15.10.2007, 00:00 Uhr

GERD WIMMER ZÄHLT MIT SEINEN 31 JAHREN GEMEINSAM MIT HARALD SUCHARD...

Gerd Wimmer zählt mit seinen 31 Jahren gemeinsam mit Harald Suchard...

Gerd Wimmer zählt mit seinen 31 Jahren gemeinsam mit Harald Suchard zu den Leithammeln bei den Austria Amateuren. Auf www.fk-austria.at erzählt der ehemalige Deutschland-Legionär über Grenzerfahrungen auf vergangenen Trainingslagern, spricht über den „Pogerl-Faktor“ und die nötige Einstellung, um im Fußballgeschäft zu leben. Das Aussterben der  Spezies der „Krätzen“ verfolgt der ehemalige Internationale mit Wehmut. Hoffnung macht ihm dafür der Austria-Weg der Zukunft, auf dem die Amateure in der Red-Zac-Liga für den Routinier eine wichtige Rolle spielen. Mit Deinen 31 Jahren hast du sicher schon etliche Trainingslager hinter Dir. Wieviele schätzt Du sind es ungefähr und was waren diesbezüglich deine härtesten Erfahrungen? Seit meinem Debüt mit sechzehn Jahren in der Kampfmannschaft der Admira unter Didi Constantini bin ich mittlerweile fünfzehn Jahre Fußballprofi. Es werden also mit Sicherheit über dreißig Trainingslager gewesen sein, die ich bisher mitgemacht habe. Meine anstrengenste Erfahrung war definitiv „Schleifer“ Felix Magath mit Eintracht Frankfurt. Bei diesem Trainingslager haben wir täglich drei Einheiten absolviert. Einmal ein Lauftraining um sieben Uhr, dann die zweite Einheit gegen zehn Uhr und einmal noch am Nachmittag gegen fünfzehn Uhr. Da gab es wirklich nur Schlafen, Essen, Training, Schlafen, du bist dann am Abend wirklich nur mehr ins Bett gefallen. Die Intensität war enorm. Machen solche extremen Belastungen noch Sinn? Bis zu einem gewissen Grad auf alle Fälle. Im Fall Magath waren wir alle sicher am Limit, aber bei einem Kader von 35 Spielern bist du gezwungen bis an deine Grenze zu gehen, weil der Konkurrenzkampf so enorm hoch ist. Wenn man hier Schwäche zeigt, hast du schon verloren. Außerdem ist es nicht schlecht zu sehen, was der eigene Körper im Stande ist zu leisten. Wird aber eine bestimmte Grenze überschritten, dann macht es keinen Sinn mehr. Spieler können auch übertrainiert werden, was sogar ins Negative umschlagen kann. Ich vergleiche das gerne mit einem Glas Wasser. Man kann nur soviel einfüllen, wie hineingeht, alles andere geht über. Genau so verhält es sich bei einem Spieler. Irgendwann bringt es nichts mehr noch weiter zu trainierten, weil die Aufnahmefähigkeit am Ende ist. Was kannst Du uns diesbezüglich über das aktuelle Trainingslager der Austria Amateure in Belek berichten? Eigentlich nur gutes. Die Dosis stimmt, soviel kann ich nach den vielen Jahren sehr gut beurteilen. Die Organisation ist optimal, wir spielen viel mit dem Ball und dadurch fallen einem auch die Belastungen weniger auf, als wenn nur Kondition geschunden wird. Die Trainer haben sich einiges überlegt. Welche Figur machen die vielen jungen Spieler in der Türkei Deiner Meinung nach? Sie schlagen sich sehr gut und sind mit viel Einsatz bei der Sache. Ich muss überhaupt sagen, dass fast allesamt sehr ehrliche und g'rade Spieler sind und wenn sie dann, wie das der Fall ist, auch noch gut Fußball spielen können, ist das schon eine sehr gute Mischung. Wir haben in der Mannschaft eine gute Harmonie und Hierarchie, die wirklich funktioniert und das sind entscheidende Gründe dafür, dass wir eine sehr starke Herbstsaison abgeliefert haben. Wie entwickelt sich eine solche Hierarchie innerhalb einer Mannschaft? Die Hierarchie geht ganz klar nach Leistung. Sicher spielt bei mir auch etwas mit, dass ich schon ein erfahrener Spieler bin, der in seiner Karriere einiges geleistet hat, aber in Wirklichkeit tut das wenig zur Sache. Es wäre unglaubwürdig, wenn ich rede und anschaffe und gleichzeitig meine Leistung nicht in Ordnung wäre. Dass würde nicht zusammenpassen. Junge Spieler kommen zu einer Mannschaft und müssen sich ihren Respekt durch Leistung erarbeiten, bei manchen geht das sehr schnell, bei anderen dauert es etwas. In der Hand hat es jeder selber. Mann muss sich in der Mannschaft einordnen. In Deutschland unter Magath war ich zuerst auch nur irgendein Ösi, in Rostock mit dem jetzigen Stuttgart-Coach Armin Fee war es genauso. Wer Leistung bringt, wird aktzeptiert. Das Erfolgsprinzip im Fußball ist denkbar einfach. Wenn die Einstellung nicht passt, geht ein Wimmer dann auch einmal her und spricht Klartext? Bis zu einem gewissen Grad ja. Ich bin ein sehr geradliniger Mensch. Wenn ich sehe, dass einer nicht mitzieht, dann gibt es ein Vieraugengespräch. Hat er es dann noch immer nicht verstanden und spurt nicht, wird er auf der Strecke bleiben Punkt, Aus. Fußball ist ein beinhartes Geschäft und im Vergleich zum echten Profifußball sind die Amateure noch wie ein Kindergeburtstag. Man muss nur die Kampfmannschaft der Austria ansehen. Dort findet man etliche gestandene Familienväter, die viel Verantwortung gegenüber anderen tragen. Bei uns ist das Großteils nicht der Fall. Es ist ein echtes Privileg mit Fußball seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Man kann schon in Jungen Jahren gutes und verhältnismäßiges viel Geld verdienen und einen Grundstock für sein späteres Leben schaffen. Wer das nicht verstehen will, dem kann ich auch nicht helfen. Auf einen Spieler, der es schafft, kommen Minimum drei, die scheitern, obwohl sie vielleicht mehr Talent gehabt hätten. Ich habe das hundertfach erlebt. Einstellung und Disziplin sind im Fußball alles. Wer ist für Dich diesbezüglich ein gutes Beispiel? Emanuel Pogatetz ist ein interessantes Beispiel. Vielleicht gibt es talentierte Spieler als ihn, aber warum spielt er Woche für Woche in der Premier League und war zeitweise sogar schon Kapitän bei Middlesbrough? Dass kommt nicht von ungefähr, sondern liegt allein daran, dass er ein unglaublich harter Arbeiter ist.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 11 25
2. FC Red Bull Salzburg 11 24
3. SK Rapid Wien 11 19
4. FK Austria Wien 11 18
5. FC Flyeralarm Admira 11 17
6. LASK 11 13
7. CASHPOINT SCR Altach 11 13
8. RZ Pellets WAC 11 12
9. SV Mattersburg 11 7
10. SKN St. Pölten 11 2
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