29.01.2009, 16:51 Uhr

SUN XIANG: WIEN IST SEIN REICH DER MITTE

Sun Xiang: Wien ist sein Reich der Mitte

Alte Liebe rostet nicht. Und schon gar nicht, wenn es sich um Familienliebe handelt. Sun Xiang, Austrias China-Import, vermisst seinen Zwillingsbruder, seine Eltern und Freunde sehr, dennoch will sich der sympathische 29jährige in Europa durchbeißen. Seine aktuelle Liebe ist Austria Wien und mit ihr würde er auch gerne alt werden.

Seit Juni ist Sun mittlerweile bei den Violetten unter Vertrag, hat aufgrund von einigen Verletzungen aber noch keinen Stammplatz erobern können. Im Trainingslager in Marbella unternimmt er dahin ghend einen neuen Anlauf.„Nicht nur die Kultur, auch das Tempo ist hier ganz anders als in China, es wird vioel körperbetonter gespielt“, berichtet er. Zuletzt hat er sich für Shanghai Shenua ins Zeug gelegt, räumte als linker Außenverteidiger alles weg, sein Bruder spiegelverkehrt auf der rechten Abwehrseite.

Ji Sun spielt nach wie vor in der 17-Millionen-Metropole, besuchte seinen Zwilling Xiang aber im Dezember in Wien. Und war überrascht: „Eine wunderschöne Stadt. Ich beneide Xiang.“ Ihre Eltern haben sich bei der Auswahl der Vornamen übrigens etwas gedacht: Ji und Xiang zusammengeschrieben (Jixiang) bedeutet „glücklich“. Und das sind beide auch, selbst wenn sie räumlich getrennt sind.

„Wir telefonieren sehr oft und haben ständig Email-Kontakt“, sagt Xiang, der in Wien im 1. Bezirk in einem Appartment schon sehr gut Fuß gefaßt hat. Auch soziale Kontakte hat er sich bereits jede Menge aufgebaut. Essen geht er oft – wie klischeehaft – in China-Restaurants, auch die ganze Mannschaft hat er dorthin anläßlich des chinesischen Neujahrsfests Mitte Jänner mit Köstlichkeiten aus seiner Heimat versorgt.

 

 

 

Wer aber glaubt, dass chinesisches Essen in China und Europa gleich schmecken, der irrt. „In Europa wird viel würziger als bei uns gekocht, aber es schmeckt mir genau so gut“, lächelt er.

Stichwort Lachen – das begleitet Xiang Sun schon sein ganzes Leben. Er ist immer freundlich, hat die Lebenseinstellung, immer jedem mit einem Lächeln zu begegnen. „Ist man zu jedem freundlich, ist er es einem gegenüber auch.“

Als Sohn eines Hochschulprofessors und einer Buchhalterin konnte er in China immer schon relativ angenehmes Leben führen. Bereits mit sieben Jahren begann er auf dem Schulcampus Fußball zu spielen und schaffte es bis in die chinesische Nationalmannschaft (40 Länderspiele) und für ein halbes Jahr sogar nach Eindhoven zum PSV (2007). Dort stellte er eigene Rekorde auf, war Chinas erster Spieler in der Champions League, Chinas erster Spieler, der in Europa Meister wurde und mit der Austria schaffte er es im Herbst als erster Chinese in den UEFA-Cup.

So viel Ruhm bleibt natürlich nicht unbemerkt. Im Reich der Mitte ist er ein Werbestar (u.a. auch für unseren Ausrüster NIKE), in Wien wird er von seinen Landsleuten auf der Straße gleich erkannt. Schüchtern sagt er: „Das ist mir peinlich, ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt.“

Als einer von nur drei China-Importen, die aktuell in Europas höchsten Ligen spielen, räumt er auch mit einem Vorurteil auf, dass sich in unseren Breitengraden hartnäckig hält. Lachend sagt er: „Wir essen keine Ratten und Hunde, zumindest ich nicht. Es stimmt zwar, dass es in manchen Teilen unserer Republik als Spezialität gilt, aber nicht jeder Chinese ernährt sich davon. Auch nicht von Schlangen am Spieß. Wir essen wie ihr in Europa Huhn, Rind, Fisch und Schwein.“

Im Sommer endet sein Vertrag bei der Austria, die aber eine Option auf ihn hat. Geht es nach ihm, möchte er unbedingt noch länger bei Violett Fußball spielen. Auch wenn es bedeuten würde, dass er noch länger von seiner Familie und der Weltmetropole Shanghai, wo er auch geboren wurde, getrennt wäre. Austria Wien ist eben seine neue Liebe.