04.04.2005, 00:00 Uhr

PARMA IM PORTRÄT: KLUB MIT GROßER VERGANGENHEIT

Parma im Porträt: Klub mit großer Vergangenheit

Es war am 13. Mai 1999. In Moskau wurde an diesem Tag das UEFA-Cup-Finale der Spielzeit 1998/99 ausgetragen und im Endspiel trafen der französische Spitzenclub Olympique Marseille und der italienische Vertreter AC Parma aufeinander, der bereits vier Jahre zuvor diesen Bewerb gewinnen konnte. Die Mannschaft aus der Emilia-Romagna behielt am Ende mit 3:0 die Oberhand, weshalb der AC Parma seinen Briefbogen um einen Titel erweitern musste. Die Mannschaftsaufstellung von damals liest sich auch heute noch wie das "Who is who" des internationalen Fußballs. Namen wie Gianluigi Buffon, Liliam Thuram, Fabio Cannavaro, Dino Baggio, Juan Sebastian Veron, Hernan Crespo oder Enrico Chiesa kennt fast jeder Fußballfan. Und selbst das damalige Bankpersonal konnte sich durchaus sehen lassen. Mit Abel Baldo, Stefano Fiore und Faustino Asprilla wurden seinerzeit drei aktuelle Nationalspieler aus Argentinien, Italien und Kolumbien eingewechselt. Der AC Parma hatte innerhalb von nur wenigen Jahren einen imposanten Aufstieg erlebt. Coach Nevio Scala gelang 1990 mit Parma der Aufstieg in die Serie A und fortan wurde eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die im Jahr 2004 abrupt ein Ende fand. Nach der Zahlungsunfähigkeit des Hauptsponsors Parmalat konnte der Club, durch ein vom italienischen Industrieminister Antonio Marzano eingebrachtes Gesetz aus der Konkursmasse herausgehoben, neu gegründet und somit vor dem totalen K.O. gerettet werden. Seither heißt der Verein nicht mehr AC, sondern FC Parma und lebt vor allem noch von der glorreichen Vergangenheit. Daran kann auch das Duell im UEFA-Cup-Viertelfinale (http://www.fk-austria.at/tb.action?dir=1488) gegen die Austria nichts ändern. Das Hinspiel am Donnerstag ist für den FC die Kür einer bislang ganz schweren Saison. Die Pflicht heißt Klassenerhalt in der Serie A für das Team von Coach Pietro Carmignani. Seit der 59-Jährige Mitte Dezember des vorigen Jahres das Kommando bei dem Club, mit dem er einst schon den Gewinn des italienischen Pokals feiern konnte, übernahm, ist eine deutliche Leistungssteigerung zur Zeit seines Vorgängers Silvio Baldini auszumachen. So glückte zum Beispiel unter dem alten, neuen Coach immerhin der Einzug ins Viertelfinale, in der Gruppe B wurden die Italiner hinter Athletic Bilbao und Steaua Bukarest gerade noch Dritter und kamen so noch eine Runde weiter. Große Namen in der Vergangenheit Die ganz großen Namen früherer Tage wird man dann zwar bei den Italienern nicht mehr finden können, doch über Qualität verfügt auch das aktuelle Team. Vor allem Sturmführer Alberto Gilardino scheint auf dem Weg zu sein, das Niveau der einstigen Topstars erreichen zu können. Und von diesen gab es in Parma mehr als genug. Ob Bremens Mittelfeldregisseur Johan Micoud, Japans Nationalheld Hidetoshi Nakata, der Ex-Dortmunder Marcio Amoroso, Lazios Abwehr-Haudegen Fernando Couto, der ehemalige Chelsea-Angreifer Adrian Mutu oder der bulgarische Exzentriker Hristo Stoichkov, mittlerweile Nationaltrainer seines Heimatlandes, sie alle kickten schon einmal für Parma. Und auch auf der Trainerbank war schon das ein oder andere prominente Gesicht auszumachen. Angefangen bei Nevio Scala über den heutigen Chefcoach des AC Milan, Carlo Ancelotti, bis hin zu Alberto Malesani, der für den letzten großen internationalen Triumph 1999 im UEFA-Cup sorgte. Dass dieser Coup im aktuellen Wettbewerb noch einmal wiederholt werden könnte, daran glaubt in Parma derzeit wohl niemand. Coach Pietro Carmignani wäre wohl schon froh, wenn sein zweites Engagement in der Schinkenstadt so enden würde, wie einst sein erstes. In der Spielzeit 2000/01 stand der damalige