Performance 03.10.2012, 08:29 Uhr

HERBERT GAGER: DIE GRUNDPRINZIPIEN DES SPIELAUFBAUS

Herbert Gager: Die Grundprinzipien des Spielaufbaus

Wenn Profis verraten, was sie stark macht!

 

Nachdem Manuel Ortlechner in Teil eins unserer Performance-Serie erklärte, wie ein gutes Tackling auszusehen hat und Akademie-Chef Ralf Muhr in Teil zwei über den "perfekten Konter" sprach, verrät Euch diesmal Austria-Amateure-Coach Herbert Gager die Grundprinzipien des Spielaufbaus.

 

Jede Mannschaft benötigt ihn, denn ohne ist es ohne ihn unmöglich, ein Spiel zu gewinnen. Und: Je besser ihn ein Team beherrscht, desto erfolgreicher wird es sein. Die Rede ist von einem essenziellen Teil des Fußballs, dem Spielaufbau.

 

Wenn Herbert Gager von den wichtigsten Grundlagen und dem einen oder anderen Geheimnis des Spielaufbaus erzählt, weiß er, wovon er spricht. Der frühere Nationalspieler und nunmehrige Coach der Austria Amateure, aktuell Tabellenführer der Regionalliga Ost, verfasste 2010 seine Diplomarbeit für die UEFA-Pro-Lizenz über die Spielweise des FC Barcelona.

 

Vorab: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen in der Defensive beginnenden Spielzug so aufzubauen, damit sich daraus früher oder später eine Torchance ergibt. Weil bei der Austria prinzipiell das (Kurz-)Passspiel gepflegt wird, ist dies die Methode, die wir in diesem Zusammenhang näher erläutern wollen.

 

„Eine der wichtigsten Positionen, wenn es um den Spielaufbau geht, bekleidet der Innenverteidiger“, erklärt Gager. „Er benötigt ein hervorragendes Passspiel, Übersicht und sollte auch die Fähigkeit mitbringen, samt Ball ins Mittelfeld vorstoßen zu können, um dort Überzahlsituationen und Räume zu schaffen.“

 

Doch ebenso wichtig wie diese Attribute ist Spielverständnis. Denn: „Ein Innenverteidiger muss wie die Spieler um ihn herum einschätzen können, welche Form des Spielaufbaus sich in der jeweiligen Situation anbietet.“ Und das hängt entscheidend mit der Formation des Gegners zusammen.

 

Beispiel 1: Spielt Team A mit einer Abwehr-Viererkette und Team B mit nur einem Stürmer, „so befinden sich die beiden Innenverteidiger schon in einer Zwei-gegen-Eins-Überzahl-Situation, die es einem der beiden erlauben könnte, den Ball ins Mittelfeld zu führen und neue Räume zu schaffen.“

 

Beispiel 2: Spielt Team A mit einer Abwehr-Viererkette und Team B mit zwei Stürmern, so befinden sich Innenverteidiger und Angreifer in einer Zwei-gegen-Zwei-Gleichzahl-Situation. „Dann ist es wichtig, einen defensiven Mittelfeldspieler zu haben, der sich so positioniert, dass wieder eine Drei-gegen-Zwei-Überzahl-Situation hergestellt werden kann.“ Oft kommt es etwa vor, dass sich ein defensiver Mittelfeldspieler gar auf die Ebene der Innenverteidiger zurückfallen lässt und mit den Innenverteidigern eine Dreierkette bildet. „Dann ist es wichtig, dass sich die beiden Innenverteidiger weiter entfernt voneinander postieren und die Außenverteidiger nach vorne rücken.“

 

Doch natürlich muss sich ein defensiver Mittelfeldspieler, kurz „Sechser“, nicht immer so weit zurückfallen lassen, wenn das gegnerische Team mit zwei Stürmern spielt. „Das passiert im Normalfall nur dann, wenn zwischen der gegnerischen Stürmer- und Mittelfeld-Linie nicht genügend Platz vorhanden ist, um sich anspielen zu lassen“, so Gager.

 

Die Rolle des Außenverteidigers hat sich mit der Einführung der Viererkette entscheidend verändert. Im Spielaufbau nimmt er ebenfalls einen unheimlich wichtigen Part ein – das zeigt schon die Statistik. In acht von zehn gespielten Bundesliga-Partien der Austria verzeichnete ein Außenverteidiger die meisten Ballkontakte.

 

Zwar hat sich ein Trend in diese Richtung schon lange eingestellt, „trotzdem ist das von Mannschaft zu Mannschaft unterschiedlich“, sagt Gager. „Bei Barcelona baut der Innenverteidiger das Spiel so gut wie immer über einen Mittelfeldspieler im Zentrum auf, fast nie über den Außenverteidiger.“

 

Spielt eine Mannschaft mit zwei defensiven/zentralen Mittelfeldspielern, so „sollte ein gutes Wechselspiel zwischen den beiden stattfinden.“ Heißt: Einer der beiden stößt beispielsweise nach vorne und zieht einen Gegenspieler auf sich, während sich der andere im freigewordenen Raum anbietet. Gager: „Beim FC Bayern ist das schön zu beobachten. Ein Spieler sichert hinten ab, der andere geht nach vorne. Denn Spieler, die aus der Tiefe kommen, sind meistens die gefährlichsten.“

 

Je höher ein Verein klassiert ist, desto mehr weiß man im Regelfall von seinem Gegenüber. „Der Gegner lässt sich natürlich immer wieder Mittel einfallen, um deinen Spielaufbau zu unterbinden. Dann ist es wichtig, dass die Spieler einen Plan B haben.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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