26.06.2009, 15:10 Uhr

THOMAS PARITS: „ZWANGSABSTIEG DER AMATEURE RÜCKSCHRITT FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN FUßBALL!“

Thomas Parits: „Zwangsabstieg der Amateure Rückschritt für den österreichischen Fußball!“

Auch am Tag nach der strittigen Entscheidung, dass die Austria Amateure nach der Saison 2009/10 aus der ADEG-Ersten-Liga zwangsabsteigen müssen, war der Ärger und das Unverständnis bei Austrias AG-Vorstand Thomas Parits noch nicht verraucht: „Dieser Beschluss war nicht nur ein Rückschritt für uns, sondern den gesamten österreichischen Fußball. Die Entscheidung wird sich auch auf die Zukunft des Nationalteams negativ auswirken.“

 

Das neue Format der zweithöchsten Liga selbst ist für Parits dabei weniger Stein des Anstoßes: „Für mich ist es zweitrangig, ob die Liga aus zehn, zwölf, vierzehn oder sechszehn Vereinen besteht und auch die Existenz der Regionalligen ist für mich per se kein Problem. Der schwerwiegende Fehler ist vielmehr, dass wichtigen  Nachwuchsteams, wie zum Beispiel unsere Amateurmannschaft oder die Red Bull Juniors, die sich sportlich qualifizieren, das Recht verwehrt wird, in der ADEG-Ersten-Liga zu spielen.“

 

Die Auswirkungen dieser Entscheidung sind für den sportlichen Vorstand der Wiener Austria fatal: „Viele Funktionäre sind sich der Tragweite ihrer Entscheidung, die sie gestern gefällt haben, nicht bewusst.  Die Talente der Klubs werden in den Akademien unter profiähnlichen Bedingungen an den Spitzenfußball herangeführt. Wenn sie dann den entscheidenden Schritt zum Profi machen könnten, wird ihnen nun verwehrt in einer Profiliga mitzuspielen. Die Plattform fällt weg und das wird schwerwiegende Konsequenzen haben. In Deutschland dürfen die Zweit-Teams der Bundesligaklubs auch in einer Profiliga spielen. Das ist in Deutschland zwar die dritte Liga, aber die ist qualitativ wohl über die ADEG-Erste-Liga zu stellen.“

 

Die Möglichkeit von Kooperationen ist für Parits nach dieser Entscheidung nur ein schwacher Trost: „Im Vergleich zu unserem Dreisäulenmodel mit Akademie, Amateuren und Kampfmannschaft sind Kooperationen keine sehr verlockende Option. Die kurzfristige Rotation von Spielern, die beispielsweise am selben Wochenende zunächst im zweiten Team und dann sogar in der Bundesliga spielen dürften, fällt weg. So wurden beispielsweise in dieser Saison Dragovic oder Suttner, die zuvor noch ein Drittel der ADEG-Ersten-Liga spielten, zunächst in einer Profiliga gefordert, ehe sie kurzfristig in der Bundesliga ihre Chance bekamen und nützten.  Der Sprung von der Regionalliga in die höchste Spieklasse ist weitaus schwieriger.“

 

 

Für die Zukunft der ADEG-Ersten-Liga sieht Parits schwarz: „Wir und Salzburg haben als einer der wenigen Vereine das Motto heute für morgen wirklich gelebt. Für das Publikum und à la longue auch für das Fernsehen ist die Liga, die eigentlich als Ausbildungsliga gedacht ist, schlicht uninteressant. Finanziell übernehmen sich die Vereine. Jedes Jahr erwischt es, wie heuer Leoben, einen anderen Klub.“


In Wahrheit wird die Thematik der Amateurvereine für Parits nun nur auf eine Spielstufe tiefer verlagert: „Mit uns, den Amateuren von Rapid, Admira und Mattersburg sind zukünftig vier sehr starke Teams  in der Ostliga vertreten. Es könnte also passieren, dass beispielsweise eine dieser Mannschaften am Ende vorne steht und erst das zweite Team überhaupt die Berechtigung für den Aufstieg hätte. Und selbst dieser Klub wird es sich gut überlegen, ob er angesichts der hohen Investitionskosten und der mangelnden Attraktivität der zweiten Liga wagt, aufzusteigen. In Wahrheit gibt es in Österreich nur sehr wenige Vereine, die sich den Profibetrieb wirklich leisten wollen und auch können.“

 

Warnende Beispiele, was passiert, wenn man es trotzdem wagt, gibt es für ihn genug: „Bad Aussee war eigentlich ein gesunder Verein. Sie haben es aber wirtschaftlich nicht verkraftet und mussten vor wenigen Tagen Insolvenz anmelden. Auch der diesjährige Absteiger, Vöcklabruck, hat diesbezüglich kein leichtes Leben.“

 

Die generelle Problematik des Unterbaus für die Bundesliga ist für Parits nur einmal mehr verschoben:  „Die Diskussion wird sehr bald wieder anlaufen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder zu Änderungen kommen wird. Dieser Entschluss ist nicht nur für die Wiener Austria sondern vor allem auch für den österreichischen Fußball langfristig keine sinnvolle Lösung.“

 

 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 26 56
2. CASHPOINT SCR Altach 26 49
3. FK Austria Wien 26 47
4. SK Puntigamer Sturm Graz 26 45
5. FC Flyeralarm Admira 26 33
6. RZ Pellets WAC 26 32
7. SK Rapid Wien 26 30
8. SKN St. Pölten 26 27
9. SV Mattersburg 26 24
10. SV Guntamatic Ried 26 23
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