19.05.2006, 00:00 Uhr

SECHS TAGE MIT DER AUSTRIA IM TRAININGSLAGER IN MARBELLA – AUCH...

Sechs Tage mit der Austria im Trainingslager in Marbella – auch...

Sechs Tage mit der Austria im Trainingslager in Marbella – auch für einen Journalisten eine neue Situation. Praktisch rund um die Uhr mit Betreuern, Spielern, Manager, etc. zusammen zu sein – das ergibt doch ganz andere Perspektiven, ermöglicht „tiefe“ Einblicke in das Innere des Klubs. Peter Klöbl von der Kronen Zeitung (ganz links im Bild im Gespräch mit Markus Kiesenebner, Ernst Dospel und Teambetreuer Markus Schaffer) schildert hier seine ganz persönlichen Eindrücke und erzählt lustige Anekdoten aus Spanien. Los geht’s! Normalerweise beschränkt sich ja die Zusammenarbeit auf Recherchieren, Fragen stellen, Fragen beantworten, Zeit, jemanden näher kennen zu lernen, bleibt in unserem Beruf nur wenig. Das ist alles in einem Trainingslager anders: Da kann man sich mal in Ruhe auf einen Kaffee zusammensetzen, sich alle Trainingseinheiten ansehen und ein gutes Bild von der Form jedes einzelnen machen. Doch nun genug der theoretischen Dinge – die Austria-Fans wollen sicher mehr wissen, was in so einem Trainingslager so alles abläuft. Die Überraschung ist schon groß, wenn man auf dem Weg zum Frühstück ist. Blickt man nämlich zur Hotelbar, sitzen dort alle Austrianer vereint versammelt – keine Sorge, es ist kein „Morgen-Muntermacher“, den die Spieler da zu sich nehmen, es ist viel mehr das tägliche gemeinsame „Morgengebet“. Heißt im Detail, dass Trainer Frenkie Schinkels stets in der Früh das Gespräch mit der Mannschaft sucht, sie stets darauf einzustimmen versucht, welch große Ziele im Frühjahr auf Violett warten. Meistertitel, Cupsieg – diese zwei magischen Wörter geistern fast ständig durch das noble „Westin La Quinta“. Das ist das, was alle wollen, das ist das, wofür alle alles geben wollen. Also wird dann täglich auf dem Trainingsplatz ordentlich geschwitzt. Taktik, Einzeltraining, Standardsituationen – es gibt nichts, was Schinkels, Co-Trainer Tommy Janeschitz und Kondi-Trainer Gerhard Zallinger auslassen. Da wirbeln die Spieler durch die Slalomstangen, werden Sprinttests gemacht, Freistöße und Eckbälle geübt. Und nebenan trimmt Tormann-Trainer Franz Gruber die beiden Goalies Szabolcs Safar und Jakub Jakubov – die beiden kommen besonders dran, da Joey Didulica krankheitsbedingt aussetzen muss. Gruber ist in seinem Element: Schüsse, Schüsse, Schüsse – bedeutet für die Goalies: Fliegen, fliegen, fliegen… Ganz schön anstrengend, doch wenn dann das klubinterne „Fußballtennis-Turnier“ ansteht, sind alle putzmunter. Zwei gegen zwei auf einem Volleyballfeld, da kommt bei allen der Ehrgeiz durch. Nicht nur die Spieler, alle müssen ran. Auch Pressesprecher Christoph Pflug (der sich zwar bald leicht verletzte, mit dem „Fallrückzieher des Jahres“ aber für Furore sorgte) oder Masseur Christian Hold. Wie es sich für einen Masseur gehört, war für ihn die Vorbereitung das Wichtigste: Er massierte sich selbst, machte sich so fit für sein „Duell des Jahres“. Und siehe da, mit Partner Sigurd Rushfeldt gewann er sogar seine Auftaktpartie gegen Fernando Troyansky und Sasa Papac. Derzeit ist noch alles offen, Christoph Pflug wird aber sicher noch einen Bericht über die großen Sieger machen… Man sieht schon: Bei Violett rinnt der Schweiß, läuft aber auch der Schmäh! Mittagspause – Zeit für ein kurzes „Sonnenbad“, bevor der Bus wieder Richtung Trainingsplatz fährt. Entweder steht ein Testspiel auf dem Programm, oder es wird erneut geschuftet. Nach getaner Arbeit gibt’s natürlich wieder – Fußball-Tennis… Sie fragen sich, ob die Herren auch einmal frei haben? Ja. Freitag Abend war Ausgang, der Samstag Nachmittag stand eben-falls zur freien Verfügung. Da hat man dann auch als Journalist Zeit für das eine oder andere Pläuschchen mit den Spielern oder Betreuern. Roland Linz kommt einem im Bademantel entgegen („ich gehe in die Sauna, ein bisschen schwimmen“), ich entgegne ihm: „Klar, dass du schwimmen gehst – deine neue Freundin ist ja in diesem Element zuhause…“ Die Legionäre sieht man dafür alle wieder mit einem dicken Stapel Zeitungen unter dem Arm. Didier Dheedene besorgte sich belgische Gazetten, Mikael Antonsson ist froh, eine schwedische Zeitung ergattert zu haben. Wissbegierig lesen sie die Nachrichten aus der Heimat, klären mich dann auf. Auf meine Frage, was denn über Dheedenes Glatze zu lesen weiß, folgt nur ein lautes Lachen… Viele nehmen sich am freien Nachmittag auch Zeit, um den Millionärshafen Puerto Banus zu besichtigen. Markus Kiesenebner und Ernst Dospel, zwei große „Auto-Freaks“, setzen sich in einer Cafeteria ganz vorne hin. „Erste Reihe fußfrei“ wollen sie geniessen, wie die Ferraris, Lamborghinis, etc. bei ihnen vorbeirauschen – um dann fachzusimpeln: „War das ein Turbo oder nicht? Wieviele PS hat der wohl gehabt?“ Der „Kiese“ und der „Ernstl“ können sich von den Boliden gar nicht mehr trennen – da ist alle Müdigkeit vergessen. Auch Schinkels begibt sich im modischen Outfit (rosa Pullover, sieht cool aus) auf die „Flaniermeile“, ist erstaunt, als er plötzlich einen Mann entdeckt, der eine Austria-Trainingsjacke trägt, Ist das nicht eine der Jacken, die einige Tage zuvor auf dem 200 (!) Meter langen Weg von der Kabine zur Wäscherei „verschwunden“ ist? Jetzt hat er sie gefunden… Punkt 23.30 Uhr ist dann wieder Zapfenstreich, Kontrollen sind bei den Profis nicht notwendig – wäre einer später nach Hause gekommen, wäre man ihm spätestens am nächsten Tag beim harten Morgentraining ohnehin auf die Schliche gekommen. Aber das ist bei Austria in Marbella kein Thema. Man sieht jede Sekunde: Hier ist eine Truppe am Werk, die sich fürs Frühjahr große Ziele gesetzt hat, die ihren Fans Meistertitel und Cupsieg schenken will. Von A wie Antonsson bis V wie Vachousek – jeder gibt Vollgas. Schön zu sehen, dass dabei aber der Spaß nicht zu kurz kommt. Die Basis für ein erfolgreiches Frühjahr, so konnte man sich als Journalist vor Ort überzeugen, ist in Marbella jedenfalls gelegt worden!