11.07.2012, 08:45 Uhr

DAS „EWIG“ AKTUELLE THEMA DER LIGA-FORMATE AUS VIOLETTER SICHT

Das „ewig“ aktuelle Thema der Liga-Formate aus violetter Sicht

Es ist ein Thema, das den heimischen Fußball seit Jahren begleitet und das zuletzt wieder aufgeflammt ist: Wie viele Vereine sollen in der „Heute für Morgen“-Erste Liga spielen? Der ÖFB plädiert für eine Aufstockung, die Bundesliga ist dagegen. Das trat nach der ersten Sitzung der eingesetzten, zehnköpfigen Arbeitsgruppe namens „Liga-Format“ in den Medien deutlich zutage.

Das Gremium, in dem der ÖFB und die Liga vertreten sind, wurde installiert, weil immer mehr gut ausgebildete Spieler aus den Akademien abgehen und die Absolventen heimische Perspektiven zur Weiterentwicklung benötigen. „Wir haben im Schnittpunkt am Übergang vom Amateur- zum Profi-Fußball Probleme“, gibt Austrias AG-Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer, der auch erster Bundesliga-Vizepräsident ist, unumwunden zu.

Er sieht das aber nicht als rein österreichisches Problem, sondern verwies auf die Schweiz, wo die zweite Leistungsstufe wieder reformiert wird, und Deutschland, wo es ebenfalls Schwierigkeiten zwischen der professionellen Dritten Liga und den Regionalligen gibt. „Wir als Wiener Austria haben uns zuletzt mit der Entscheidung, nicht mehr mit den Amateuren in der Ersten Liga spielen zu dürfen, gar nicht anfreunden können. Wir hatten sie aber demokratisch zur Kenntnis zu nehmen“, meinte Kraetschmer.

Die Teilnahme der Austria Amateure an der Ersten Liga wäre für die jungen Spieler eine gute Plattform gewesen und er rief die Entwicklung eines Madl, Okotie, Lindner oder Saurer in Erinnerung. In der „Arbeitsgruppe“ hat man sich jetzt einmal darauf verständigt, weitere Lösungsvorschläge zu evaluieren. „Nach meinen Informationen hat man auch gesagt, man wolle Konzepte erarbeiten, bevor man an die Öffentlichkeit geht“, zeigte sich Kraetschmer über diverse Medienmeldungen verwundert.

 



Auch die Diskussionen in der jüngsten Sitzung des ÖFB-Präsidiums Ende Juni, in der er urlaubsbedingt nicht dabei gewesen war, versteht Kraetschmer nicht ganz: „Ich bin wie die anderen Bundesliga-Vertreter von dem Vorstoß der Landespräsidenten überrascht.“ Es werde jetzt an der Bundesliga liegen, das Ganze aufzuarbeiten und eine entsprechende Gegenäußerung zum Ausdruck zu bringen.

Der violette Wirtschaftsvorstand reagierte damit auf die Wünsche der Landespräsidenten nach einem Direktaufstieg der drei Regionalliga-Meister, eine Aufstockung der „Heute für Morgen Erste Liga“ mit der Möglichkeit der Spielgenehmigung von Amateur-Teams. Eine Entscheidung zu einer solchen Reform sollte noch in diesem Jahr fallen und ab der Saison 2014/15 in Kraft treten.

Kraetschmer ist der Meinung, dass Vieles, was man vorher besprochen oder von den Präsidenten gehört habe – Stichworte mögliche Dritte Liga, Verkleinerung oder Auflösung der Westliga etc – somit offensichtlich obsolet sei. „Ich glaube, man muss Dinge schon hinterfragen, wenn man nun schon wieder von diversen finanziellen Problemen von dem einen oder anderen Verein hört und liest. Da müssen wir uns als Bundesliga schon die Fragen stellen, wie viele Profiklubs verträgt der österreichische Fußball und wie sind die Ligen organisiert?“

Es sei jedenfalls Aufgabe des ÖFB und der Bundesliga sich damit zu beschäftigen. Man müsse das Thema vor allem oder nur von drei Aspekten betrachten, appellierte der 40-jährige Austria-Wirtschaftsboss.

1. Wie ist die sportliche Entwicklung für die jungen Spieler und wie können wir diese bestmöglich fördern?
2. Welche infrastrukturellen Voraussetzungen müssen von einem Klub erbracht werden, um in der Bundesliga spielen zu können?
3. Die Vereine dürfen sich wirtschaftlich nicht übernehmen, keinen Schaden nehmen oder gar in Konkurs gehen müssen wie zuletzt Bad Aussee, wenn man die Liga verlassen muss.

Dem Austria-Manager ist es dabei ganz wichtig, dass man frei von irgendwelchen Emotionen und Vorurteilen an die Sache herangeht. „Und vielleicht sollte man auch einmal an Lösungen festhalten und einige Saisonen die Entwicklung beobachten. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder an diesem Thema herumgedoktert“, erinnerte er. In der gesamten Bundesliga sei es auch durch ein sehr strenges Lizenzierungsverfahren gelungen, keine unterjährigen Klubausfälle zu haben. „Das oberste Prinzip, das eingehalten wird, lautet: Die Meisterschaft muss das Teilnehmerfeld betreffend so enden wie sie begonnen hat!“

Dass diese Devise nicht selbstverständlich ist, erlebt man derzeit in der Schweiz mit den unterjährigen Problemen von Xamax Neuchatel, Servette Genf und FC Sion etc. „Für den Wettbewerb brauchen wir Klubs, die gesund sind, und wir brauchen eine entsprechende Infrastruktur. Letztere Thematik erleben wir auch in der höchsten Spielklasse von der Rasenheizung bis zur entsprechenden Flutlichtanlage, um die TV-Übertragungen zu ermöglichen“, spricht Kraetschmer über ein „ewiges Thema“.

