29.04.2009, 12:00 Uhr

TORMANNTRAINER FRANZ GRUBER: „BEI SAFAR IST WENIGER MEHR!“

Tormanntrainer Franz Gruber: „Bei Safar ist weniger mehr!“

Seine unglaublichen Paraden beim Wiener Derby haben es in dieser Saison einmal mehr gezeigt – die Veilchen haben mit Szabolcs Safar die klare Nummer eins aller Bundesliga-Keeper. Das ist auch ein Verdienst vom violetten Langzeit-Tormanntrainer Franz Gruber, der diesen Juli bereits sein zehnjähriges Jubiläum in der Betreuerriege der Wiener Austria feiert.

 

Aus dem Nachwuchs und der Akademie arbeitete sich der ehemalige Schlussmann der Austria über die Amateure zur klaren Nummer eins in der Tormannausbildung der Veilchen hoch. Egal, ob Deutschlands aktueller Nationalteamtrainer Joachim Löw, Lars Söndergaard, Fränky Schinkels, Georg Zellhofer oder Didi Constantini –  sie alle vertrauten als violette Trainer auf die Fähigkeiten von Gruber, der in Österreich zweifellos zu den Besten seines Fachs gehört. Auch Austria-Coach Karl Daxbacher lässt dem geborenen Gmundner, wie schon zahlreiche prominente Vorgänger vor ihm, absolut freie Hand. Dafür ist dieser bis heute sehr dankbar: „Es gibt nichts Schöneres, als wenn man seine eigenen Ideen, Konzepte und Vorstellungen verwirklichen kann und sieht, dass sie funktionieren.“

 

Mit durchschlagendem Erfolg, wie die vergangenen Jahre und gerade das aktuelle Beispiel Szabolcs Safar zeigen. „Es war ein Annäherungsprozess zwischen uns beiden“, erinnert sich Gruber heute noch an seine erste Zeit mit dem Austro-Ungarn.  „Mit seiner ruhigen Mentalität musste ich mich erst anfreunden. Vom Naturell bin ich ein sehr  impulsiverer Mensch, der mit Typen wie einem Joey Didulica besonders gut zu Rande kommt. Da ging es oft auch lauter zur Sache. Bei Safar läuft man mit dieser forschen Art gegen eine Wand. Es war mit ihm eine komplett neue, im Nachhinein gesehen, sehr lehrreiche Erfahrung.“

 

 

Schnell lernte Gruber die ganz eigene Mentalität unserer unumstrittenen  Nummer eins zu schätzen: „Safar hat eine unglaublich starke Psyche und dank dieser und seiner besonnenen Art ist er am Platz jederzeit Herr der Lage.“ Die größte Stärke seines Schützlings liegt  für Gruber klar auf der Hand: „Seine Intuition und seine Gabe, gefährliche Spielsituation richtig zu lesen, sind weithin bekannt. Ich kenne darüber hinaus aber keinen anderen Türhüter, der die Bälle derart exakt fangen kann. Seine Arbeit mit den Händen und jedem einzelnen Finger ist geradezu ein Genuss. Egal ob der Ball aufspringt, flach kommt, angeschnitten ist, der Untergrund nass oder staubtrocken ist, Safar ist diesbezüglich der absolute Meister seines Fachs.“

 

Die konstante Überform seines Vorzeigekeepers ist für Gruber auch ein Resultat von dessen konsequenter Weiterentwicklung: „Safar war schon seit seiner Ankunft bei der Austria ein ausgezeichneter Tormann. Ich erinnere mich nur an seine überragenden Auftritte im UEFA-Cup gegen Utrecht, in Saragossa, Parma oder seine sensationellen Vorstellungen im ÖFB-Cup. Die Pokaltitel der vergangenen Jahre sind großteils auch sein Verdienst.  Dennoch hat er sich seitdem durch harte Arbeit weiter kontinuierlich gesteigert.“

 

Konkret spricht Gruber dabei vor allem einen Faktor an:  „Im Ausdauerbereich haben wir bei ihm sichtbar Fortschritte erzielen können. Davon hat sein Spiel sehr profitiert, insbesondere die Konzentration während und die Regeneration nach einem Match.“  Das wichtigste Erfolgsrezept für die permanenten Höchstleistungen von Safar ist für Austrias Tormanntrainer aber ein anderes: „Ich habe zum Glück erkannt, wie Safi trainiert werden muss. Bei ihm ist weniger tatsächlich mehr. Bei anderen, wie zum Beispiel Joey Didulica oder Marc Ziegler, war es genau umgekehrt. Sie haben sich mit steigender Intensität weiter verbessert. Diese Erkenntnis ist essentiell, weil man sonst den besten Tormann der Welt kaputt machen kann."

 

 

Vor einem baldigen Leistungsabfall von Safar hat Gruber wenig  Angst: „Er ist mit seinen 34 Jahren gerade im idealen Tormannalter. Torhüter rufen erst ab dreißig ihre besten Leistungen ab.  Keine anderen Spieler profitiert derart von gesammelten Erfahrungen. Gerade im Tor macht man einen bestimmten Fehler meist kein zweites Mal.“

 

Wie lange Safar noch auf diesem absoluten Topniveau agieren kann, ist für Gruber schwierig einzuschätzen: „Es hängt von der Fitness und der geistigen Frische jedes Spielers ab. Edwin Van der Sar von Manchester United hat mit 39 Jahren in der Premier League gerade einen neuen Rekord von mehr als 1300 Minuten ohne Gegentor geknackt, beinahe sogar einen neuen europäischen Rekord aufgestellt. In der Champions League zeigt er auch im fortgeschrittenen Alter Woche für Woche Topleistungen. Prognosen sind schon deshalb schwierig, weil jederzeit eine Verletzung in die Quere kommen kann.“

 

Sein Rat an Safar: „Er muss jetzt, genauso wie wir Jahr für Jahr realistisch abschätzen, wie lange er auf diesem Level spielen kann und will. Es geht hier für ihn um eine prinzipielle Vision, die durch aktuelle Gegebenheiten upzudaten ist. Es wird ein guter Zeitpunkt kommen, der aber gerade  jetzt, angesichts seiner unbestrittenen Dominanz in der Bundesliga, noch länger kein Thema sein sollte.“

 

In den kommenden Tagen spricht Franz Gruber über seine anderen Schützlinge Robert Almer und Austria-Talent Heinz Lindner (siehe Gruppenbild links).

 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 20 42
2. FC Red Bull Salzburg 20 40
3. SK Puntigamer Sturm Graz 20 39
4. FK Austria Wien 20 37
5. SK Rapid Wien 20 27
6. FC Admira Wacker Mödling 20 23
7. RZ Pellets WAC 20 22
8. SV Guntamatic Ried 20 20
9. SKN St. Pölten 20 18
10. SV Mattersburg 20 14
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