21.12.2009, 10:00 Uhr

AG-VORSTAND KRAETSCHMER: DER GROßE RÜCKBLICK, DIE GEGENWART UND DIE ZUKUNFT / TEIL I

AG-Vorstand Kraetschmer: Der große Rückblick, die Gegenwart und die Zukunft / Teil I

Das Motto von AG-Vorstand Markus Kraetschmer ist seit jeher: „Think big!“ Umso besser, dass das Jahr 2009 für den FK Austria Wien ein sehr erfolgreiches war. Cupsieg, Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase, Klarheit bei wirtschaftlichen Fragen, Optimierung der Infrastruktur – das sind nur einige Schlagworte, aber die wollen wir im Interview mit Kraetschmer im Detail aufarbeiten. www.fk-austria.at hat die Antworten und beweist, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Lesen Sie Teil I des Interviews.

 

Herr Kraetschmer, kehrt im anstehenden Weihnachtsurlaub auch bei Ihnen Ruhe und Besinnlichkeit ein?
„Es geht nunmehr ein Jahr zu Ende, in dem sich die Austria toll entwickelt hat, hier gilt es allen Sponsoren, Fans und Mitarbeitern ein Riesenkompliment zu machen. Wenn ich die vergangenen zwölf Monate Revue passieren lasse, dann kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass es bei uns aus sportlicher Sicht nie wirklich große Unruhe gegeben hat. Wir haben sogar ein tolles Jahr erlebt, haben zum vierten Mal in Folge den ÖFB-Cup gewonnen, sind Dritter in der Meisterschaft geworden und haben damit unser Saisonziel wie im Sommer davor angekündigt erreicht.“

 

Und wir denken, auch richtig zu liegen mit der Aussage, dass sich der sportliche Erfolg in diesem Sommer fortgesetzt hat?
„Auf alle Fälle, denn man darf auch nicht vergessen, dass wir die Mannschaft total umgebaut und einer massiven Verjüngungskur unterzogen haben. Dennoch ist uns ein sehr zufriedenstellender Start in die Bundesliga geglückt, wir haben uns wieder für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Und gerade aus solchen Spielen können die jungen Spieler und wir wieder viel dazu lernen. Zudem haben wir gesehen und leider am eigenen Leib verspürt, wie knapp auf diesem Niveau alles beisammen liegt. Denken wir nur an die beiden engen Spiele gegen Werder Bremen. Und wenn uns wer im Juli versichert hätte, dass wir zu Weihnachten mit 36 Punkten Tabellendritter sind, hätten wir das sehr gerne angenommen. Wir werden versuchen, im Frühjahr an diese Form anzuschließen und auf unsere Chance lauern.“

 

In einer schwierigen Saison befinden sich unsere Amateure. Sie müssen mit Saisonende nach einem Liga-Beschluss in die Regionalliga absteigen. Wie geht man damit aus Sicht der Klubspitze um?
„Es war von Anfang an klar, dass es keine leichten Monate für sie in der ADEG-Liga werden. Nach Anlaufschwierigkeiten und einem schweren Auftaktprogramm mit vielen Auswärtsspielen, die wir aufgrund der Fertigstellung der neuen Rasenheizung brauchten, haben sie sich aber gefangen und eine gute Performance gezeigt. Sie müssen sich trotz Zwangsabstieg immer vor Augen halten, dass sie nach wie vor die Perspektive Kampfmannschaft haben. Das Beispiel Marin Leovac hat das heuer wieder gezeigt, wie schnell es gehen kann. Da sitzt er fast im Bus nach Dornbirn, um zwei Tage später in Bremen eine starke Leistung zu zeigen, leider hat er sich dann verletzt. Aber er oder Dragovic und Suttner sind für alle Jungen ein Vorbild, dem es gilt, nachzueifern! Wir bieten ihnen mit unserer Ausbildung alle Möglichkeiten dazu, die Chance kommt im Laufe einer Saison, dann muss man sie nützen.“

 

Bleiben die professionellen Strukturen dennoch aufrecht, wenn es in die Ostliga geht?
„Ja, denn es ist unser Anspruch, uns an der Spitze zu orientieren bzw. selber Maßstäbe zu setzen. Einer davon ist, dass die von uns ausgebildeten Spieler auch den Sprung nach oben schaffen. Immer vorausgesetzt, dass die Leistung stimmt, denn Freifahrtscheine gibt es nicht. Wir bieten ihnen ein Sprungbrett, dass sie selber nützen müssen. Unterm Strich soll herauskommen, dass sie den hohen Anforderungen gerecht werden und als Unterbau für die Kampfmannschaft herangezogen werden können. Auch der Stufenplan, dass die besten Akademiker immer wieder die nächste Treppe ihrer persönlichen Weiterentwicklung erreichen, bleibt unser Ziel. Eventuell kooperieren wir wieder mit einem Klub aus der Ersten Liga, aber das werden wir erst im Detail in den kommenden Wochen besprechen.“

