31.10.2005, 00:00 Uhr

PETER STÖGER: GUTE SPIELER STEHEN SOFORT WIEDER AUF

Peter Stöger: Gute Spieler stehen sofort wieder auf

Das Meisterschaftsspiel gegen Wacker Tirol hat Diskussionen in alle Richtungen losgetreten. Plötzlich tauchen Trainernamen auf, ohne dass jemals einer der Verantwortlichen beim FK Austria MAGNA damit konfrontiert wurde. Und es gibt Unmutsäußerungen der Fans, die für den schnellen Erfolg alles opfern möchten, was bislang aufgebaut wurde. Wie Sportmanager Peter Stöger darüber denkt und was man aus der jetzigen Situation mitnehmen muss, verriet er www.fk-austria.at.Peter, eines gleich vorweg: Wird es heute beim Training Gespräche mit der Mannschaft geben?Auf alle Fälle, aber nicht nur heute, auch in den kommenden Tagen. Wir werden dabei auch den Spielern in Videos vorführen, was zurzeit nicht passt.Und das wäre aus deiner Sicht?Bis auf ein paar Highlights gibt es im Offensivspiel nicht viel. Wenigstens die Defensive funktioniert, aber das ist zu wenig.Soll dabei kurzfristige oder längerfristige Verbesserung herbei geführt werden?Jetzt geht es nur um Kurzfristigkeit, denn nach dem Spiel am Sonntag in Pasching sind zwei Wochen Pause. Demnach müssen wir versuchen, in diesen Tagen einiges auf die Reihe zu bekommen.Du hast bei deinem Antritt im Mai den Spielern wieder den Spaß gelehrt. Wo ist der Spaßfaktor jetzt?Das frage ich mich auch. Wir propagieren vor jedem Training, dass unser Beruf mit der richtigen Einstellung beginnt und, dass man man Fußball als Spiel sehen muss, denn ist ist immer noch ein Spiel. Wenn man keinen Spaß bei der Arbeit hat, ist irgendetwas falsch. Wir müssen uns hinterfragen, aber auch die Mannschaft muss das tun.Wir haben genug Routiniers, die auch Teamspieler sind, warum kommt so wenig Gegenwehr von ihnen?Das ist schwierig zu sagen, aber sicher ist, dass wir zu wenige haben, die sich auf die Füße stellen und Verantwortung übernehmen. Wenn man Rückschläge erleidet, erkennt man die sehr guten Spieler daran, dass sie sofort wieder aufstehen und etwas Außergewöhnliches machen. Das fehlt bei uns jetzt.Ist das Leben ungerecht, wenn immer erst über den Trainer diskutiert wird, bevor man sich über Spieler seine Gedanken macht?Nein, es ist nicht ungerecht, aber das hat sich in den letzten Jahren so entwickelt. Ich war als Spieler oft sehr in der Kritik. Auch ein Kühbauer, Herzog oder Ogris. Das hat sich massiv geändert.Spürst du noch das bedingungslose Füreinander im Team?Ich habe als Trainer nicht den Eindruck, dass sich gewisse Gruppen nicht mögen, orte keine negativen Strömungen. Vielleicht ist alles auch zu harmonisch. Ich kann ihnen nicht absprechen, dass sie bei Ballverlusten schnell nach hinten laufen. Allerdings vermisse ich das Besondere in der Arbeit nach vorne.Bist du verärgert, wenn in Salzburg zu Saisonbeginn niemand über die schlechten Ergebnisse herzieht, aber bei uns gleich alle täglich neue Trainerkandidaten aus dem Hut zaubern? Nein, ich weiß, wie es hier ist und in den letzten 20 Jahren war. Einmal schreien alle lauter, einmal leiser, einmal schreien Teile der Fans, dann Teile der Medien oder des Vorstands. Das ist Austria. In den letzten Jahren waren völlig unterschiedliche Trainer mit unterschiedlichen Qualifikationen. Das Unwort Kontinuität wollen in Wahrheit die wenigsten hier. Auch wenn es nicht läuft, muss man über diese Phase drüber, sonst wird auch die Philosophie mit der Akademie und den Amateuren scheitern. Und dafür kostet das alles zu viel Geld.Du hast noch am Samstag Abend mit Frank Stronach telefoniert, wie ist seine Laune?Markus Kraetschmer und ich haben ihn darüber informiert, dass es nicht positiv läuft, wir haben nichts schön gesprochen, auch von der negativen Stimmung erzählt. Wir haben aber keine Info von ihm bekommen, dass jetzt Handlungen in eine Richtung gesetzt werden.Wie gehst du mit dem Druck der Öffentlichkeit um?Ich finde es schade, dass wir uns in so einer Situation befinden, weil wir etwas für den Verein machen möchten. Ich will, dass man sich mit den Gesichtern wieder identifizieren kann und auch in vier Jahren noch weiß, wer bei Austria gespielt hat. Ich verstehe den Unmut der Fans. Wir engagieren uns sehr, dass etwas weitergeht, auch wenn man es leider nicht sieht. Wir hatten von Anfang an keine Lobby. Obwohl wir Cupsieger geworden sind, hat das niemanden interssiert.Wie kann man dem allen entgegensteueren?Die Fans werden weiterhin ihren Unmut äußern, das kann ich nachvollziehen. Wir müssen trotzdem an den Verein denken und positiv bleiben. Zudem sind wir immer noch in einer Situation, wo wir gleich wieder Erster sein können. Wenn die Fans weiterhin gegen uns sind, müssen sie wenigstens zweigleisig fahren und die Mannschaft anfeuern.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 19 44
2. FC Red Bull Salzburg 19 42
3. SK Rapid Wien 19 31
4. FC Flyeralarm Admira 19 28
5. LASK 19 26
6. CASHPOINT SCR Altach 19 25
7. FK Austria Wien 19 23
8. SV Mattersburg 19 18
9. RZ Pellets WAC 19 16
10. SKN St. Pölten 19 7
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