29.12.2012, 07:04 Uhr

INTERVIEW: AG-VORSTAND KRAETSCHMER ZIEHT VIOLETTE HERBST-BILANZ

Interview: AG-Vorstand Kraetschmer zieht violette Herbst-Bilanz

Am Ende eines ereignisreichen Fußball-Jahres, wie es der FK Austria Wien heuer erlebt hat, ist es Zeit Bilanz zu ziehen. Unser AG-Vorstand Markus Kraetschmer tat dies auch und sprach im Interview über unseren „goldenen Herbst“, die wirtschaftliche Entwicklung des Klubs, aber auch über das Sportliche und Trainer Peter Stöger.

 
Der Magister der Betriebswirtschaft, der 1997 aus der Bank-Branche zu den Violetten gekommen war und seit Dezember 2007 AG-Finanzvorstand ist, gab in seinem ausführlichen Resümee auch Einblicke in den neuen TV-Vertrag und die Diskussionen über die Liga-Formate.

 
Und er richtete eine Botschaft an die violette Familie: „Ich hoffe, Ihr hattet ein frohes Fest und ich wünsche ein herzliches Prosit 2013!“ Es mögen sich die Wünsche aller Veilchen erfüllen ….

 
Wirkt sich der überaus erfolgreiche sportliche Herbst 2012 auch im wirtschaftlichen Bereich aus?

 
Kraetschmer: „Selbstverständlich. Zunächst möchte ich aber der Mannschaft und dem Trainerteam meine herzliche Gratulation zum Ausdruck bringen. Es war wirklich toll, was sie geleistet haben. Wir haben es in allen Bereichen gesehen, dass der Erfolg sehr wichtig ist.“

 
Können Sie dazu ein bisschen konkreter werden und uns Auswirkungen nennen?

 
Kraetschmer: „Wir haben den Zuschauer-Schnitt deutlich steigern können. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt einen Rekord an Frühjahrsabos registriert, 700 oft gar nicht im Gesamten erreicht. Wir sind im Merchandising gut unterwegs, zuletzt gegen Sturm gab es mit 30.000 Euro einen Saison-Rekord-Umsatz am Matchtag. Ich glaube, es lagen auch viele violette Pakerln unter den Christbäumen.“

 
Schlägt sich der Erfolgslauf der Mannschaft auf das Interesse an unserem Klub nieder?

 
Kraetschmer: „Wir haben im Herbst viele neue interessierte Partner in unseren Business-VIP-Club einladen können, mit dem einen oder anderen auch schon für das Frühjahr einen Abschluss getätigt. Und ich bin überzeugt – weil viele Firmen über das Kalenderjahr planen – im Frühjahr wird etwas dazukommen. Das ist im Hinblick auf die Lizenzierung für die Saison 2013/14 ganz wichtig.“
 

Bürgermeister Michael Häupl hat für den Tag nach der letzten Runde „sicherheitshalber“ den Rathausplatz für eine violette Meisterfeier reservieren lassen. Zurecht?
 

Kraetschmer: „Ich finde das sehr nett und zuvorkommend vom Herrn Bürgermeister. Aber wir tun alle gut daran, den Ball flach zu halten. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie das Frühjahr verlaufen ist. Es ist noch keine sechs Monate her, wir wurden durch die Medien „geprügelt“, erlebten viele Enttäuschungen. Da haben wir alle gesehen, wie schnell es im Fußball gehen kann.“
 

Sie sind realistisch, aber sicher auch optimistisch für das Frühjahr 2013?
 

Kraetschmer: „Natürlich, für mich war das letzte Spiel gegen Sturm Graz so beispielhaft und ein wunderschöner Abschluss dieser Herbstsaison. Was die Mannschaft da geleistet hat, 80 Minuten mit einem Mann weniger spielte, den unbedingten Willen zum Sieg gezeigt hat und wie der Funke auf das Publikum übersprungen ist und über 11.000 Zuschauer unser Team nach vorne gepeitscht haben, stimmt mich zuversichtlich.“
 

Was muss passieren, dass der Traum vom ersten Meistertitel seit 2005/06 wahr werden kann?
 

Kraetschmer: „Wenn wir diese Wechselwirkung auch im Frühjahr erreichen, dann bin ich überzeugt und lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, dass wir bis ganz zum Schluss dabei sein werden. Wir müssen nicht künstlich tiefstapeln, wenn du an erster Position in der Tabelle überwinterst, dann willst du dort auch bleiben. Dafür werden wir sowohl im sportlichen, als auch im wirtschaftlichen Bereich die Anstrengungen nochmals erhöhen, damit das auch gelingt.“
 

Die Austria ist neben Sturm Graz und Aufsteiger WAC ein Klub, der gegenüber dem Herbst 2011 den Besucherchnitt gesteigert hat. Ist da noch Potenzial nach oben?
 

