12.10.2005, 00:00 Uhr

STÖGER: "AUSTRIA WAR SCHON IMMER EIN RAUNZER-VEREIN"

Stöger: "Austria war schon immer ein Raunzer-Verein"

Mit den heutigen WM-Qualifikationsspielen geht die zehntägige Länderspielpause für alle Kicker des FK Austria MAGNA endlich dem Ende zu. Am Sonntag geht es gleich in Ried zur Sache. Was Sportmanager Peter Stöger über den Gegner denkt, warum die Austria ein Raunzer-Verein ist und mit welchen Problemen der neue Teamchef zu rechnen hat, verriet er www.fk-austria.at im Interview.Peter, wie habt ihr die Länderspiel-Pause genützt?Wir waren aufgrund der Teamspieler und Verletzten oft nur zehn oder elf Mann, deswegen haben wir einige Einheiten wieder mit den Amateuren gemeinsam absolviert, das Zusammenghörigkeitsgefühl damit weiter gestärkt. Dazu haben wir einen sehr positiven PR-Auftritt bei unserem Spiel in Ternitz gemacht, der uns viel Lob von allen Seiten einbrachte und bei dem etwasGeld für die Behinderten-Werkstätte gesammelt werden konnte. Viel im taktischen Bereich konnte allerdings nicht gearbeitet werden.Dass solche Phasen nicht optimal sind, ist klar. Aber so geht es jedem großen Verein, der viele Teamspieler hat. Dafür haben wir jetzt zwei Kroaten, zwei Polen fix bei der WM und einige können noch über die Relegation dorthin kommen. Das bestätigt, dass wir einen sehr guten Kader haben.Sind für Ried bis auf die vier Langzeitverletzten alle fit?Troyansky fällt noch einige Zeit aus, dafür ist Schiemer wieder zurück. Am Freitag werden Netzter und Dos Santos mit den Amateuren beim Spitzenspiel in Altach sein. Netzer kommt von dort, Dos Santos hat in Lustenau gespielt - für beide ist es ein Topspiel.Sehen wir Christian Schragner wieder gegen die Rieder?Gegen Mattersburg hat er genau reingepaßt. Lasnik war verletzt und wir haben entschieden, dass er besser als Gegenspieler zu Mörz passt als Mila. Er hat seine Aufgabe gut erledigt.Gegen Mattersburg wurden zusätzlich Metz, Parapatits und Sebo eingewechselt - die Jugend drückt an.Unser Ziel ist es, den Altersschnitt zu senken und mittelfristig den Österreicher-Anteil zu erhöhen. Schragner und Parapatits sind Zeichen, dass wir diesen Weg gehen möchten. Ich kann mich im übrigen nicht erinnern, dass es irgendwann zu Saisonbeginn in den letzten Jahren so viele junge Spieler im Kader der Austria gegeben hat.Wie schätzt du unseren nächsten Gegner Ried ein?Eine sehr gute Mannschaft, die von überall etwas hat. Laufstark, technisch gut, mit Kuljic einen sehr guten Stürmer und mit Seo einen sehr guten Außenbahnspieler - sie sind schwer auszurechnen.Wenn du die Austria mit den Konkurrenten vergleichst, wo liegen die Vor- und Nachteile?Ich sehe es zwar nicht als Nachteil, aber wir wollen den Einbau der Jungen forcieren und müssen trotzdem unser Ziel Meisterschaft erreichen. Das ist bei Salzburg nicht der Fall. Aber Rapid musste vor drei Jahren so handeln und hatte jetzt den Vorteil, dass sie ein junges, eingespieltes Team waren. Ein großer Vorteil ist die Qualität unseres Kaders.Du warst 8 Jahre als Spieler bei Austria, arbeitest jetzt schon wieder fast zwei Jahre als Amateur-Chef bzw. Sportmanager. Was ist das Besondere an unserem Klub?Als Spieler wurde schon zu meiner Zeit immer der technische und offensive Stil gepflegt. Das hat mir immer schon gefallen, deswegen war ich von Anfang auch ein Austria-Fan. Wir wollen das wieder reinbringen. Dass es immer schwieriger wegen des höheren Tempos wird, versteht sich von selbst. Was an Austria auch ganz speziell ist - es war immer schon ein Raunzer-Verein.Wie meinst du das?Egal, wie man spielt, es wird immer um eine Nuance unter dem gesehen, wie es ist. Spielt Austria sehr gut, dann sagt man: `War nicht schlecht.' Spielt Austria schlecht, dann heisst es, dass wir unterirdisch und katastrophal waren. Viele sind immer unzufrieden, es reicht nicht einmal, wenn man Tabellenführer ist, man verlangt nur perfekte Kombinationen und Fallrückzieher-Tore. Genau so war es aber auch schon zu meiner aktiven Zeit Anfang der 90er, wo wir zehn Titel in sechs Jahren geholt haben. Und bei den Trainern war es nicht anders. Ich hatte mit Starek, Hof, Prohaska, Stessl und Hickersberger fünf verschiedene Trainer in sechs Jahren.Ist der Druck bei Austria größer als sonstwo in der Bundesliga?Schon als Spieler wollte ich jede Woche gewinnen, Druck mache ich mir selber genug. Ich will auch jetzt jede Partie gewinnen und dabei schöne Spielzüge sehen.Bist du als Trainer eher der Kumpeltyp, oder muss man schon auf Distanz gehen?Für mich war als Spieler schon immer der menschliche Umgang sehr wichtig. Ich bin eher antiautoritär, aber konsequent, und das läßt sich ganz gut vereinen.Sollte Hickersberger Teamchef werden, was kann er bewegen?Das Team ist eine eigene Geschichte, weil man extrem von den Klubs abhängig ist. Jemand, der im Team Fixstarter ist, muss nicht zwingend Stammspieler beim Klub sein. Mit dem Bosman-Urteil sind viele Ausländer gekommen und somit hat sich die Situation für den Teamchef drastisch verschlechtert. Für jeden Nationalcoach ist es dieselbe Situation, egal ob die Kandidaten Hickersberger, Schachner oder Krankl heißen oder waren. Jeder hat seine Art, eine Mannschaft zu führen, aber es kommt auf die Menge der qualitativ guten Spieler an und da ist es in Österreich nicht gerade leicht.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 26 56
2. CASHPOINT SCR Altach 26 49
3. FK Austria Wien 26 47
4. SK Puntigamer Sturm Graz 26 45
5. FC Flyeralarm Admira 26 33
6. RZ Pellets WAC 26 32
7. SK Rapid Wien 26 30
8. SKN St. Pölten 26 27
9. SV Mattersburg 26 24
10. SV Guntamatic Ried 26 23
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