01.01.2011, 12:30 Uhr

JUBILÄUMSBUCH-LESEPROBE: AUSTRIA-IKONE HERBERT PROHASKA

Jubiläumsbuch-Leseprobe: Austria-Ikone Herbert Prohaska

Der FK Austria Wien – ein Klub, der keinen kalt lässt, der Fußballgeschichte in Österreich geschrieben hat. Auf nationaler und internationaler Ebene: Zweifacher Sieger des Mitropacups, der „Champions League“ der 30-er Jahre, erster österreichischer Verein in einem Europacupfinale, 23 x österreichischer Meister (österreichischer Rekordmeister in der Nachkriegsgeschichte), mit 27 Titeln Rekordsieger im österreichischen Cup!


Und ein Klub, der seit seiner Gründung Tummelplatz der Stars war, unzählige Größen des heimischen und des internationalen Fußballs schnürten ihre Fußballschuhe für die „Violetten“, die nicht nur auf dem Feld, sondern auch in der Halle für „Fußball-Zauber“ standen und stehen.

 

Zum 100. Geburtstag der Austria beschreiben Peter Klöbl und Wolfgang Winheim in Band I des Jubiläumsbuchs die Geschichte des Klubs in Wort und Bild, stellen Legenden von einst und jetzt vor. In Band II folgt die Austria in Zahlen: Alle Spiele, alle Tabellen, alle Erfolge. Plus: Alles über das große Jubiläumsjahr 2011!


www.fk-austria.at bietet allen Besuchern ausgewählte Leseproben zum ersten Band:

 

Als des Schneckerls Haupt noch unzählige Schneckerln zierten, trug er sein erstes Taschengeld in ein Übersetzungsbüro. Um seinen Autogrammwunsch Wort für Wort auf Portugiesisch an sein Idol Pelé richten zu können. Den ersehnten Antwortbrief aus Brasilien hat er niemals bekommen. Was Herbert Prohaska heute nicht wundert. „Wir hatten ja gleich 50 Bildeln, die Pelé unterschreiben hätte sollen, ins Kuvert gelegt.“ Prohaskas Fußball-Enthusiasmus ist trotz dieser Enttäuschung nie verflogen. Dennoch: Hätten seine Eltern Geld für die vom Sohn so sehr gewünschte elektrische Verstärkeranlage gehabt, dann wäre Prohaska vielleicht niemals Fußball-Profi geworden.

 

Und hätten Rapids Unterhändler ihn nicht so von oben herab behandelt und den Herbert versehentlich mit Pauli angeredet, dann wäre er vermutlich nie bei der Austria gelandet. Die Verstärkeranlage benötigte Prohaska, um mit seiner Simmeringer Band üben zu können, nachdem er als 14-Jähriger vorübergehend schon lieber mit der Bassgitarre als mit einem Ball gespielt hatte. Und Verhandlungen Rapids mit dem Wiener Liga-Talent Prohaska, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Rapid-Sympathisant gewesen war, hat es zweieinhalb Jahre später in einer Simmeringer Konditorei tatsächlich auch gegeben. Nur endeten die mit den Worten, er möge sich halt melden, falls er unbedingt nach Hütteldorf wolle.


Austrias „Vorverhandler“ erwiesen sich da schon als höflicher. Und hartnäckiger. Und schlauer. Nur nicht ganz so großzügig wie Abgesandte von Innsbruck und Salzburg, die sogar im Westen Wind davon bekommen hatten, dass es im Osten was junges Neues gab. „In Salzburg hätte ich mehr verdienen können. Aber ich wollte in diesem Alter von Wien net weg.“ Prohaska entschied sich schließlich für die Austria, zumal er den Austrianer Edi Krieger von Vergnügungskickerln mit dem „Kaffeehaus Charlotte“ schon kannte und er zudem vor Joschi Walter einen Riesenrespekt hatte.


Beim ersten Gespräch im Chefzimmer von Walter, erinnert sich Prohaska, „war mein Mund wie mit einem Pflaster zugepickt.“ Beim zweiten Treffen war der Mechaniker-Lehrling schon nicht mehr so schüchtern. Er riss Walter ein Handgeld von 20.000 Schilling (= 1.450 Euro) heraus. Prohaska: „Um die Hälfte hab’ ich meinen Eltern gleich einen Teppich gekauft.“ Um eine zigmal höhere Ablösesumme errichtete Prohaskas bisheriger „Besitzer“ Ostbahn XI Tennisplätze, die inzwischen stillgelegt sind. Der Schneckerl hingegen schaufelt jetzt jeden Montag bei der Vienna auf der Hohen Warte roten Sand übers Netz. Und lässt Partner wie Gegner (Gustl Starek, Branko Milanovic, Ex-ORF-Sportchef Hans Huber) jeden Montag spüren, dass ihm auch auf dem Centre-Court das Verlieren schwerfällt.

