27.05.2009, 13:45 Uhr

FRÄNKY SCHIEMER: "ICH HABE DER AUSTRIA FAST ALLES ZU VERDANKEN!"

Fränky Schiemer: "Ich habe der Austria fast alles zu verdanken!"

Für Fränky Schiemer geht in diesen Tagen ein sehr erfolgreiches Kapitel in seiner noch jungen Karriere zu Ende. „Ich habe der Austria fast alles zu verdanken. Hier habe in den Durchbruch in der Bundesliga geschafft und bin zum Nationalteamspieler geworden.“ Dass der Sonnyboy nach mehr als vier Jahren Abschied aus Wien Favoriten nimmt, wird dem 23-Jährigen erst langsam richtig bewusst: „In dieser Woche bricht doch alles über mich herein. Ich habe hier so viele schöne Erinnerungen. Es spielt doch sehr viel Wehmut mit, wenn ich derzeit durch das Stadion schlendere,“ gewährt Schiemer einen kleinen Einblick in sein Seelenleben.

 

Seine persönlichen Highlights im violetten Trikot (siehe Bilder unten) kommen wie aus der Pistole geschossen: „Legia Warschau auswärts 2006 - von diesem Europacupspiel an war ich fast durchgehend in der Startelf“, erinnert sich der Innenverteidiger, wie alles begann. Ebenfalls unvergesslich bleibt für ihn sein Doppelpack im UEFA-Cup-Heimspiel gegen Lech Posen: „Damals wollte ich die Welt umarmen, wobei mir heute noch schlecht wird, sobald ich an das Rückspiel denke.“

 

 

 

Selbst bei diesem Last-Minute-Aus zeigte der Youngster einmal mehr Charakter. Einige mitgereiste Fans werden sich noch gut daran erinnern, dass Schiemer trotz der eigenen Enttäuschung und Fassungslosigkeit, als einer der wenigen Spieler mit hängendem Kopf zum Auswärtssektor in Polen stapfte. Geduldig hörte er zu und diskutierte, als sich die Fans nach der beschwerlichen Anreise und dem absoluten Tiefschlag den Frust von der Seele redeten.

Egal ob Fanstammtische, Foto- und Autogrammwünsche oder ein kurzer Plausch. Fränky nahm sich wie kaum ein anderer Zeit für die Wünsche und Anliegen der Fans. Einer der Hauptgründe dafür, warum sich der Blondschopf in den vergangenen Jahren zu einem der absoluten Fanlieblinge entwickelte.

 

Eine Beziehung die auf Beidseitigkeit beruht, wie Schiemer versichert: „Schon in meinen ersten Spielen sind sie wie eine Wand hinter mir gestanden. Gerade als Newcomer macht dir das irrsinnigen Mut. Dafür werde ich dem Austria-Anhang immer dankbar sein. Es sind mit einigen Fans echte Freundschaften entstanden, die auch meinen Transfer sicher überdauern werden.“

 

 

Dass mit dem baldigen Gang in die Mozartstadt auch kritische Stimmen laut wurden, ist für Schiemer plausibel und kein größeres Ärgernis: „Ich kann verstehen, dass einige enttäuscht sind, umso mehr, wenn man zu einem direkten Meisterschaftskonkurrenten geht. Ich habe mich schweren Herzens für diesen Schritt entschieden und dazu stehe ich. Es war bei mir Zeit für eine Veränderung und ich wollte damit sicher niemanden mutwillig vor den Kopf stoßen.“

 

Bester Beweis dafür, dass Schiemer bis zum Abpfiff der letzten Partie gegen Kärnten alles für Violett geben wird, war die ausgelassene Feierlaune nach dem 3:1-Cup-Sieg gegen die Admira in Mattersburg: „Ich wollte mich unbedingt mit einem Titel von den Fans verabschieden. Dafür habe ich mir selber ordentlich Druck gemacht.  Ich bin überglücklich, dass mir das noch gelungen ist.“

Persönlich ist der letzte Cup-Sieg (siehe im Bild unten mit Acimovic nach dessen Treffer zum 2:1) seine schönste Trophäe: „Nicht nur, weil es mein Abschiedstitel ist, sondern vor allem, weil ich am meisten dazu beitragen konnte. Beim Meistertitel war ich noch kein vollwertiges Mitglied der Mannschaft und auch beim Cup-Sieg 2007 stand ich aufgrund einer roten Karte im Finale nicht auf dem Platz.“

 

 

 

Seit seiner Ankunft aus Ried 2005 wechselten die Abwehrreihen fast jährlich, was für Schiemer im Rückblick nicht die schlechteste Entwicklung war: „Zwar musste man sich immer wieder auf neue Mitspieler einstellen, andererseits konnte ich mir selbst im Training  von Topleuten wie Antonsson, Radomski, Dheedene oder zuletzt Bak viele wichtige Kleinigkeiten abschauen.“

 

Der Klub von damals ist für den Austrianer des Jahres 2007 mit dem heutigen Verein nicht mehr vergleichbar: „Was die Mannschaft angeht, ist alles kleiner aber definitiv feiner geworden. Die Leistungsdichte war bei einem Spitzenkader von dreißig Leuten, wovon zehn am Matchtag auf der Tribüne sitzen mussten, höher. Dafür sind der Zusammenhalt und die Stimmung jetzt viel besser. Mittlerweile gibt es nur mehr wenige Legionäre und viele sehr gute junge Österreicher, die sich untereinander toll verstehen. Alles ist viel persönlicher geworden. Jetzt kann man wirklich von einer violetten Familie sprechen.  Alleine, dass wir in dieser Saison mehr als zehn Spiele nach einem Rückstand noch umgedreht haben, spricht für die Moral und den Zusammenhalt in der Truppe. Jeder rennt für jeden und das Resultat sind der Cup-Titel und hoffentlich Platz drei.“

 

Der dafür notwendige Sieg von Ried gegen Sturm Graz wäre für den ehemaligen Innviertler eine besondere Genugtuung:  „Dort liegen meine fußballerischen Wurzeln und insofern hoffe ich auf ein 3:0, damit Ried auf dem letzten Abdruck noch den Sprung in den Europacup schafft. Damit würden sie uns die entscheidende Schützenhilfe für Rang drei auf dem End-Podest liefert.“ Die volle Aufmerksamkeit am letzten Spieltag liegt für Schiemer aber im Horr-Stadion: „Ich will mit einem Sieg zum vorerst letzten Mal die Austria-Kabine verlassen und mich damit gebührend von den Fans verabschieden.“

 

 

 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 35 78
2. FK Austria Wien 35 60
3. SK Puntigamer Sturm Graz 35 60
4. CASHPOINT SCR Altach 35 53
5. FC Flyeralarm Admira 35 46
6. SK Rapid Wien 35 43
7. SV Mattersburg 35 40
8. RZ Pellets WAC 35 39
9. SKN St. Pölten 35 37
10. SV Guntamatic Ried 35 35
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