22.12.2009, 10:00 Uhr

AG-VORSTAND KRAETSCHMER: DER GROßE RÜCKBLICK, DIE GEGENWART UND DIE ZUKUNFT / TEIL II

AG-Vorstand Kraetschmer: Der große Rückblick, die Gegenwart und die Zukunft / Teil II

Das Motto von AG-Vorstand Markus Kraetschmer ist seit jeher: „Think big!“ Umso besser, dass das Jahr 2009 für den FK Austria Wien ein sehr erfolgreiches war. Cupsieg, Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase, Klarheit bei wirtschaftlichen Fragen, Optimierung der Infrastruktur – das sind nur einige Schlagworte, aber die wollen wir im Interview mit Kraetschmer im Detail aufarbeiten. www.fk-austria.at hat die Antworten und beweist, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Lesen Sie Teil II des Interviews.

In Ihrem Herzen müssen doch zwei Seelen schlagen, denn bei allem Positiven darf man auch die unrühmlichen Vorkommnisse auf der Fantribüne nicht unter den Teppich kehren?
„Das machen wir auch nicht und wir haben auch schon konkrete Maßnahmen besprochen und festgelegt. Davon aber ein wenig später. Unser Ziel war es, mit der neuen Ost die schönste Fantribüne Österreichs zu errichten. Das ist uns mit Sicherheit geglückt und das neue Sicherheitskonzept hat bei den Derbys auch schon ganz gut funktioniert. Deswegen ist es umso bitterer, wenn es tiefgreifende Probleme mit den eigenen Fans gibt.“

 

Schadet nicht das Verhalten einiger Fans bzw. ganzer Gruppierungen dem gesamten Klub?
„Natürlich und deshalb werden wir sehr bald weitere Taten dagegen setzen. Wir haben im Sommer eine Kampagne gestartet, in der es darum ging klar zu machen, dass es ein Mindestmaß an Grundregeln einzuhalten gilt. Wir wollen bei unseren Spielen keine Gewalt, keine Wurfgegenstände, bieten keinen Platz für Rassismus, Antisemitismus oder Faschismus. Wir haben eigens ein Fanzentrum eröffnet, dass wir entwickeln wollten. Aber nach den Vorkommnissen und Ausprägungen rund um das Bilbao-Spiel müssen wir uns eingestehen, dass viele unserer Wünsche und Hoffnungen zerstört wurden.“

 

Diesen Erkenntnissen müssen auch Taten folgen, wie geht es bei dieser Problematik für Sie also weiter?
„Das Verfahren der UEFA gegen uns ist das eine, das zweite ist die Abwicklung, was beim Bilbao-Match passiert ist. Es geht um Regress- und Schadensersatzforderungen, Anzeige wegen Wiederbetätigung und Überdenken der eigenen Sicherheitskonzepte, da es immer wieder Zwischenfälle gegeben hat. Und das trotz sehr hoher Investitionen wie die Errichtung des Fanzentrums und zwei ausgebildeten Sozialarbeitern. Das alles kostet den Klub sehr viel Geld, muss jetzt zu einem Umdenken führen, auch aus wirtschaftlichen Überlegungen.“

 

Ihre Ausführungen klingen so, als wären sie massiv enttäuscht?
„Ja, das bin ich auch. Nicht nur als Klubverantwortlicher, sondern auch persönlich, aber wir sind von unserem Weg überzeugt und werden ihn konsequent weiterverfolgen. Das sind wir nicht nur unseren Sponsoren, sondern mehr als 98 Prozent der Austria-Fans schuldig. Wir werden nicht aufgeben, bis wir unsere internen Probleme gelöst haben und jeder Besucher wieder stolz darauf sein kann, dass er ein Teil einer harmonierenden Austria-Familie ist.“

 

Lassen Sie uns das Thema wechseln. Die Austria sucht auch immer wieder Wege der Klubfinanzierung, die neues Geld in die Kassen spülen sollen. Was können Sie uns da berichten?
„Für die Rückzahlung unserer Investitionen brauchen wir nicht nur die Mehreinnahmen aus dem Zuschauerbereich. Ich wünsche mir, dass auch die Einnahmen und Rekordumsätze aus dem Merchandising oder dem Klubmuseum, das nicht nur unsere ruhmreiche Geschichte dokumentiert, oder die hohe Akzeptanz unserer Gastronomie-Angebote weiterhin so großartig angenommen werden. Ebenso die neueren Themen wie unsere Förderklubs oder andere von uns entwickelten Sponsoringarten. Wir machen uns sehr viele Gedanken, wie wir weitere Projekte mit strategischen Partnern in naher Zukunft erschließen können, um unser finanzielles Fundament nachhaltig zu verbreitern und zu stabilisieren. Dass dies in wirtschaftlich schwierigen Zeit kein leichtes Unterfangen ist, muss uns allen bewusst sein.“

 

Sidestep zur Liga. Sie wurden kürzlich zum Vizepräsident der Fußball-Bundesliga gewählt. Wie sehen Sie hier Ihre Aufgaben?
„Uns ist es wichtig, dass wir die Anliegen und Rahmenbedingungen für die Austria  aktiv mitgestalten können. Wir sind überzeugt, dass wir so auch einiges für unseren Klub verbessern können, wenn es zum Beispiel um Themen wie TV-Vermarktung oder Liga-Sponsoring geht. Als Mitglied des Aufsichtsrates können wir die Strategie nachhaltig mit entwickeln, obwohl unser Fundament bereits stark ist, ergeben sich immer wieder neue Perspektiven.“

 

Wie sehen Sie die Zukunft unserer Austria?
„Wer mich kennt, weiß, dass ich in der breiten Öffentlichkeit nicht zur Abteilung Attacke gehöre, aber es wird in jedem Fall eine große Zäsur beim Fan-Thema geben. Dies ist das klare Ergebnis aus den vielen Gesprächen mit Polizei, Sicherheitsdienst, Präsidium und in den anderen Gremien. Wer die Austria als seine Bühne für Selbstdarstellung wählt und noch dazu den Klub viel Geld kostet, wird von uns ausgeschlossen. Lange haben wir es mit vielen Gesprächen, Appellen an die Vernunft und Kompromissen versucht, wir mussten erkennen, dass dieser Weg bei einigen sinnlos ist. Wir sind fest entschlossen, unsere harte Linie durchzuziehen und das wird uns auch gelingen, damit wir unseren erfolgreich begonnen Weg fortsetzen können. Wir haben jetzt die Infrastruktur geschaffen, haben eine starke, junge, schlagkräftige Mannschaft zusammen gestellt und wollen mit einer herausragenden Akademie über unsere Amateurmannschaft auch künftig viele österreichischen Spieler für die Austria und das Nationalteam ausbilden. Chaoten und Störenfriede werden wir konsequent aus unserer Gemeinschaft ausschließen. Alle anderen werden wir sehr, sehr gerne in unserer Austria-Familie begrüßen und für jeden attraktive Angebote bieten.“

 

Ganz Wien ist zurzeit von wunderschönen, violetten Weihnachtsplakaten übersät. Eine nette Geste an unsere Anhänger und Sympathisanten?
„Mit dieser Aktion, die uns wieder unser Vizepräsident Rudi Reisner ermöglicht hat, wollen wir nochmals ein großes Danke an unsere Sponsoren und Fans für ein tolles Jahr sagen. Ich wünsche allen Austrianern frohe Weihnachten, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und vor allem viel Glück und Gesundheit und freue mich auch im Jahr 2010 diese neue Austria gemeinsam weiterentwickeln zu können.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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