 

 

Der erste Sportplatz, den Klein-Herbert Ende der 50er-Jahre betreten hatte dürfen, war übrigens ebenfalls die Hohe Warte gewesen, weil Prohaska senior zeit seines Lebens für die Vienna die Daumen drückte. Der erste Verein vom Schneckerl hieß Vorwärts XI, wo’s nicht recht aufwärts ging und wegen Personalnot in der Reserve einmal sogar Vater und Sohn in einer Elf spielten – 0:6. Das erste Mal gesperrt wurde Prohaska, weil er bei Ostbahn XI, nachdem Vorwärts XI die Freigabe verweigert hatte, unter dem Namen Mikolasch mit einem falschen Pass mitwirkte.


Beim ersten Austria-Trainingslager (unter Karl Stotz) befand sich der dünne Junior Prohaska auf Morastboden in Purkersdorf täglich in einem Zustand zwischen „Auf- oder Übergeben“. Das erste Austria-Meisterschaftsspiel begann für ihn in der 29.Minute, als er für den vom Nachtdienst erschöpften Präsenzdiener Kelmer als Linksaußen eingewechselt wurde. Beim ersten Europacup-Spiel saß er ebenfalls auf der Ersatzbank, nur war er diesmal (in Bulgarien) ausnahmsweise froh, dass ihm Karl Stotz beim 0:7 gegen Stara Zagora einen Eintausch ersparte.


Das erste Derby endete für Prohaska nach 63 Minuten und mit einem 0:1. „Aber die Zeitungen haben über uns besser geschrieben als über Rapid.“ Beim ersten Pokalsieg war er in den beiden Endspielen gegen Salzburg gleich zweimal Torschütze. Und vor dem ersten Länderspiel (1:0 in Istanbul) konfrontierte ihn sein Förderer, Fan und Teamchef Leopold Stastny mit dem Ultimatum, dass er ihn einsetze, wenn er sich zuvor den Schnurrbart abrasieren lasse. „Er wollte nicht, dass ich mich mit G’walt älter mach’.“
Die erste WM-Teilnahme erzwang Prohaska mit seinem legendären „Spitz“ von Izmir. In seinem 84. und letzten Länderspiel, im Juni 1989, legte er beim 0:0 im windigen Reykjavik für Österreich die Basis zur erfolgreichen WM-Qualifikation.


Denn Routinier Schneckerl war als Einziger in der Lage, mit geschicktem Ballhalten die überlegenen Isländer zu neutralisieren. Danach rief er seine Gattin Elisabeth daheim an mit den Worten, dass er auf großes Feiern verzichte und sich ohnehin niederlegen werde, sobald es dunkel würde. Letzteres passiert zu dieser Jahreszeit in Island – gar nicht. Bei der WM 1990 in Italien galt für Prohaska dann schon vor den Spielen kein Zapfenstreich. Der ÖFB hatte den ehemaligen Italien-Legionär Prohaska (mit Inter Pokalsieger 1982, mit Roma Meister 1983) für Italien zu seinem WM-Botschafter ernannt.

Acht Jahre später fungierte Prohaska dann selbst als WM-Teamchef, nachdem sich seine Mannschaft als bester Gruppensieger beeindruckend qualifiziert hatte. Bei der Endrunde selbst, bei der Österreichs Team in einem Weingut bei Bordeaux stationiert war, hingen die Trauben dann zu hoch. Österreich schied nach der Gruppenphase aus – ohne brilliert, aber auch ohne sich blamiert zu haben. Das Debakel für Prohaska erfolgte erst neun Monate später in Valencia. Nach dem 0:9 trat er zurück.

 

Und auch Prohaskas zweite Trainer-Periode bei Austria (die erste hatte Titel gebracht) endete vorzeitig. Seither ist er im neuen Jahrtausend, in dem er vom ORF-Publikum mit großer Mehrheit noch zu Österreichs Fußballer des alten Jahrhunderts gewählt wurde, als TV-Analytiker im Bilde. Geprägt von Seriosität, Fachkenntnis und Toleranz. Auch Letztere zeichnet Prohaska nicht erst aus, seit er dreifacher Opa ist.


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Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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