18.09.2012, 13:28 Uhr

100 TAGE AUSTRIA-TRAINER: PETER STÖGER IM GESPRÄCH!

100 Tage Austria-Trainer: Peter Stöger im Gespräch!

Wir dürfen ein kleines Jubiläum feiern. Am morgigen Mittwoch ist es 100 Tage her, seit Peter Stöger am 11. Juni 2012 offiziell das Amt des Austria-Trainers angetreten ist. Vier Tage vor dem Bundesliga-Schlager gegen Salzburg (Samstag, 18.30 Uhr, Generali-Arena) haben wir den Headcoach des Bundesliga-Tabellenführers gebeten, ein erstes Resümee zu ziehen. 

 


Peter Stöger über…


… die ersten hundert Tage als amtierender Austria-Trainer:
Ich habe in diesem Zeitraum eine gute Entwicklung gesehen. Schon vor meinem Antritt habe ich gewusst, dass die Mannschaft Qualität hat und letzte Saison unter Wert geschlagen wurde. Aber dass wir die Kurve so schnell kriegen würden, war nicht absehbar. Damit ist die wichtigste Basis gelegt. Jetzt gibt es einen positiven Spirit. Das merkt man in der Mannschaft, bei den Fans und im Büro. Ich bin mehr oder weniger mit allem zufrieden, weil ich überall einen Schritt nach vorne erkannt habe.

 

… positive und negative Kritik:
In beide Richtungen sollte man diese Dinge für sich selbst aufnehmen und sachlich evaluieren, wo etwas Wahres dran ist und was vielleicht überzogen ist. Darin sehe ich auch eine Aufgabe des Trainerteams. Momentan fällt die Kritik meistens positiv aus. Auch, weil es diverse Statistiken gibt, die für uns sprechen. Trotzdem sind immer wieder auch kritische Stimmen dabei, die sagen, dass wir da oder dort Glück gehabt haben. Es ist normal, dass in solchen Phasen etwas gesucht wird, was vielleicht nicht optimal läuft. Aber damit kann ich leben, weil ich nie gesagt habe, dass ich eine Mannschaft habe, die schon alles kann. Ab und an gehört der Faktor Glück dazu. Gegen Sturm waren wir klar besser und haben verloren – aber so etwas wird schnell vergessen.

 

… über die Schwerpunkte der letzten Zeit:
Das erste Hauptaugenmerk haben wir als Trainerteam darauf gelegt, dass die Spieler wieder an sich glauben. Es macht keinen Sinn, den Spielern zu predigen, woran du glaubst, wenn sie in weiterer Folge nicht auch selbst daran glauben. Wir haben versucht, den Jungs klar zu machen, wo ihre Qualitäten liegen und was wir damit erreichen können. Auch ein gewisser Teamgeist ist notwendig, denn: Wenn in einem 26-Mann-Kader nur elf beginnen können, dann werden nicht alle den selben Zustand des Glücklichseins haben. Aber wir brauchen alle und teilen ihnen das auch mit. Das ist eine Frage des Respekts.

 

… Teamführung:
Ab und an passiert es mir selbst auch noch, dass ich Begriffe wie „Spieler-Material“ in den Mund nehme, dabei halte ich das für ein Unwort. Spieler sind kein Material. Jeder einzelne hat seine Persönlichkeit, Bedürfnisse und Probleme. Ich habe meine eigene Art, mit Spielern umzugehen. Im Trainerteam sehen wir unsere Aufgabe auch darin, dass unsere Entscheidungen irgendwie Verständnis finden. Ich halte den Wohlfühl-Faktor für einen wichtigen Punkt, um langfristig erfolgreich zu sein. Ich denke, dass im psychologischen Bereich noch viel brachliegt. Dieser Part gehört aufgearbeitet - nicht nur in Österreich.

 

… über das 4-3-3-System, das die Austria unter ihm praktiziert.
Es funktioniert noch nicht immer alles zu hundert Prozent. Aber die Spieler wissen und erkennen schon, wenn etwas nicht richtig gemacht wird. Wenn man sie fragt, auf welche fünf, sechs Punkte es auf ihren Positionen ankommt, dann wissen sie Bescheid. Wenn man ein System ändert, ist natürlich entscheidend, wie viel Zeit man hat, umzubauen. Wir haben eine Formation gefunden, in der wir relativ viele offensiv orientierten Spieler aufbieten können. Diese sollen sich dann freilich auch nach vorne einschalten. Und beim Spielaufbau wollen wir einfach das notwendige Minimum an Spielern hinten postieren. Wir haben zudem auf den Flügeln schnelle und im Zentrum kreative Spieler – das 4-3-3 hat sich einfach angeboten.

 

… über die Tatsache, dass die Austria die treffsicherste Bundesliga-Mannschaft der Schlussviertelstunde ist.
Wir haben noch nicht einmal ein Viertel der Meisterschaft gespielt, deshalb betrachte ich solche Statistiken mit Vorsicht. Aber auch in diesem Bereich haben wir versucht, die Mannschaft zu sensibilisieren. In der Vorsaison haben wir in den Schlussminuten viele Spiele verloren. Wir haben den Jungs vermittelt, dass es zu wenig ist, 1:0 zu führen und darauf zu warten, ob noch etwas passiert. Da geht’s um Konzentration, Überwindung, Wille und natürlich auch um den körperlichen Bereich. Wir müssen in diesen Phasen selbst aktiv werden, offensiv verteidigen. Schließlich ergeben sich bei einer Führung Räume.

 

… trainings- und spielfreie Tage.

Ganz frei hat man sowieso nie. Es gibt immer etwas zu tun, beispielsweise Medien-Arbeit. An einem freien Tag bleibt mir letztendlich vielleicht ein freier Nachmittag. Ich halte es aber für sehr wichtig, den Spielern ab und an freizugeben, so wie das letzten Montag der Fall war. Es bringt nichts, die Leute herzuholen und zu versammeln, nur damit wir sie beschäftigen. Sie sollen ihre Batterien auch ab und zu aufladen dürfen, denn wenn wir hier arbeiten, machen wir das intensiv.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
2. CASHPOINT SCR Altach 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 18 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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