08.02.2010, 09:11 Uhr

AMATEURE-KAPITÄN "BERND" MUHR SETZT AUF SEINE MÜNDIGE MANNSCHAFT

Amateure-Kapitän "Bernd" Muhr setzt auf seine mündige Mannschaft

Die Kapitäne der Austria Amateure waren in den vergangenen Jahren durchwegs echte Kaliber. Vor zwei Jahren hatte noch der wortgewaltige, ehemalige Deutschland-Legionär „Schurli“ Wimmer das Amt inne. Vergangene Saison gab der Champions League erprobte, 50-fache ungarische Teamspieler György Korsos den Spielführer.
 
Große Fußstapfen also für „Bernd“ Muhr, der im Sommer von DSV Leoben zu den Amateuren stieß. Dass er nach wenigen Monaten, genau wie die prominenten Vorgänger, seine Führungsrolle gut und gewissenhaft ausfüllt, ist offensichtlich. Etwas besonnener als der oft sehr heißblütige Wimmer, aber mit ebenso viel, vielleicht sogar noch etwas mehr Nachdruck als György Korsos. Genauso wie der Ungar, setzt Muhr dabei vor allem auf die Eigenverantwortung seiner Schützlinge: „Sicher haben wir sehr viele junge Spieler, aber ich halte alle trotzdem für mündig genug. Prinzipiell muss jeder selbst wissen, was für seine Karriere förderlich oder hinderlich ist und wie man als Profi zu leben hat.“

 

 

 

Seine Rolle als Kapitän nimmt der 32-Jährige trotzdem sehr ernst: „Ich versuche vorzuleben, was ich auch von allen anderen verlange.“ Ich muss aber nicht immer den Mund aufreißen. Wichtig ist, dann zu handeln, wenn es notwendig ist.“ Einzelgespräche sind ihm dafür genauso willkommen, wie Teambesprechungen. „Der Trainer muss nicht immer anwesend sein. Umso mehr Dinge, wir in Eigenregie regeln, desto mehr wachsen wir zusammen und reifen als Mannschaft. Wenn etwas nicht passt, dann wird die Kabinentür zugemacht und die Dinge werden direkt angesprochen. Es ist auch für jeden Coach angenehmer, wenn innerhalb des Teams ein Selbstreinigungsprozess stattfindet.“
 
Dass bei seiner Arbeit nicht immer nur harte Worte gefragt sind, hat der Routinier schon früh gelernt: „Menschen sind charakterlich verschieden. Einer verkraftet den oft berechtigten Rüffel mit einem Schulterzucken, ein anderer kann mitunter daran zerbrechen. Es ist also Menschenkenntnis gefragt, damit jeder so angepackt wird, wie es ihm am meisten hilft. Ich bringe allen den gleichen Respekt entgegen, dem Youngster genauso wie dem arrivierten Spieler.“
 
Mit der bisherigen Saison ist Muhr insgesamt nicht unzufrieden: „Angesichts der Voraussetzungen, haben wir uns recht wacker geschlagen. Zu Beginn der Meisterschaft haben wir einfach brutal Lehrgeld bezahlt. Ich selbst habe noch nie in solch einem extrem jungen Team gespielt. Die Hälfte der Mannschaft besteht aus U19-Spielern. Sie mussten sich erst an das Tempo und die Härte in einer Profiliga anpassen. Eine katastrophale Auslosung, die uns auswärts gleich vier Titelaspiranten bescherte, hat gemeinsam mit der Verletzung von Rade Djokic das übrige zum Fehlstart beigetragen.“

 

 

 

Mittlerweile hat sich sein Team aber, so Muhr, deutlich gesteigert: „Das Verständnis und die Abstimmung untereinander mussten wachsen. Ab Runde sieben waren wir wirklich konkurrenzfähig und haben über weite Strecken die entsprechenden Resultate abgeliefert.“ Ein Indiz dafür, dass die Mannschaft gewaltige Fortschritte gemacht hat, waren für Muhr auch die jüngsten Testspiele gegen den FAC und Parndorf: „Wenn ich unsere Performance mit jener der Tests im Sommer vergleiche, sind wir viel kompakter, cleverer und insgesamt sicher zwei Klassen stärker.“
 
In einer mannschaftsinternen Teamsitzung will er in den kommenden Tagen die konkreten Ziele für die Frühjahrsmeisterschaft festlegen: „Die Spieler sollen sich mit unseren kommenden Liga-Gegnern bis zum Juni befassen. Dann will ich von jedem eine realistische Punktezahl für das Frühjahr. Der Schnitt aller Stimmen ist unser Anspruch, den wir dann unbedingt erfüllen wollen.“
 
Dass einiges möglich sein dürfte, ist Muhr überzeugt: „Die Mindestanforderung  ist, dass wir über dem Strich bleiben. Vom Leistungspotential her sind Platz sieben und acht durchaus machbar. Diese Teams sind definitiv in Reichweite, speziell wenn wir den Nachtrag gegen Gratkorn gleich zu Saisonstart positiv gestalten.“

 

 

 

Nicht nur sportlich, auch privat läuft es für Muhr in diesen Tagen erfreulich. Vor knapp viereinhalb Monaten kam Töchterchen Marie Sophie zur Welt. Erstmals seit ihrer Geburt muss er eine Woche auf sie verzichten, was den manchmal harten aber immer herzlichen Teamleader mehr mitnimmt, als er dachte: „Doch, sie und meine Frau gehen mir natürlich ab und ich freue mich schon wieder sehr auf  mein Zwei-Mäderlhaus.“
 
Trotzdem, eine gewisse Routine macht sich nach den vielen Jahren im Fußballgeschäft auch bei ihm breit: „Mit sechszehn Jahren bin ich zum ersten Mal mit Gratkorn gleich wenige Meter von unserem heutigen Hotel auf Trainingslager gewesen. Die Sommer mitgerechnet, habe ich sicher schon weit über zwanzig dieser intensiven Wochen absolviert. Es wird wieder hart, aber nach den witterungsbedingt schwierigen Wochen in Wien spüre ich dieses Mal eine besonders große Motivation bei allen, mich natürlich eingeschlossen.“
  

 

 

 

Den kommenden Weg in die Ostliga wird Muhr, auch vielleicht aufgrund der neuen Familiensituation, trotzdem kaum mehr mitgehen. „Mein Vertrag war für ein Jahr ausgelegt und in dieser Saison will ich die Burschen und ihre Entwicklung so gut es möglich ist vorantreiben. Auf Sicht werde ich aber in die Steiermark zurückkehren, wo ich gerade Haus baue und wo ich auch meine berufliche Zukunft sehe.“
 
Derzeit absolviert der Gratkorner gerade die B-Lizenz Trainerprüfung, aber auch ein anderer Weg ist für den Muhr, der an der Universität Düsseldorf ein Master-Fernstudium für Sportmanagement macht, möglich. „Ich befasse mich noch nicht wirklich intensiv mit diesen Optionen. Bis zum Sommer gilt meine volle Aufmerksamkeit dem Fußball und den Austria Amateuren. Dann sehen wir weiter!“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 18 36
2. FC Red Bull Salzburg 18 34
3. FK Austria Wien 18 34
4. SK Puntigamer Sturm Graz 17 33
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 17 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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