13.12.2012, 15:03 Uhr

KLUBSERVICE - TEIL II: "DIE AUSTRIA-FAMILIE MUSS GELEBT WERDEN"

Klubservice - Teil II: "Die Austria-Familie muss gelebt werden"

Es war im Jänner 2012, als beim FK Austria Wien mit dem Klubservice  eine neue Abteilung geboren wurde. Seither kümmern sich Leiter Michael Kohlruss und sein Team um nahezu alle Belange der Anhänger. Im ersten Teil des großen Jahresrückblicks resümierte Kohlruss über die Entwicklungen der Bereiche Merchandising, Ticketing und Mitgliederservice.


Im zweiten Teil des Interviews stehen die Betreuung und Sicherheit der Fans im Fokus. Kohlruss erklärt dabei, welche Schritte in diesem Zusammenhang während der letzten Jahre gesetzt wurden und welche noch folgen müssen, um auch künftig den maximalen Sicherheitsstandard und Wohlfühlfaktor bei Besuchen von Austria-Spielen zu gewährleisten.


Das Thema Sicherheit im und rund um das Stadion war während der letzten Jahre allgegenwärtig. Welche Zielsetzung hat man sich in diesem Bereich gesteckt?


Kohlruss: Der erste Schritt geschah bereits im Jahr 2009. Nach den Unruhen im Heimspiel gegen Bilbao wollten wir eine Basis schaffen und die Fan-Arbeit auf neue Beine stellen. Unser Ziel lautete: Wir wollen jenen familienfreundlichen Klub, der  wir innerhalb des Klubs schon waren, auch nach außen präsentieren. Meines Erachtens ist das Thema Fans zu negativ behaftet – das stört mich. Denn 99 Prozent unserer Anhänger unterstützen den Klub in einer total positiven Art und Weise. Wir verfügen über unzählige Fanklubs, die pro Jahr viele Kilometer abspulen und Geld investieren, um bei ihrer Austria zu sein. Fans, die mit ganzem Herzen Austrianer sind. Diesen Menschen wollen wir etwas zurückgeben.


Was meinen Sie konkret?


Das beginnt mit der Tatsache, dass wir auf die Wünsche unserer Anhänger eingehen. Unsere Devise, „was technisch und finanziell umsetzbar ist, was der Austria und ihren Fans zugutekommt, wird umgesetzt“, fasst das treffend zusammen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir haben als Zuckerl für unsere Fanklubs mit den besten Quoten (diese setzen sich aus den Abonnenten und Mitgliedern im jeweiligen Fanklub zusammen; Anm.) den Austria-Day eingeführt. An diesem Tag schicken wir eine Delegation aus namhaften Austria-Akteuren zur Weihnachtsfeier eines Fanklubs. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal dem Fanklub „Bierfront“ gratulieren, der sich heuer als Gewinner hervortat.


In Sachen Fanarbeit wurden in den vergangenen Monaten auch auf technischer Ebene wichtige Fortschritte erzielt.


Wir verfügen seit Beginn des Jahres über eine Datenbank, die alle relevanten Daten unserer Fanklubs zusammenfasst. Damit ist es uns gelungen, auf der Ost-Tribüne (Fantribüne; Anm.) Transparenz zu schaffen. Zudem verfügen wir durch unseren engen Kontakt mit den 26 Fanklub-Leitern über Sprachrohre zu knapp 1.300 Anhängern im Stadion.


Der Kontakt zu den Fans wurde in den letzten Monaten intensiviert. Zu welchem Zweck?


Wir haben uns im Januar dafür entschieden, unseren Weg über die Kommunikation zu gehen – auch, wenn dieser steiniger ist. Wir haben Analysen angestellt und viele Gespräche mit Anhängern aller Interessensgruppen geführt, haben uns dabei auch mit jenen Fanklubs an einen Tisch gesetzt, die in der Vergangenheit durch gewalttätige Aktionen negativ aufgefallen sind. Zusätzlich gab es 2012 gleich drei Fan-Workshops zu den verschiedensten Themen, bei denen nicht nur alle Fanklub-Leiter vertreten waren, sondern auch hochrangige Ansprechpartner der Austria wie z.B. AG-Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer, Trainer Peter Stöger, Kapitän Manuel Ortlechner oder Markus Suttner, das soll heißen – jedes Mal saß die Austria-Familie zusammen am Tisch.


Mit welchen Zielsetzungen ging man in diese Gespräche?