 

Sie haben vorher die Austria-Akademie angerissen. Wie fällt Ihr Resümee nach den ersten Monaten dazu aus?
„Der Neustart ist vollauf geglückt. Großes Lob an dieser Stelle für Nachwuchschef Ralf Muhr sowie seine Trainer, die trotz schwieriger Umstände im Spitzenfcheld der österreichischen Nachwuchsligen rangieren und sich dort etabliert haben. Wir konnten viele der besten heimischen Talente aus Hollabrunn mit nach Wien nehmen und um sie starke Teams formen. Das neue Schulmodell wird in Zukunft eine noch wichtigere Säule unserer Ausbildung sein, wir wissen genau, wo wir hinwollen. Und wir werden es noch weiter verfeinern und daran feilen und an die Bedürfnisse der Schüler, respektive Sportler, anpassen.“

 

Lange Zeit war es so, dass nur die Kampfmannschaft beim Horr-Stadion trainiert und gespielt hat, demnächst werden ausnahmslos alle Austria-Mannschaften, bis zu den Kleinsten, die Anlage rund um unser Stadion bevölkern. Wir wachsen zusammen!
„Darauf sind wir besonders stolz, endlich kann auch der U8-Spieler seine Idole wie Acimovic, Safar oder Junuzovic nahezu täglich live sehen. Das wird auch für die Kleinen etwas ganz Besonderes sein, denn es ist anders, wenn man sie beim Training sieht als nur von der Tribüne alle zwei Wochen bei einem Meisterschaftsheimspiel.“

 

Dafür war aber eine riesige infrastrukturelle Veränderung notwendig.
„Es war ein Gewaltakt, der aber noch nicht abgeschlossen ist. Man darf nicht vergessen, dass wir noch vor etwas mehr als einem Jahr nichts rund um das Stadion hatten, mit dem Bau der Osttribüne hat es aber massive, positive Veränderungen auf vielen Gebieten gegeben. Wir haben eine eigene Gastro-Zeile, ein Museum, einen fantastischen Fanshop und diverse Veranstaltungsräume, die uns neue Möglichkeiten der Vermarktung bieten. Dazu haben wir eine Rasenheizung bekommen, zusätzliche Rasenplätze für den Nachwuchs und wir haben im Sommer das Gebäude des Wiener Fußball-Verbandes bei der Nordtribüne übernommen.“

 

Welche Büros werden in das ehemalige WFV-Haus kommen?
„Alle Mitarbeiter, vom Nachwuchs bis zur Kampfmannschaft, werden Anfang 2010 dorthin übersiedeln, jetzt haben wir endlich das Austria-Haus, von dem wir immer geträumt haben. Für die Entwicklung des gesamten Klubs ein ganz wichtiger Schritt. Ebenso werden die jetzigen Räumlichkeiten auf der Süd in eine VIP-Area umgebaut. Wir haben in den vergangenen Monaten in die Infrastruktur für die Mannschaften und die Fans investiert, nun sind unsere Sponsoren und VIPs an der Reihe. Wir werden damit das Platzangebot für sie vernünftig erweitern und so auch einen gesteigerten Komfort, wie in vielen andere Stadien auch, bieten können.“

 

Auch als Nicht-Austrianer muss man sagen, dass in den vergangenen 18 Monaten unzählige Projekte realisiert werden konnten.
„Das stimmt. Wir haben jetzt eine tolle Sportanlage, die natürlich auch sehr viel Geld gekostet hat. Alleine der Ausbau im Horr-Stadion hat über elf Millionen Euro gekostet, die Errichtung der Akademie ist mit weiteren acht Millionen budgetiert. Hier gilt es einmal mehr auch der Gemeinde Wien Danke zu sagen, die uns mit diesen Infrastruktur-Förderungen tatkräftig unterstützt hat. Freilich mussten wir aber auch selber einen sehr großen Anteil durch langfristige Finanziersmodelle sowie Sponsorleistungen einbringen.“

 

Bis sich derartige Investitionsvolumina amortisieren, wird es viele Jahre benötigen, aber der gestiegene Zuschauerschnitt gibt dennoch bereits jetzt recht, oder?
„Unser Konzept geht voll auf. Im UEFA-Cup hatten wir einen Schnitt von über 10.000 Besuchern, in der Meisterschaft liegen wir an der 9.000er-Grenze, das gab‘s bei der Austria im Horr-Stadion noch nie. Wir haben uns erhofft, dass das Publikum unsere Angebote annehmen wird und wurden für unsere Ideen und Konzepte bislang belohnt.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 9 22
2. FC Red Bull Salzburg 9 18
3. SK Rapid Wien 9 16
4. CASHPOINT SCR Altach 9 16
5. FK Austria Wien 9 13
6. SV Guntamatic Ried 9 11
7. RZ Pellets WAC 9 9
8. FC Admira Wacker Mödling 9 9
9. SKN St. Pölten 9 6
10. SV Mattersburg 9 5
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