09.08.2012, 11:48 Uhr

KAPITÄN ZITTERTE UM FORM DES MATCHWINNERS

Kapitän zitterte um Form des Matchwinners

Der FK Austria Wien ist nach der 3:0-Derby-Gala in der Tabelle derzeit die Nummer eins der Stadt. „Man muss für diese Leistung die ganze Mannschaft hervorheben“, sagte Kapitän Manuel Ortlechner, der unseren Matchwinner noch hervorhob. „Roman hat um seine Chance kämpfen müssen. Jetzt hat er sich die Ernte abgeholt“, freute sich „Orti“ mit Kienast, der erstmals in einem Derby getroffen hat und das gleich im Doppelpack.

Die „Explosion“ von Kienast hat sich für Ortlechner angekündigt. Er habe schon im Test gegen Mainz (1:1) groß aufgezeigt. „Da habe ich schon innerlich gehofft, dass ihm mit dem Tor der Knoten platzt ist. Er hat sich die Woche im Training top präsentiert. Das ist nicht nur mir, sondern allen in der Truppe und dem Trainer aufgefallen. Roman hat das Vertrauen mit viel Einsatz und den Toren zurückgezahlt“, meinte der Kapitän.

Ortlechner war mit der ganzen Mannschaft zufrieden. Sie sei super aufgetreten, sehr konzentriert gewesen, habe eine Top-Leistung gezeigt und trotzdem eine gewisse Lockerheit gehabt. „Die ganze Atmosphäre, der Druck, den wir gehabt haben wegen des angeblich schlechten Starts lag mehr auf unserer Seite. Wir sind alle relativ cool geblieben. Man hat das schon beim Aufwärmen an unseren entspannten, lachenden Gesichtern gesehen“, erzählte der Innenverteidiger, der sein 318. Liga-Spiel bestritten hat. In diesem wurmte ihn die 0:1-Pleite daheim eine Woche zuvor gegen Sturm Graz noch immer. Damals hatte er Rubin Okotie vor dessen Torschuss im Strafraum „einen halben Meter zu viel“ Platz gelassen.

 „Ich habe mir fürs Derby schon vorgenommen, das 0:1 irgendwie wettzumachen. Das coolste wäre gewesen, wenn ich ein Tor gemacht hätte. Nun freue ich mich auch so extrem, dass mir die Aktion gelungen ist und ich vor unserer Führung irgendwie den Ball zum Roman gebracht habe“, sagt Ortlechner.

Der Oberösterreicher, der seit Sommer 2009 ein Veilchen ist, hält es nach Sieg oder Niederlage immer gleich. „Am selben oder nächsten Tag freue oder ärgere ich mich noch, je nach dem das Spiel ausgegangen ist. Spätestens am Dienstag, wie es jetzt ist, sollte das langsam ad acta gelegt sein“, meint er. Es sei ja nicht wirklich hilfreich für die kommende Partie, im Endeffekt fange es wieder bei Null an. „Natürlich gibt ein Sieg einen Schub Selbstvertrauen, doch birgt er auch die Gefahr eines Selbstläufers in sich“.

 

Von einem kleinen Vorteil am Sonntag gegen die Admira, die ja am Donnerstag noch im Europacup engagiert ist, will Ortlechner nichts wissen. „Wir haben dasselbe gehabt mit der englischen Woche. Da hat mich keiner angeredet. Da haben wir am Mittwoch (Wolfsberg) und dann am Samstag gegen Sturm gespielt. Und vor dem Derby sind wir gegen Mainz angetreten“.

Gegen die Admira sollte an die Derby-Leistung angeknüpft werden. „Vom Potenzial her hätten wir es uns verdient, in der Europa League wieder dabei zu sein. Aber man muss die Leistung der Admiraner respektieren. Was der Aufsteiger vorige Saison geleistet hat, war toll“, sagte Ortlechner über den nächsten Gegner, dem er wie allen anderen EC-Vertretern auf internationaler Ebene die Daumen drückt.

 „Ich hoffe, dass die Admira in Prag gegen Sparta das Wunder schafft. Ich wünsche ihr einen Sieg, aber am Sonntag wollen wir sie schlagen“, kündigt der Austria-Kapitän an. Die violette Tendenz zeigt nach oben, Schlüsse auf den Saison-Ausgang zu ziehen, sind für ihn nach drei Runden noch zu früh. Er sei kein Hellseher, daher könne er schwer in die Zukunft blicken.

 „Es ist nicht nur mein Wunsch, sondern wahrscheinlich von allen Fans und denen, die uns die Daumen drücken, dass wir am Ende so weit wie möglich oben stehen. Jetzt wollen wir einmal von Woche für Woche versuchen, die Leistung zu bestätigen“. Man hört und liest viel, dass das violette System zu greifen beginne, aber worauf basiert es? Die Austria, so „Orti“, sei einer der wenigen Vereine, die für eine gewisse Philosophie stünden. Sie lautet: „Offensiv spielen, feine Spielkultur und erfolgreich sein, was unter dem Strich zählt!“ Die Philosophie werde immer bleiben, egal, welcher Trainer oder Spieler da sei.

 „Jetzt geht es schön langsam in die Richtung, die sich auch die Fans wünschen“, glaubt Ortlechner. Man hat nun wirklich den Eindruck, das Gefühl, es ziehen alle an einem Strang und man befindet sich auf dem richtigen Weg. Das demonstriert die Mannschaft nicht nur auf dem Rasen, sondern auch abseits. So befanden sich beim Derby alle, die nicht auf dem Spieler-Blankett standen, in unserem Fan-Sektor. „Damit demonstrierten wir das große Wir-Gefühl“, erklärte Ortlechner.

Das sei vielleicht schnell ein mal gesagt, fügte der Oberösterreich hinzu, sagen sei das eine, aber zeigen das andere. „Ich denke, das ist genau das, was uns jetzt ausmacht. Und es sollte auch noch viel intensiver passieren in den kommenden Wochen. Es soll jetzt noch nicht so sein, dass wir der Top-Zustand erreicht haben, sondern es soll noch weiter wachsen, damit wir noch stärker werden.

„Gemeinsam sind wir stark“, heißt die Devise, die natürlich auch die Fans, die nach der verkorksten Frühjahrssaison wie die Spieler und jeder, der im Verein mitwirkt, ziemlich frustriert waren. Daher hat es schon vor der Saison ein Treffen mit Fan-Gruppen sowie Trainer und Spielern gegeben. „Mit den Gesprächen haben wir eine gute Basis für den Herbst geschaffen. Unsere Fans wissen, was haben wir und speziell der Trainer vor“, sagte Ortlechner. Diese Treffen sollten kein Einzelfall bleiben,  sondern man will einander in kurzen, unregelmäßigen Abständen wieder treffen, um Dinge zu besprechen. „Dann hat das ganze Zukunft“.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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