Kraetschmer: „Absolut. Wir haben bei nationalen Spielen 13.000 Plätze in der Generali Arena, da ist noch Luft nach oben. Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren schrittweise viel umgesetzt, das positiv angenommen wurde, zuletzt zum Beispiel die zusätzlichen Parkplätze angemietet! Der Parkplatz war gegen Sturm schon wieder fast überfüllt.“
 

Ist der Eindruck richtig, dass sich die Violetten verstärkt auch um Fans aus den östlichen Bundesländern bemühen?
 

Kraetschmer: „Viele Veilchen kommen auch von dort. Wir sind ein Klub der Region Ost. Wir wollen die Austria-Fans verstärkt aus den Bundesländern zum Besuch in die Generali-Arena ermuntern. Es sind viele Mosaiksteine. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir im Frühjahr auch Interessierte verloren haben, da sind viele unschöne Dinge passiert. Das Vertrauen der Austria Familie muss man sich stetig erarbeiten, enttäuschte Sympathisanten zurückzugewinnen braucht Zeit.“
 

Zurück zum Sportlichen. Worauf führen Sie das hervorragende Abschneiden im Herbst zurück?
 

Kraetschmer: „Ich glaube, das wirklich Interessante – und das zeigt der Sport sehr gut – ist, wie wichtig die Arbeit im Kopf und das Teamwork sind. Wenn man es nämlich genau analysiert, hat sich vom Kader nicht so viel verändert. Man sieht aber, wie wichtig die Psyche, das positive Erlebnis ist. Das ist einer der großen Verdienste von Peter Stöger. Er ist ein exzellenter Kommunikator nach innen und außen. Er erkennt sehr schnell, wo Gesprächsbedarf besteht.“
 

Welche Rolle spielen Erfolge und wie geht man damit um? 
 

Kraetschmer: „Für mich war beispielsweise die tolle Leistung in Salzburg eine taktische Reifeprüfung. Die Derby-Siege oder zuletzt die Partie gegen Sturm waren ebenfalls überaus wichtig. Das sind alles Dinge, die dir unheimliches Selbstvertrauen geben. Eine Schlüsselszene war auch Wolfsberg bei irregulären Bedingungen. Als wir 2:3 in Rückstand geraten sind, hat man keine Sekunde den Eindruck gehabt, dass sich die Mannschaft aufgibt, wie das früher öfter passiert ist. Sie hat sich gesagt, jetzt müssen wir eben zumindest noch zwei Tore erzielen, damit wir gewinnen. Das war auch ein bisschen typisch für diesen Herbst.“

 
Was sagen Sie zu Torjäger Philipp Hosiner und warum kommt Dare Vrsic nicht so richtig in die Gänge?
 

Kraetschmer: „Obwohl Philipp erst im September zu uns gestoßen ist, hat er von Beginn an sofort sehr gut in die Spur gefunden. Dare ist noch nicht so weit, aber er braucht so wie früher ein Milenko Acimovic oder im letzten Frühjahr James Holland und zuletzt Kaja Rogulj seine Eingewöhnungszeit. Ich bin überzeugt, Vrsic wird noch ein ganz wichtiger Teil der Mannschaft werden.“
 

Sind Sie überrascht, dass der TV-Vertrag zu bessern Konditionen so schnell mit dem Abo-Sender Sky und dem ORF über die Bühne gegangen ist?
 

Kraetschmer: „Ja, so wie sich dieser 7. Dezember damals in den Sitzungen entwickelt hat, war das überraschend – auch aus der Erfahrung, dass noch nie so früh eine Vertragsverlängerung zustande kam. Man muss dazu sagen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist letztlich dieser  Abschluss ein guter.“
 

Pro Saison erhalten die Bundesliga-Vereine in den kommenden fünf Jahren zusammen 20,2 und damit um mehr als zwei Millionen Euro mehr als bisher. Sind Sie damit zufrieden?
 

Kraetschmer: „Es könnte immer ein bisschen mehr sein. Es ist in Zeiten wie diesen jedoch nicht selbstverständlich, mehr zu bekommen. Es hat auch TV-Abschlüsse gegeben - wie zuletzt in Frankreich, freilich auf anderem Niveau - wo es auch Reduzierungen gab.“
 

Gibt es außer den besseren Konditionen des neuen TV-Vertrags auch andere Verbesserungen für den Konsumenten?
 

