28.08.2007, 00:00 Uhr

THOMAS PARITS IST NUN SEIT MEHR ALS EINEM JAHR GENERAL MANAGER BEI DER...

Thomas Parits ist nun seit mehr als einem Jahr General Manager bei der...

Thomas Parits ist nun seit mehr als einem Jahr General Manager bei der Wiener Austria. Im Interview spricht er über die einmalige Chance Europameisterschaft in Österreich, seine Rückkehr zur Wiener Austria, den Vergleich mit Austria-Legende Joschi Walter und seine kommenden Ziele. In der vergangenen Woche gewann die Österreichische Nationalmannschaft 3:2 gegen die Elfenbeinküste. Mit dabei auch sechs Austrianer, erfüllt Sie das mit Stolz? Zuerst einmal war es ein ganz wichtiger Erfolg für das Team, weil die gute Arbeit von Trainer Josef Hickersberger endlich belohnt wurde. Dieser Sieg könnte eine echte Trendumkehr gewesen sein. Für unsere sechs Spieler freue ich mich besonders. Es ist für sie eine Belohnung für starke Leistungen in der Meisterschaft. Auch wenn dadurch vielleicht die Belastung steigt und die Regenerationspausen kürzer werden. Es ist eine normale Entwicklung, wenn du, wie wir, an der Spitze stehst. In Wirklichkeit ist das auch für den Verein und den Trainer eine Bestätigung, dass gut gearbeitet wird. Die einberufenen Spieler, aber auch noch andere Kandidaten aus unserer Mannschaft, haben mit der Heim-Euro 2008 eine einmalige Plattform und Chance, die sie in dieser Art nie wieder bekommen werden. Deshalb gilt es für sie alle, sich besonders in Zeug zu werfen.    Was sagen Sie zur Leistung von Austria-Shooting-Star Franz Schiemer und seinem rasanten Aufstieg? Er hat seine Sache im Länderspiel gegen Superstar Didier Drogba sehr gut gemacht. Für ihn sind solche Spiele extrem wichtig, weil er sieht, dass auch Weltklassespieler nur mit Wasser kochen. Schiemer steht erst am Beginn seiner Karriere und es ist noch ein weiter Weg. Er muss sich in vielen Bereichen sicher noch verbessern, aber was die Sprungkraft und die Spielintelligenz angeht, gibt es in ganz Europa wenige so junge Innenverteidiger mit seinem Potential. Hinsichtlich der Nationalmannschaft darf er aber jetzt sicher nicht abheben. Mit Stranzl, Prödl, Hiden und ihm, gibt es nun vier Kandidaten für die zwei Positionen in der Innenverteidigung bei der EM. Jetzt gilt es für ihn daher zuerst einmal sich innerhalb des Nationalteams durchzusetzen, der Rest kommt von selber.   Sie sind jetzt bereits über 12 Monate bei der Austria und haben, so sagen auch viele Stimmen von außen, einiges bewirkt. Was ist Ihr Ziel für das nächste Jahr? Es ist uns sicher schon einiges gelungen, aber zu verbessern gibt es genug. Es war harte Arbeit und vielleicht auch etwas Glück, dass die sieben neuen Spieler, die wir im Sommer geholt haben, derart schnell ins Team integriert werden konnten. Dass die Kaderplanung schon sehr früh abgeschlossen war und wir darauf geachtet haben, dass die Neuen auch charakterlich zum Team passen, war ganz wichtig. Vorrangiges Ziel muss es nun sein, dass unsere Mannschaft noch näher zusammenwächst, sich stabilisiert und als Team reift. Die anstehenden Europacupspiele sind diesbezüglich für die Entwicklung der Truppe sicher enorm wertvoll. Was meine persönliche Arbeit angeht, so wird mir sicher nicht langweilig. Es laufen zu Saisonende beispielsweise wieder elf Spielerverträge aus, es gibt also mehr als genug zu tun.   