15.12.2009, 13:00 Uhr

CD NACIONAL – DER TRADITIONSKLUB VON DER BLUMENINSEL

CD Nacional – Der Traditionsklub von der Blumeninsel

Während die Blumeninsel Madeira bereits seit der Besuche von Kaiserin Elisabeth als ein beliebtes Reiseziel heimischer Touristen gilt und ganz nebenbei auch die Ruhestätte des letzten österreichischen Kaisers, Karl I. ist, war dessen Hauptstadt Funchal vielen Austria-Anhängern wohl bisher weniger ein Begriff.

 

Völlig zu Unrecht, denn nicht nur aufgrund der Vergangenheit der beiden berühmten österreichischen Monarchen ist die 100.000-Einwohner Metropole auf der Urlaubsinsel, die nach dem Gewürz Fenchel (Funchal bedeutet auf portugiesisch „viele Fenchel) benannt ist, eine schmucke Hafenstadt. Eben dort, wo vor hunderten Jahren noch der berühmte Madeira-Wein, Zuckerrohr und andere Waren verschifft wurden, wird schon seit geraumer Zeit auch Fußball gespielt.

 

Der Clube Desportivo Nacional, wie Nacional Funchal korrekt heißt, wurde, wie der große Stadtrivale Marítimo, 1910 und damit nur ein Jahr vor der offiziellen Gründung der Wiener Austria aus der Taufe gehoben. Ähnlich wie die Veilchen wurde der Verein seit jeher mehr dem bürgerlichen Lager zugeordnet, während Marítimo Funchal seine Anhängerschaft zumeist in der Arbeiterklasse hatte. Die ausgeprägte Rivalität gipfelt alljährlich im großen „Atlantik-Derby“, das seinen Namen angesichts der 1000 km-Distanz zum portugiesischen Festland tatsächlich verdient. Historisch gesehen hat Marítimo, was die Kluberfolge angeht, noch die Nase vorne. Mit 36 madeirischen Meistertiteln (Nacional 8), der portugiesischen Meisterschaft 1925/26 und der ersten Europacup-Teilnahme 1993 galt Marítimo lange Zeit als die Nummer eins auf Madeira.

 

Dieses Kräfteverhältnis hat sich in den vergangenen Jahren aber immer mehr in Richtung Nacional verlagert. Mit Platz vier landeten die Weiß-Schwarzen in der portugiesischen Super Liga auch in der abgelaufenen Meisterschaft klar vor dem Inselkonkurrenten (9.). Mit dem sensationellen Einzug in die Europa League-Gruppenphase gegen Zenit St. Petersburg, immerhin UEFA-Cup-Sieger von 2008, durch ein Last-Minute-Tor in Russland zum 1:1 (Hinspiel 4:3, Gesamtscore 5:4) ist Nacional erstmals zumindest bis Dezember 2009 fix im internationalen Geschäft. Genauso wie die Veilchen sind die Portugiesen aber bereits vor diesem abschließenden Match in Funchal ausgeschieden. 

 

Die größten Erfolge gelangen dem Verein generell erst in der jüngsten Geschichte. Der erstmalige Aufstieg in den 90igern, dem nach dem Abstieg ein weiterer Meistertitel in der zweiten portugiesischen Liga in der Saison 2001/02 folgte. Seitdem etablierte sich Nacional als Fixpunkt im Oberhaus und führte vergangenes Jahr sogar über Wochen noch vor den Großklubs aus Lissabon und Porto die Liga an. Sein Europacupdebüt gab der Klub 2005 gegen den FC Sevilla, wo man aber in Runde eins scheiterte, ebenso wie beim zweiten Anlauf gegen Rapid Bukarest 2007.

 

Trainer Manuel Machado, der mit Roland Linz bei Sparta Braga auch bereits ein Ex-Veilchen unter seinen Fittichen hatte, scheint es also abermals geschafft zu haben, eine konkurrenzfähige Truppe auf die Beine zu stellen. Nach einer fehlgeschlagenen Operation wird er bis auf weiteres von Predag Jokanovic vertreten, der Nacional bereits in der Saison 2007/08 coachte.

Damals wie heute bedienen sich nicht nur die portugiesischen Topklubs bei der Kaderschmiede, die für ihre kluge Transferpolitik mit brasilianischen Talenten bekannt ist. Augenmerklichste Auswirkung: Gleich 13 Akteure des 31-Mann-Kaders stammen vom Zuckerhut und haben vor allem dank der gleichen Sprache nur minimale Anpassungsschwierigkeiten.

 

Im Sommer musste man Portugals Torschützenkönig Nené (BRA, 20 Tore/28 Spiele) für knapp 5 Millionen Euro Richtung Serie A zu Cagliari ziehen lassen. Genauso wie mit Maicon Pereira Roque (BRA), eines der größten Abwehrtalente der Liga, wobei vor allem aus der ehemaligen Kolonie Brasilien bereits Ersatz geholte wurde. Sturmtank Edgar von Vasco da Gama war der 10. und letzte Neuzugang bei einer gewaltigen Frischzellenkur.

 

Auch infrastrukturell haben die „Os Alvinegros“ (Weiß-Schwarzen) bereits kräftig aufgerüstet und Marítimo deutlich hinter sich gelassen. Die Heimstätte Estádio Rui Alves (Kapazität 5.550) wurde für 20 Millionen Euro komplett runderneuert und bekam im Zuge dessen eine neue Haupttribüne. Ein echtes Schmuckkästchen also, das nicht nur dank des modänen Meerblicks  mittlerweile schlicht zum „Estádio da Madeira“ erhoben wurde. Gleich im Anschluss an das brandneue Trainingsgelände wurde der „Christian Ronaldo Campus Futebol“ errichtet. Die Nachwuchsakademie, die nach ihrem berühmtesten Sprössling – Real Madrid-Star Christiano Ronaldo benannt ist.

 

Wie kaum ein anderer kennt auch Austrias AG-Vorstand Thomas Parits die Blumeninsel, war doch seine Tochter dort mehr als 3 Jahre für eine Reiseagentur tätig. Für unseren sportlichen Leiter schließt sich also auch familiär mit den beiden Spielen gegen Funchal ein Kreis.

 

Die Jahresdurchschnittstemperatur in Madeira beträgt übrigens stolze 22 Grad (Wien hat vergleichsweise ein Jahresmittel von 10 Grad). Angesichts dessen holen sich die Veilchen im letzten Pflichtspiel des Jahres 2009 in Funchal hoffentlich keine kalte Nase...

 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 19 39
2. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 19 22
7. FC Admira Wacker Mödling 19 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SV Mattersburg 19 14
10. SKN St. Pölten 18 14
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