Uns war es wichtig, den Fans unsere Wertschätzung entgegenzubringen, aber sie auch auf jene 3 Punkte hinzuweisen, die es in der Generali-Arena einzuhalten gilt. 1.) Wir wollen keine Gewalt in und außerhalb des Stadions. 2.) Wir distanzieren uns von jeglicher Politik im Stadion. Und  3.) wir wollen keine Pyrotechnik im Stadion, Es sei denn, uns liegt jene Ausnahmegenehmigung vor, die dafür nötig ist. Wir haben an alle Fanklub-Leiter appelliert, diese Regeln einzuhalten. Zudem wurde beim 2. Fanworkshop mit Peter Stöger ein gemeinsames Motto für die Zukunft erarbeitet, welches lautet: „Vertrauen – Verantwortung – Respekt“. Wer sich an das Mindestmaß an Regeln und das Motto hält, hat seinen fixen Platz in der Austria-Mitte.


Leider genügt manchmal eine Minderheit an Leuten, um in schnelllebigen Zeiten wie diesen das Bild von Fans zu verzerren.


Ich glaube, dass unser Weg der richtige war. Schon in der letzten Saison wurden 70 Prozent weniger strafbare Handlungen registriert als in der vorletzten. Leider mussten wir jedoch feststellen, dass dieses eine Prozent von Chaoten trotz massiver Bemühungen den Weg mit der Austria nicht mitgehen möchte, diese Leute werden schon bald keinen Platz mehr in der Generali-Arena haben.


Europaweit kämpfen viele Klubs mit gewalttätigen oder rechtsradikalen Anhängergruppen. Wie steht die Austria zu diesem Thema?


Vorab muss klargestellt sein: Der FK Austria Wien ist ein weltoffener  Klub, grundsätzlich offen für alle Religionen und politische Richtungen. Aber: Das rechtsradikale Thema ist uns zutiefst zuwider. Gewisse Leute haben in Fußballstadien nichts verloren. Die Austria ist ein Familienklub und distanziert sich von jeglicher Form dieses Gedankenguts.


Welche Schritte werden seitens der Austria gesetzt, um diesen Problem entgegenzutreten?


Bis zu jenem Punkt, ab dem die Exekutive nahtlos übernehmen sollte, wollen wir unsere Aufgaben lückenlos erfüllen. Aus diesem Grund haben wir eine sehr intensive Zusammenarbeit gestartet mit FARE (Football Against Racism in Europe, Anm.),  Vertretern der Organisation Fair Play, dem Dokumentationsarchiv, dem Senat 3 der Österreichischen Bundesliga, szenekundigen Beamten sowie mit Vertretern vom Landesamt für Verfassungsschutz. Durch diese Arbeitsgruppe gab es bereits einige Fortschritte, etwa das Verschwinden von Bannern mit bedenklichen Symbolen im Stadion, oder die Einführung einer neuen Haus- und Kleiderordnung.


Gemeinsam mit Spielbetriebs-Leiter Andreas Trimmel haben Sie in diesem Zusammenhang zuletzt mehrere deutsche Klubs (Werder Bremen, Köln, Schalke) besucht. Mit welchem Ziel?


Vor allem ging es uns darum, einen Einblick in die Konzepte internationaler Klubs zu bekommen. Im Prinzip ist die Problematik vielerorts gleich. Mit einem Stadionverbot ist es oft nicht getan, da sich die Probleme nur ins Umfeld verlagern. Leider verfügen wir hierzulande noch immer über Lücken, was die gesetzlichen Rahmenbedingungen anbelangen. Im Endeffekt darf man nicht vergessen: Wir sind noch immer ein Fußballklub, der ein Fußball-Fest ausrichten möchte. Es darf nicht unsere Hauptaufgabe werden, laufend sozialpolitische Probleme zu lösen.

 

"Die Austria-Familie muss gelebt werden!" Michael Kohlruss.


Abschließend: Wie sehen die Vorhaben der nächsten Zeit aus?


Wir haben in den letzten Monaten sehr viele Fans und Fanklubs unterstützt. Egal ob bei Choreographien, Bus-Fahrten oder Fan-Festen. Uns ist es aber im Gegenzug ein Anliegen, unsere „guten“ und treuen Anhänger vor den Vorhang zu holen, ihnen Plattformen zu bieten und bei gewissen Entscheidungen weiterhin ein Mitspracherecht zu gewähren. Die Austria-Familie darf nicht nur ein schöner Begriff sein, sondern muss gelebt werden. Im Frühjahr 2013 benötigt die  Mannschaft jeden Anhänger in der Generali-Arena. Und sollten wir am Ende der Saison mit einem Erfolg aufwarten können, so ist das ein Verdienst von Peter Stöger und seiner Mannschaft mit der Unterstützung der gesamten Austria-Familie.

 

Hier geht's zu Teil I des Klubservice-Jahresrückblicks!

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
2. CASHPOINT SCR Altach 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 18 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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