13.08.2009, 16:00 Uhr

TEAMPLAYER & EUROFIGHTER JUN - EINE TOP-VERPFLICHTUNG MIT ANSAGE

Teamplayer & Eurofighter Jun - eine Top-Verpflichtung mit Ansage

Tomas Jun ist vielleicht nicht die auffälligste Neuerwerbung bei der Wiener Austria, eine echte Bereicherung ist er sowohl menschlich, vor allem aber sportlich schon jetzt auf alle Fälle. Mit seinen acht Tore und sechs Assists für Altach im vergangenen Frühjahr machte sich der Tscheche in der österreichischen Bundesliga schnell einen Namen. Dem wahren Fußballfachmann war der quirlige Angreifer, der sich bisher als wahrer Glücksgriff entpuppte, bereits viel früher ein Begriff.


Wer mit 16 Jahren sein erstes Profispiel für Sparta Prag bestritt, mit gerade 17 Jahren in der Champions-League debütierte, sich in Tschechien mit 21 Jahren die Torjägerkrone aufsetzte, U21-Europameister wurde und neben beachtlichen 74 Einsätzen (43 Tore) für diverse tschechische Nachwuchsnationalteams auch bereits 10 Mal (2 Tore) für das A-Team seines Landes auflief, der kann kein schlechter Einkauf sein.

 

Diese Prognose hat sich auch nach den bisherigen Vorstellungen im Dress der Wiener Austria bewahrheitet. Besonders international war Jun, der bisher an die 25 Europacupeinsätze vorweisen kann, eine Bank. In Novi Sad erzielte er das wertvolle Auswärtstor zum 1:1 und im Rückspiel brachte er die Veilchen gegen die Serben mit seinem Ausgleich zum 1:1 kurz vor der Pause wieder zurück ins Spiel.

 

In der Meisterschaft hielt sich der, schon in Vorarlberg als sehr mannschaftsdienlich bekannte Stürmer, noch vornehm zurück. Allein der Assist zum Junuzovic-Traumtor in Salzburg steht bei ihm bisher zu Buche. Angesichts seiner starken Vorstellungen scheint es aber nur eine Frage der Zeit, bis der 1,78-große Wirbelwind auch in der Liga zuschlägt. Wirklichen Druck verspürt der 26-Jährige diesbezüglich aber keinen. „Wir spielen gut, haben fast alle unsere bisherigen Partien positiv absolviert und genau das ist wichtig für mich. Es geht nicht darum, dass ich möglichst viele Tore schieße, sondern um Punkte und Siege für die Austria.“

 

 

 

Dieser, für einen Angreifer geradezu ungewöhnliche Teamgeist, war aber nicht immer derart ausgeprägt, wie sich Jun lächelnd zurückerinnert: „Früher war ich sogar total fixiert auf den Abschluss. Es war für mich immer vorrangig möglichst oft zu treffen. In allen Nachwuchsteams, egal ob bei Sparta Prag oder im Team, habe ich immer die meisten Tore in meinem Jahrgang erzielt. Mit der Zeit merkt man aber, dass es im Fußball um mehr geht. Im Grunde zählt nur der Erfolg der Mannschaft. Daher wiege ich mittlerweile ab, welche Variante erfolgsversprechender ist – selbst zu schießen oder einen besser postierten Mitspieler einzusetzen. Man muss auch hier gerade als Stürmer den gesunden Egoismus manchmal hinten anstellen.“

Reife Worte von Tomas Jun, der sich im Wiener Umland mit der Freundin und seiner dreijährigen Tochter Aneta bereits häuslich eingerichtet hat und sich nicht nur sprichwörtlich schon fast wie zu Hause fühlt: „Vor wenigen Tagen ist meine Familie aus Altach zu mir übersiedelt. Wien ist Prag sehr ähnlich und mit dem Auto sind es gerade einmal drei Stunden in meine Heimatstadt.“

 

Diese Standortvorteile haben für unsere neue Nummer 11 aber kaum den Ausschlag für die Wiener Austria gegeben: „Die Aufbruchsstimmung, eine mehr als konkurrenzfähige Mannschaft und der Europacup waren für mich entscheidend.“ Auf Metalurg Donezk, die letzte Hürde vor der UEFA Europa League freut er sich schon besonders:  „Mit einem Aufstieg in die Gruppenphase könnten wir uns zumindest bis Weihnachten mit internationalen Spitzenteams messen. Für einen Eurofighter wie mich ist das ein sehr verlockender Gedanke.“


Leicht wird es aber gegen die Ukrainer ganz sicher nicht, wie Jun aus einer ganz persönlichen Quelle weiß: „Einer meiner besten Freunde ist der tschechische Teamspieler Tomas Hübschman. Er ist bei Stadtrivalen Shakhtar Donezk engagiert. Sie haben vergangenes Wochenende mit 4:1 gegen Metalurg gewonnen. Tomas hat mir dennoch fast nur Gutes über diesen sehr spielstarken Gegner erzählt und auch gleich einige Tipps gegeben.“

 

 

Was für Jun bei allem Optimismus die Aufgabe erschwert, sind die enormen Summen, die in der ukrainischen Liga fließen: „Die Vereine zahlen dort nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Bedingungen in der Ukraine enorme Summen und sichern sich so die Dienste von Topkickern aus Europa, Afrika oder Südamerika.“  Eingeschüchtert ist er trotz der warnenden Worte von Hübschman nicht: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Dynamo Kiew oder Shakhtar Donezk sind auch in der Ukraine drei Nummern größer als der Rest.“


Eine kleine Recherche bei transfermarkt.at bekräftigt diese These. Der Gesamtmarktwert der Spieler von Stadtrivalen Shakhtar Donezk wird dort mit fast 130 Millionen Euro um ein Vielfaches höher beziffert, als jener von Metalurg mit rund 20 Millionen Euro. Bei aller Vorsicht vor Vergleichen von virtuellen Marktwerten scheinen die Veilchen mit einer nahezu identen Bewertung des Kaders zumindest diesbezüglich auf Augenhöhe.


Einen klaren Favoriten in diesem Duell kann auch Tomas Jun nicht ausmachen: „Beide Teams stehen auf einem ähnlichen Level. Wir müssen uns vor allem auf die eigenen Stärken besinnen. Nicht nur Metalurg hat ein starkes Team. Auch wir wissen, was wir können. Wir haben nicht nur Kampfkraft, in unserer Mannschaft steckt auch sehr viel spielerische Qualität. Es wird eine ganz knappe Sache, bei der ein gutes Auswärtsresultat angesichts des Rückspiels in Wien vor unserem tollen Publikum die halbe Miete bedeuten würde.“

 

Zuvor steht allerdings für die Daxbacher-Truppe noch die erste Runde des ÖFB-Cups am kommenden Samstag am Programm, der Jun vorerst die volle Aufmerksamkeit widmet: „Bei aller Euphorie für den Europacup, Spiele wie dieses sind unser tägliches Brot. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass gerade solche Matches gegen vermeintlich kleine Teams wie Würmla unsere potentiellen Europacup-Abenteuer erst ermöglichen. Jeder Gegner verdient Respekt, völlig gleichgültig ob er Metalurg Donezk oder SV Würmla heißt.“