17.02.2009, 14:00 Uhr

GYÖRGY KORSOS & ALEX SCHRIEBL: ZWEI RUHIGE ROUTINIERS SPRECHEN KLARTEXT

György Korsos & Alex Schriebl: Zwei ruhige Routiniers sprechen Klartext

Wie formulierte es Amateure-Trainer Hans Dihanich vor einigen Wochen bei seinem Antritt so treffend: „Mein wichtigstes Ziel mit den Austria Amateuren ist es, junge Talente an die Kampfmannschaft heranzuführen. Jeder Spieler, der es von uns in die Bundesliga schafft, ist ein Beweis für die gute Arbeit in der zweiten Mannschaft!“

 

Einen großen Anteil haben daran zweifelsohne seine Routiniers, weiß auch Dihanich: „György Korsos und Alexander Schriebl sind aufgrund ihres Alters ganz klar die Führungspersönlichkeiten im Team, der Kleister der alles zusammenhält.“ Mehr Verantwortung heißt für Coach der Jungveilchen aber gleichzeitig auch mehr Kritikfähigkeit: „Sicherlich müssen beide bei mir im Verhältnis mehr Kritik aushalten, aber als Routiniers sollten sie dem auch gewachsen sein. Ich würde mir vor allem wünschen, dass sie in ihrer Rolle als Leithammel etwas lauter und aggressiver agieren, auch wenn ich schon zur Kenntnis genommen habe, dass sie nicht die klassischen Schnalzer sind.“

 

Eben genau diese wertvolle Hilfestellung für die Austria-Youngsters glauben Kapitän Korsos (32) und Schriebl (30) auch mit gemäßigtem Ton vermitteln zu können. Schriebl dazu: „Mir ist bewusst, dass wir nicht die Lautesten sind, aber wir sind der Meinung es kommt nicht so sehr auf die Lautstärke selbst, sondern auf die Qualität der Unterstützung an. Wir wollen keinen zu seinem Glück zwingen. Jeder der Profifußballer werden will, muss bis zu einem gewissen Grad Eigeninitiative und Selbstverantwortung mitbringen. Wir sind immer mit Rat und Tat für alle unsere Burschen da, nur jeder muss sich auch helfen lassen wollen. Bei manchen bleibt einiges hängen, bei anderen ist es nach einer Woche vergessen.“

 

 

Dass man als junge Fußballer von Routiniers selbst einiges lernen kann, davon kann der 33-fache ungarische Teamspieler Korsos auf alle Fälle ein Lied singen, wenn er sich an seine Anfänge bei Sturm Graz erinnert: „Ich kam mit gerade einundzwanzig Jahren zur Startruppe von Sturm. Das Durchschnittsalter lag dort damals bei deutlich über dreißig  Jahren, was für mich und meine Entwicklung ein echter Glücksfall war. Ich weiß also selbst am besten, wie sehr man von erfahrenen Spielern profitieren kann, wenn man nur will.“

 

Nicht wenige scheinen sich diesen Rat zu Herzen genommen zu haben, blicken beide doch nicht nur auf eine respektable Herbstmeisterschaft und eine bisher durchwegs gelungene Vorbereitung zurück: „Die Stimmung im Team und die Leistungen haben bisher gepasst. Konditionell sind wir knapp drei Wochen vor Meisterschaftsstart schon gut in Schuss und auch unsere Trefferquote in den Testspielen ist vielversprechend. Dank der tollen Bedingungen hier im Trainingslager in der Türkei werde wir noch einen weiteren Sprung machen können. In Blickrichtung Meisterschaft gilt es jetzt vor allem noch an Spritzigkeit zu gewinnen“, hat der „Amas“-Kapitän die nächsten Schwerpunkte schon ins Auge gefasst.

 

Bei der Prognose für die Frühjahrsmeisterschaft sind sich beide einig. „Es wird sehr viel auf die ersten zwei Spiele ankommen. In der Meisterschaft könnten wir mit einem Erfolg gegen Grödig gleich einen beruhigenden Polster zur Abstiegszone schaffen und bereits zuvor wartet mit dem ÖFB-Cup-Viertelfinale gegen die Rapid Amateure das Spiel des Jahres“, verbirgt Schriebl gar nicht seine große Vorfreude auf diesen Schlager.

 

 

Ins selbe Horn bläst auch Korsos, der sich der enormen Bedeutung dieser Partie schon jetzt bewusst ist: „Wir können mit dem Einzug ins Cup-Halbfinale Geschichte schreiben. Viele Bundesligisten sind schon aus dem Bewerb geflogen, diese Chance werden wir so schnell nicht mehr bekommen.“ Die Favoritenrolle liegt bei diesem Kracher am Anfang März auch im Hanappi-Stadion bei Violett, ist der Ungar überzeugt: „Sofern Rapid nicht mit der halben Kampfmannschaft aufkreuzt, sind wir Favorit, auch wenn uns sicher eine heiße Partie erwartet.“

 

Gelingt tatsächlich der nächste Coup, dann ist für unser routiniertes Duo alles möglich, wie Korsos schmunzelnd bemerkt: „Ich bin schon drei Mal im Cupfinale gestanden und habe trotz mancher Favoritenrolle immer verloren. Daher weiß ich ganz genau, dass es im Pokal fast  immer auf die Tagesform ankommt. Erwischen wir nach der Sensation bei Salzburg weitere gute Tage ist alles möglich.“

 

„Träumen ist doch erlaubt“, glaubt auch Schriebl an eine Prolongation des Cupmärchens der Jungveilchen. Umso mehr als beide Altrecken der jungen Violetten dann mitunter in Terminnot kommen könnten: Am 24. Mai, dem Tag des Cupfinales, ist der Geburtstermin von Korsos zweiten Kindes und nur wenige Tage später steht Alexander Schriebl mit seiner Freundin in Salzburg vor dem Traualtar. Das dazugehörige Hochzeitskleid dafür wird gerade in der Designerboutique von György Korsos und seiner Gattin gefertigt, die trotz der Wirtschaftskrise weiter mit schwarzen Zahlen glänzt.

 

Dass Korsos den Jungveilchen auch über diese Saison hinaus erhalten bleiben könnte, will er trotzdem nicht ausschließen: „Genauso wie Alex fühle ich mich beim Verein, in Wien und in meiner Rolle sehr wohl. Es ist für uns beide eine schöne Erfahrung all das an junge Spieler weitergeben zu können, was wir im Laufe unserer Karriere gelernt haben.“