17.06.2011, 15:10 Uhr

ROBERT SARA - DIE WIENER AUSTRIA KRÖNT HEUTE IHREN FÜNFTEN EHRENKAPITÄN

Robert Sara - Die Wiener Austria krönt heute ihren fünften Ehrenkapitän

Nach Luigi Hussak, Walter Nausch, Ernst Fiala und Herbert Prohaska wird Robert Sara beim Jubiläumsspiel diese Ehre zuteil. Bei ihm stimmt das Motto „Ehre, wem Ehre gebührt“: von 1965 bis 1985 bestritt der violette Rekordmann (9 x Meister, 6 x Cupsieger) und langjährige Kapitän 727 Pflichtspiele (1023 Partien insgesamt) für Austria, 562 davon allein in der Meisterschaft, so viele wie kein anderer vor und nach ihm.


Herbert Prohaska, einer der vier Ehrenkapitäne der Austria, hatte schon vor längerer Zeit das ausgesprochen, was sich viele gedacht haben: „Wenn einer die Auszeichnung Austria-Ehrenkapitän verdient hat, dann ist es der Robert Sara! Keiner hat mehr Spiele für die Austria absolviert, er war der Kapitän in einer der glorreichsten Zeit der Austria!“ Gesagt, getan- beim großen Jubiläumsspiel ist es soweit, läuft Sara nicht nur so wie Prohaska, Toni Polster und Andi Ogris auf das Feld – es wird auch zum fünften Ehrenkapitän der Austria ernannt.


Im Buch „100 Jahre Austria Wien“ wird er wie folgt gewürdigt:


... Nach einjähriger Probezeit überwies die Austria 1964 ganze 5.000 Schilling an den SV Donau für den kaum 18-jährigen Robert Sara. Diese fünf Tausender sollten sich als die vielleicht günstigste Investition in Austrias Klubgeschichte erweisen. Denn kein anderer hat öfter für die Veilchen gespielt, mehr Höhen und Tiefen bei Austria erlebt als Robert Sara. In 727 (!) Spielen, 562 davon allein in der Meisterschaft, lief der „Einser-Sara“ mit dem violetten Trikot ein, 394 Pflichtpartien erlebte er als Sieger.


... Robert Sara kam ungewöhnlich jung zu Team-Ehren. Und er hat mit ungewöhnlich hohem (Fußballer-)Alter noch auf höchstem Niveau gespielt. Diesen Umstand verdankte er zweifellos nicht nur den Genen, sondern vor allem seiner hochseriösen Einstellung. Sara, ein notorischer Nichtraucher und Anti-Alkoholiker, war aber seiner Fußballer-Zeit nicht nur hinsichtlich Fitness, Ernährung und Lebensweise, sondern auch hinsichtlich seiner Spielkultur als Außenverteidiger voraus. „Um mindestens 20 Jahre“, behauptet Herbert Prohaska, der in Austrias goldenen Zeiten auf der rechten Seite kongenialer Partner des neun Jahre älteren Robert Sara war. Der debütierte bereits 1965 im Nationalteam. Und das gleich bei einem sporthistorischen Triumph. Beim legendären 3:2 im Londoner Wembley-Stadion gegen England.


... Während alle den zweifachen Schützen Toni Fritsch feierten, kniete Sara abseits des Schwenkbereichs der TV-Kameras auf dem Spielfeld nieder und grub ein Stück vom geheiligten Wembley-Rasen aus. Danach packte er den kleinen Rasenziegel in der Kabine in ein Plastiksackerl, um es mit heim zu nehmen und das englische Gras in Wien einzusetzen. Viele Jahre wurde es dort gehegt und gepflegt.


... Robert Sara war sowohl bei den dramatischen violetten Europacup-Krimis dabei als auch bei den WM-Spielen in Argentinien 1978. Beide Male als ein Kapitän, der nicht davor zurückscheute, selbst nach Siegen lautstarke Kommandos mit unüberhörbar kritischem Unterton zu geben. Hundertprozentig zufrieden war Robert Sara selten. Er sagte immer, was er dachte. Und das klang nicht immer schmeichelhaft.


... Sara war aber ein stürmender Verteidiger. Also wurde über seine Defensivschwäche gemeckert. Spätestens 1978 fand unter den Kritikern ein Umdenken statt. Als nämlich Sara, der einst den Deutschen Paul Breitner sein Vorbild genannt hatte, in Argentinien von internationalen Medien als rechter Verteidiger mit dem Prädikat „Weltklasse“ eingestuft wurde. Und zwar schon vor dem Deutschland-Spiel in Córdoba, wo Sara vor dem entscheidenden Tor zum 3:2 den 40-Meter-Pass zu Hans Krankl gab. Kein Geringerer als der berühmte Pelé berücksichtigte in seinem WM-All-Star-Team den Wiener Robert Sara.


... Auch bei der Austria erlebte Sara ein ständiges Wechselbad der Gefühle. Er war bei neun Meistertiteln und sechs Pokalsiegen genauso dabei wie 1965 beim blamablen Cup-Ausscheiden in Marchegg oder 1978 beim 0:4 im Pariser Europacup-Endspiel gegen Anderlecht. Oft bekam er vor Zorn einen roten Kopf. Die Rote Karte aber sah Robert Sara während seiner ganzen violetten Karriere nur ein einziges Mal (1969 in Klagenfurt).


... Sara war schon zu Herbert Prohaskas Trainerzeiten ein wertvoller Co-Trainer gewesen, ehe er erkennen musste, dass alte Verdienste bei manchen Chefs wenig bis gar nichts zählen. Sara geriet in Vergessenheit, betätigte sich bis zu seiner Pensionierung als Chauffeur beim von ihm verehrten Austria-Gönner und Ex-Präsidenten Leopold Böhm. Kaputte Knie schienen Saras einzige bleibende Andenken zu werden. Bis Thomas Parits als Generalmanager kam. Der ließ den violetten Familiensinn wieder aufl eben und holte seinen 46er-Jahrgangskollegen zurück aus der Pension. Die violetten Amateure profi tieren daher von einem professionellen Trainer-Gespann: Chefcoach Ivica Vastic und Assistent Robert Sara. Der ist Austrias Rekordspieler und nun auch Austrias fünfter Ehrenkapitän.


Die Austria-Familie gratuliert herzlichst!

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 8 17
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 8 15
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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