All diese Aspekte sind zu berücksichtigen. Wenn ein Verein alle Voraussetzungen mitbringe, dann solle er ruhig in die Bundesliga aufsteigen. In der tipp3-Bundesliga powered by T-Mobile funktioniert der Einsatz von jungen Spielern durch den Österreicher-Topf beim TV-Geld sehr gut. „Die Plattform, die eigentlich für die „Heute für Morgen“-Liga angedacht war, ist in den vergangenen Jahren verlorengegangen. Die Jungen bekommen nicht mehr die Chance, die sie früher zum Beispiel in den Amateur-Mannschaften hatten“, bemerkte Kraetschmer kritisch.

Man müsse die beste Lösung finden. „Ich bin so ehrlich“, sagt der Austria-Vorstand, „für mich gibt es im Moment verschiedene denkbare Varianten. Ich könnte nicht sagen, dass wir das bestmögliche Modell auf dem Tisch haben.“ Fakt sei andererseits, dass offensichtlich die Lösung 10 Klubs in der ersten Leistungsstufe und 10 Vereine in der zweiten sowie die Regionalligen darunter auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Die große Frage lautet, ob sich ein so kleines Land wie Österreich eigentlich mehr als 20 Profi-Klubs wirtschaftlich und sportlich überhaupt leisten kann? Kraetschmer glaubt, dass man mit den 20 Bundesliga-Vereinen schon an einem wirklichen Limit angelangt sei.

 

„Aber“, fügt er hinzu, „man muss in der Diskussion auch so fair sein und einen Schritt zurückgehen und die Frage stellen dürfen: Was ist ein Profi-, und was ist ein Amateur-Klub?“ Denn es gebe heute schon Regionalligisten, die fast wie Profis arbeiten, aber gar nicht aufsteigen wollen. „Oder diese Vereine haben durch das Lizenzierungsverfahren erkannt, dass wegen der geforderten Infrastruktur der Aufstieg zu viel Geld kostet und man den Schritt nicht gehen könne“, sagt der Liga-Vizepräsident.

Aus der Erfahrung heraus hält Kraetschmer fest, dass es für die Entwicklung der Austria-Talente die Teilnahme an der Ersten Liga der beste Weg war. „Aber nur mit der eigenen Amateur-Mannschaft funktioniert das am besten. Wir haben ja in diversen Kooperationsformen mit anderen Vereinen gesehen, dass diese nicht zu dem Erfolg führt, den wir für unsere jungen Talente wollen. Die Erste Liga unter Profi-Bedingungen wäre für unsere Amateure eine Denkvariante!“, nannte der Austria-Macher seine Priorität.

„Aber eines ist auch klar: es kommen jährlich aus den Akademien österreichweit sehr viele Absolventen auf den Spielermarkt, die Aufgabe der Bundesliga kann aber nur sein, den Besten eine Plattform zu bieten und nicht künstlich Arbeitsplätze zu schaffen! Das Leistungsprinzip muss immer höchste Priorität haben! Nur das hilft letztlich den Klubs und den ÖFB-Nationalteams!“

Er will sich an der aktuellen öffentlichen Diskussion jedoch nicht beteiligen und sagen, was das Idealmodell sei. „Weil man wirtschaftliche und infrastrukturelle Bereiche ebenso berücksichtigen muss.“ Kraetschmer versteht auch die Regionalligisten bzw. deren regionale Präsidenten, die die Wünsche ihrer Vereine vertreten und den direkten Aufstieg der RL-Meister in die Erste Liga fordern.

Das sei eine alte Diskussion und brächte für die Bundesliga das Problem, dass statt der Relegation jede Saison drei Vereine fix absteigen und drei Neue in die Erste Liga kommen. „Mit dem Absteiger aus der tipp3-Liga wären es sogar vier neue Vereine in einem Teilnehmerfeld von 10 Teams! Passt das zusammen? Kann sich da ein Klub stabilisieren?“, fragt der Liga-Vize. Wozu das führen könne, habe zuletzt der tragische Fall von Bad Aussee gezeigt. Aufgabe der Bundesliga sei es daher auch, solchen Beispielen Einhalt zu gebieten. Die Diskussion der Liga-Formate wird nach Ansicht von Kraetschmer noch länger anhalten.

„Ich glaube aber, es ist der richtige Ansatz, dass ÖFB und Bundesliga sagen: wir evaluieren unter Berücksichtigung all dieser Auspizien, um endlich einmal zu einer klaren Meinung zu kommen“. Man darf also gespannt sein, zu welcher Meinung die Arbeitsgruppe Liga-Format“ kommen wird.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
2. CASHPOINT SCR Altach 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 18 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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