Kraetschmer: „Dieser Abschluss baut auf dem Konzept auf, an das sich der Fußball-Konsument in den letzten Jahren gewöhnt hat. Wir wollen, und dazu haben wir Gespräche bereits aufgenommen, dass die Berichterstattung nicht nur bei Live-Spielen interessanter, sondern der Fußball - die Sportart Nummer eins übers gesamte Jahr -  im Gesamten besser positioniert und attraktiver wird. Man sieht ja, wenn man gute Leistungen bringt, wie schnell man Leute mobilisieren kann. Daran müssen wir als Liga arbeiten.“
 

Nicht so zufrieden sind Sie hingegen, wie die Diskussionen über neue Liga-Formate liefen und laufen. Was sagen Sie zu dieser Thematik?

 
Kraetschmer: „Das ist einer meiner Nebenschauplätze in meiner Funktion als Vize-Präsident des Bundesliga-Aufsichtsrates im ÖFB-Präsidium. Es ist so, dass ähnlich wie in anderen Ländern, der Übergang vom Amateur- zum Profi-Fußball ein sehr, sehr schwieriger ist. Dass da unterschiedlichste Interessen aufeinanderprallen, ist vollkommen logisch. Es ist interessant, dass Klubs, so lange sie im Landesverband spielen, andere Ansichten haben, die sie sofort ändern, wenn sie aufgestiegen sind.“
 

Können Sie diesbezüglich etwas präzisiere Angaben machen?
 

Kraetschmer: „Die jetzige Lösung ist deshalb für mich etwas betrüblich, weil es in der Diskussion sehr klar herausgekommen ist, dass viele nur an ihren Klub oder ihre lokalen Interessen denken und nicht im Sinne der gesamten Entwicklung unseres Fußballs. Man kann nicht nur damit argumentieren, was sportlich das Beste ist, sondern man muss auch die wirtschaftlichen und vor allem die infrastrukturellen Voraussetzungen einbeziehen.“
 

Wie wird jetzt in dieser Causa weitergegangen?
 

Kraetschmer: „Wie es auch herausgekommen ist, hier gilt: Durchs Reden kommen die Leut' zusammen! Wir werden die Diskussion fortführen. Die Liga hat sich bewegt, und ich bin überzeugt, dass sich aufseiten der ÖFB-Landesverbände noch das eine oder andere bewegen wird.“
 

Welche Erkenntnisse oder Auswirkungen hat das Tauziehen der Entscheidungsträger auf die spezifische Situation der Austria-Amateure?
 

Kraetschmer: „Die Entwicklung unserer Amateur-Mannschaft müssen wir uns in diesem Gesamtkonnex genau ansehen. Für die Saison 2013/14 bleibt alles unverändert, die Amateure spielen in der RL Ost! Ich kann nur eines garantieren, wir werden so wie in den vergangenen Jahren für unsere Spieler in der Akademie, über die Amateure bis zu den Profis die bestmögliche Plattform liefern.“
 

Dazu hat kurz vor Weihnachten die Abteilung „Direktion Sport“ des ÖFB eine interessante Statistik vorgelegt. Was besagt das Papier?
 

Kraetschmer: „Es zeigt ganz klar, dass die Austria in den letzten Jahren die Position als die Ausbildungsstätte Nummer eins in Österreichs Fußball ausgebaut hat. Darauf bauen wir auf, das können wir jedem jungen Spieler, der bei der Austria ist oder einen Vertrag bekommt, versprechen: Wir werden um seine Entwicklung, wenn der Spieler auch selbst seinen Teil dazu beträgt, optimal bemüht sein.“
 

Was liegt Ihnen vor den Feiertagen sonst noch am Herzen?
 

Kraetschmer: „Ich wünsche der gesamten Austria-Familie besinnliche Tage, ein herzliches Prosit 2013. Vor allem aber, dass sich die Wünsche aller Veilchen erfüllen, dass wir vielleicht wirklich auf das Angebot des Herrn Bürgermeisters zurückkommen können und auf dem Rathausplatz eine riesige violette Party feiern. Doch das Allerwichtigste ist immer noch die Gesundheit für alle, denn das ist die Basis unseres täglichen Wirkens.“  

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 17 36
2. SK Puntigamer Sturm Graz 17 33
3. FC Red Bull Salzburg 17 31
4. FK Austria Wien 17 31
5. RZ Pellets WAC 17 22
6. FC Admira Wacker Mödling 17 22
7. SK Rapid Wien 17 21
8. SV Guntamatic Ried 17 17
9. SKN St. Pölten 17 14
10. SV Mattersburg 17 11
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