15.07.2012, 13:50 Uhr

AUSTRIA BEGRÜßT EINFÜHRUNG DER TORLINIEN-TECHNOLOGIE

Austria begrüßt Einführung der Torlinien-Technologie

Der FK Austria Wien hat die Einführung technischer Hilfsmittel durch die Regelhüter (IFAB) des Fußball-Weltverbandes (FIFA) durchwegs mit Wohlwollen aufgenommen. „Ich bin absolut dafür, weil es nicht sein kann, dass Millionen Menschen sehen, dass ein Fehler passiert ist, aber die die Entscheidungen treffen, nicht die Möglichkeit haben“, sagte Trainer Peter Stöger zu den TV-Übertragungen, die jede Szene bis ins kleinste Detail und in Zeitlupe analysieren und zeigen etwa ob der Ball im vollen Umfang über der Torlinie war oder nicht.

Die jüngste Szene, die die Diskussionen wieder angeheizt und die Emotionen zum Kochen gebracht haben, war der zu Unrecht annullierte Treffer der Ukrainer im EM-Gruppen-Spiel gegen England und in Donezk, der das Ausscheiden der Gastgeber (0:1) bedeutete. In Zukunft soll entweder der Chip im Ball oder das „Hawk-Eye“ (Adler-Auge) über Tor oder nicht Tor befinden. Erstmals werden die bereits getesteten Technologien bei der Klub-WM im Dezember in Japan sowie dem Konfed-Cup (WM-Generalprobe) 2013 und der FIFA-WM ein Jahr in Brasilien eingesetzt werden.

„Es ist im Football, Eishockey, Tennis usw. so, dass man auf dem Level, auf dem es um den größten Erfolg und das meiste Geld geht, in der Lage sein muss, eine Technologie einsetzt, um Entscheidungen richtig zu treffen“, meint Stöger. Er kann nichts damit anfangen, wenn einer sagt, das müsse im Sport von der Unterliga bis zum WM-Finale gleich ablaufen.  Das sei ja in keiner Sportart so.

Der frühere ÖFB-Teamkicker hat keine Ahnung über die Kosten und ob er den Chip-Ball oder die Torkamera bevorzugt. Der violette Feldherr ist der Überzeugung, dass man schon genug Entscheidung mittels TV-Beweis durch den vierten Assistenten hätte treffen können. „Es ist ein Fernseher an der Linie, er hätte nur schauen müssen, war es ein Hands, ein Tor oder sonst Etwas“, erklärte Stöger. Der vierte Mann ist ja wie die Männer an den Linien permanent per Headset mit dem Spielleiter verbunden.

Sehr gut findet auch Parits die Entscheidung, weitere technische Hilfsmittel für die Referees zuzulassen. Er glaubt, dass der Chip im Ball einen nicht so großen Aufwand erfordert. „Die Chip-Lösung ist eine sehr gute Idee, man dürfe sich dem technischen Fortschritt nicht verschließen“, meinte der AG-Vorstand Sport. Man müsse nun trachten, dass man die Technologie noch verfeinere, um nicht zu hohe Kosten zu haben. Trotzdem würde es Fehlentscheidungen immer geben. Der Burgenländer plädiert auch dafür, die Hilfsmittel nicht in den unteren Ligen, sondern nur im Profi-Fußball, wo es um viel Geld gehe, anzuwenden.

Markus Kraetschmer, der AG-Vorstands-Kollege von Parits, sieht das Thema ebenfalls differenziert und bringt die wirtschaftliche Seite ins Spiel. Grundsätzlich sei die Entscheidung zu begrüßen, weil es für den Schiri eine gute Sache sei, doch blieben für ihn persönlich im Moment zwei, drei Fragen noch unbeantwortet.

Erstens: Es ist eine FIFA-Entscheidung. Wie steht die UEFA dazu, zumal deren Präsident Michel Platini eher in die Richtung eines fünften und sechsten Torrichters tendiere? Und wie wird die Änderung in den Regeln implementiert?

Zweitens: Kostenfrage der technischen Implementierung, da diese Systeme derzeit zwischen 200.000 und 300.000 Euro pro Stadion kosten. „Wer bezahlt das bzw. ist es oft so, dass einmal der Klub, das andere Mal die Gemeinde etc. Stadion-Betreiber ist?“

Drittens: Mögliche Frage des Balls. „Egal, für welche Technologie man sich letztlich entscheidet, bei den Bällen braucht man auch Etwas. Und so kommt man dann wieder das Thema des einheitlichen Liga-Balls ins Spiel“. Jeder Klub hat ja nicht den gleichen Ausrüster und daher auch nicht den gleich Matchball.

Kraetschmer ist für alles offen, was die zwei Prototypen auf dem Markt betrifft. Wie immer in der technischen Entwicklung würde sich das nach einer gewissen Zeit auch mit dem Kosten einspielen, glaubt der Manager, der froh ist, dass sich die Regelhüter dahingehend geöffnet haben und die Technik Einzug im Fußball gehalten hat.

Als frühesten Zeitpunkt für die allgemeine Einführung des einen oder des anderen Systems auf internationaler Ebene nennt er die Saison 2013/14, „wahrscheinlich aber  sogar erst später“. Und wie schätzt er die Aussicht für Österreich ein? „Wenn wir sehr schnell sind, glaube ich, dass es 2013/14 sein könnte. Doch ein realistisches Szenario ist 2014“, erklärte der 41-Jährige. Der Ex-Banker sieht die Finanzierungsfrage noch als großen Hemmschuh.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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