Spielen sechs Tore erzielt hat.

Nach dem Samstag-Training hat „Jules“ seine Ex-Kollegen via Sky Austria im Hotel gegen Sturm Graz auf die Beine geschaut. Er habe dabei eine „überlegene Austria mit einigem Pech im Abschluss“ gesehen. „Es war eine sehr unglückliche Niederlage“, meinte er zu dem 0:1 anlässlich der Heimpremiere in einem Pflichtspiel.

Am Sonntag (16.00 Uhr/live Sky) wird Baumgartlinger übrigens auch das 302. Wiener Derby im Hanappi-Stadion via TV verfolgen. Eine Wette mit seinem Landsmann und Klubkollegen mit grün-weißer Vergangenheit , Andreas Ivanschitz, hat er nicht laufen. „Wir haben keine Rivalität. Ich werde mir das Spiel ganz in Ruhe anschauen und überraschen lassen, was da herausschaut. Ich hoffe jedoch, dass meine Veilchen gewinnen werden“.

Der Legionär, der in der Saison 2011/12 in der deutschen Bundesliga 25 Einsätze und fünf Torvorlagen verzeichnete sowie im Europacup ein Spiel absolvierte, traut der Austria einiges zu. Wie viel? „Auch einen Sieg!“ Und in dieser Saison? „Natürlich ein besseres Abschneiden als zuletzt auf dem vierten Tabellenplatz. Ein europäischer Startplatz sollte auf alle Fälle möglich sein“.

Übrigens verfehlten die Rheinhessen mit Endrang 13. auch das internationale Geschäft, nachdem sie sich eine Saison davor erstmals auf sportlichem Weg für den Europacup qualifiziert hatten. Für die Tuchel-Mannen beginnt die neue Saison am 19. August im DFB-Pokal gegen einen unterklassigen Klub und die Bundesliga am 25. August ebenfalls in der Fremde gegen SC Freiburg. Ziel von Baumgartlinger, der vor seinem zweiten Jahr in Deutschland steht, und Co ist es, „besser als letzte Saison“ zu sein.

 „Da haben wir uns sehr schwer getan, sind einander oft im Weg gestanden“, erinnert sich der geborene Salzburger und hofft auf Leistungen wie im Frühjahr 2012: „Dann werden wir keine Probleme haben“. Der Europacup sei – von den Möglichkeiten und dem Budget her - nicht der Mainzer Anspruch. „In erster Linie ist es nicht unsere Aufgabe, nach oben zu schauen. Das soll aber nicht heißen, dass wir das internationale Geschäft nicht anstreben“, gab Baumgartlinger die Ziele aus.

Die Mainzer haben bis Montag nur vier Zu-, aber acht Abgänge verzeichnet. Nachdem schon vor einiger Zeit Schürrle (Bayer Leverkusen) sowie Holtby und der Österreicher Christian Fuchs (beide FC Schalke) die Karneval-Stadt am Rhein verlassen hatten, mussten jetzt auch Allagui, Zidane usw. den Verein verlassen. Dazu sagte Baumgartlinger: „Ich denke, dass das vom Klub alles bewusst gemacht wurde. Unser Kader hatte viele Feldspieler, aber zum Großteil sind wir zusammengeblieben. Die Gruppe ist nun kleiner, hat aber weiter Qualität. Das wird nicht schaden“.

Baumgartlinger wird nach dem Trainingscamp im Burgenland voraussichtlich bald wieder in die Heimat kommen. ÖFB-Teamchef Marcel Koller, der am Mittwochabend das Testspiel ebenso verfolgte wie US-Teamchef-Assistent Andreas Herzog, dürfte „Jules“ in seinen Kader für das Türkei-Länderspiel am 15. August in Wien einberufen. „Ich hoffe, dass er mich nominiert und wir einen guten Test vor dem Deutschland-Treffen im September absolvieren“, sagte dazu der Ex-Austrianer.

Nicht dabei sein wird gegen die Türken sicher David Alaba nach OP wegen einen Ermüdungsbruchs des Mittelfußknochens. Baumgartlinger drückt dem Bayern, der ja ebenfalls violette Wurzel hat, die Daumen, dass er „bald wieder fit“ wird. Der 19-Jährige wurde von den Lesern des deutschen Fachmagazins „kicker“ zum „Newcomer des Jahres“ und von den 245 Profis der Bundesliga hinter Marco Reus zum zweitbesten „Aufsteiger der Saison“ gewählt.

 „Das sind super Auszeichnungen. Ich freue mich, dass ich mit ihm zusammenspielen darf. Er ist ein bescheidener, braver Bua mit tollem Charakter. Wir hoffen alle, dass wir mit ihm die WM-Qualifikation schaffen“, sagte ein früheres Veilchen über einen jungen Mann, der auch einmal im Nachwuchs den violetten Dress getragen hat. Im Wettlauf nach Brasilien 2014 warten in der schweren Österreich-Gruppe neben den EM-Teilnehmern Deutschland, Schweden und Irland sowie Kasachstan und Färöer.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
2. CASHPOINT SCR Altach 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 18 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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