Weil Sie das ansprechen: Wird die Austria nach derzeitigem Stand im Winter am Transfermarkt aktiv werden? Nein. Wir planen voraussichtlich keine neuen Spieler zu holen. Wir haben uns bereits zu Saisonbeginn sehr gut verstärkt. Ich sehe hier prinzipiell keinen Handlungsbedarf. Ausnahme ist natürlich, wenn sich plötzlich eine tolle Möglichkeit ergibt, aber so etwas ist nie voraussehbar.   Sie wurden in letzter Zeit von einigen Kollegen und Journalisten immer wieder mit der Austria-Legende Joschi Walter verglichen. Ist ihnen dieser Vergleich unangenehm, sehen Sie Parallelen und wie war Ihr persönliches Verhältnis zu ihm? Zuerst einmal möchte ich hier gleich festhalten, dass wir beide schon allein aufgrund unserer Position schwer zu vergleichen sind. Ich bin nur Leiter im sportlichen Bereich, Joschi Walter dagegen war die Austria. Der Vergleich ehrt mich zwar sehr, aber diese Krone ist mit eine Nummer zu groß. Ich persönlich hatte ein sehr sehr gutes Verhältnis zu Joschi Walter, würde uns sogar als echte Freunde bezeichnen. Er gab mir, mit gerade einmal 17 Jahren, von Siegendorf kommend, die Chance auf ein Leiberl bei der Wiener Austria. Auch als Trainer, in der Meistersaison 1985 hat er mich ganz am Beginn meiner Trainerkarriere gleich ins kalte Wasser geworfen. Wie ich mit Köln einmal im Trainingslager auf Mallorca war, hat er mich extra besucht und wenn ich von meinen Auslandsstationen nach Wien kam, war einer meiner ersten Wege zu ihm. Was uns vielleicht verbindet, ist, dass wir uns beide nicht scheuen und gescheut haben Verantwortung zu übernehmen und auch harte Entscheidungen zu treffen. Wir haben beide versucht, Kontinuität in den Klub zu bringen. Ich kann diese sehr ehrenden Vergleiche aber nur im Namen des Teams entgegen nehmen. Der derzeitige Erfolg ist ein Resultat der guten Arbeit des Trainerteams, der Spieler und jedes Einzelnen im Verein.    Ihr Führungsstil wird oft als sehr konsensorientiert, überlegt und besonnen wahrgenommen, täuscht das? Wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich das jedem direkt ins Gesicht, aber ich bin sicher nicht der, der immer auf den Tisch haut oder ausfällig wird. In meinem Alter hat man das auch nicht mehr nötig. Meine Philosophie ist es, nicht den falschen Stolz zu haben, um auch Verantwortung abzugeben. Ich hatte 21 Jahre lang eine Tankstelle. Wenn ich da immer alle Fäden in der Hand hätte haben wollen, wäre ich 24 Stunden am Tag dort gesessen. Man muss sich auf Leute verlassen können und ihnen auch Verantwortung übertragen. Damals auf der Tankstelle war das genauso wichtig wie heute hier im Verein.   Wenn Sie jetzt nach gut einem Jahr Resümee ziehen, würden Sie die Funktion des General Managers heute auch wieder annehmen? Auf jeden Fall! Die Austria ist für mich immer eine Herzensangelegenheit. Ich hatte hier eine tolle Zeit, war elf Jahre lang Spieler und drei Jahre lang Trainer. Ich habe dem Verein sehr viel zu verdanken und bin froh, jetzt etwas zurückgeben zu können. Wenn ich damals nicht das Gefühl gehabt hätte, wirklich helfen zu können, hätte ich diesen Posten auch nie angenommen. Finanziell war ich zu diesem Zeitpunkt schon abgesichert, das hat gar keine Rolle gespielt. Ich bin heute 61 Jahre und was wir hier stundenmäßig abspulen, möchte ich gar nicht wissen. Die Arbeit ist mitunter sehr anstrengend, aber ich liebe den Fußball und es macht mir Freude zu sehen, dass etwas weiter geht bei unserer Austria und das ist das Wichtigste.