AC Parma in der Winterpause ebenfalls auf einem Abstiegsrang und Carmignani führte den dreimaligen italienischen Pokalsieger in der zweiten Saisonhälfte noch auf Rang zehn. Um einen ähnlichen positiven Gang in die Tat umsetzen zu können, muss der alte, neue Stratege an der Seitenlinie vor allem darauf hoffen, dass seine Leistungsträger wieder die Kurve bekommen. Zuvorderst ist hier Torjäger Alberto Gilardino zu nennen. Der 22-jährige Angreifer traf in der laufenden Saison zwar in der Liga bereits 16 Mal und war mit seinen Toren so etwas wie die Überlebensgarantie für den FC, doch für die Annahme, dass sich Italiens Topsturmtalent in der zweiten Saisonhälfte noch weiter steigern wird, gibt es berechtigte Hoffnungen. Dauerbelastung für Stürmerstar Alberto Gilardino Sein Zwischentief im Herbst lässt sich wohl vor allem dadurch erklären, dass Gilardino im Sommer praktisch ohne Pause durchgespielt hat. Zunächst stürmte er mit der italienischen U21 bei der Junioren-EM in Deutschland bis ins Endspiel und steuerte beim 3:0-Erfolg gegen Serbien & Montenegro einen Treffer zum Finalsieg bei. Eine Teilnahme bei der EM in Portugal kurz danach war zunächst ebenso angedacht, doch der damalige Coach der Squadra Azzurra, Giovanni Trapattoni, verzichtete letztlich aufgrund der großen Stürmerauswahl auf seinen Nachwuchsmann und berief stattdessen die erfahrenen Kräften Francesco Totti, Antonio Cassano, Christian Vieri und Alessandro del Piero in den Kader für die Kontinentalmeisterschaft. Einem Dauereinsatz von Alberto Gilardino konnte dies freilich keinen Abbruch tun, denn nach der Junioren-EM, bei der mit Daniele Bonera, Paolo Cannavaro, Cesare Bovo, Alessandro Rosina und Alessandro Potenza zudem noch fünf weitere Akteure des aktuellen FC-Kaders im Einsatz waren, folgte im August die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen. Auch hier war der italienische Nachwuchs mit Gilardino an der Spitze lange mit dabei. Erst im Halbfinale zog man gegen den späteren Turniersieger Argentinien den Kürzeren, was letztlich dazu führte, dass der FC Parma die Vorbereitung auf die neue Saison ohne den 22jährigen bestreiten musste. Der Brasilianer Simplicio führt Regie Taktisch spielt der FC Parma meist mit einer offensiv ausgerichteten 4-4-2-Formation, gelegentlich auch mit einem 4-3-3. Im Tor steht mit Sebastién Frey (Bild) ein absoluter Klassemann, der im Europacup aber öfters geschont wird. Vor Frey spielt eine Viererabwehrkette, deren Innenverteidigung in der Regel Daniele Bonera und Cesare Bovo bilden. Um die Position des rechten Verteidigers kämpfen Paolo Cannavaro und Winterneuzugang Stefano Bettarini, der von Sampdoria Genua kam und freilich auch auf der linken Seite verteidigen könnte, wo im Normalfall aber Matteo Contini spielt. Alternativen für die Außenverteidigerpositionen sind Damiano Ferronetti und Alessandro Potenza, fürs Deckungszentrum kämen Paolo Cannavaro oder Giuseppe Cardone in Frage. Im Mittelfeld ist der von Haus aus eher offensiv ausgerichtete Brasilianer Fabio Enrico Simplicio auf der Position des Staubsaugers im zentralen Mittelfeld gesetzt, weil der Dreh und Angelpunkt des Spieles. Auf den beiden Halbpositionen wird Simplicio im Normalfall durch Marco Marchionni und Vincenzo Grella unterstützt. Für den Spielaufbau ist Ex-Inter-Profi Domenico Morfeo zuständig, während Alberto Gilardino und der im Winter aus Modena nachverpflichtete Fabio Vignaroli den Angriff bilden könnten. Denkbar ist auch, dass Vignaroli nur auf der Bank sitzt und stattdessen der Australier Mark Bresciano neben Morfeo im offensiven Mittelfeld spielt, womit zusammen mit Solospitze Gilardino eine Dreierangriffsreihe gebildet wäre.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 20 42
2. FC Red Bull Salzburg 20 40
3. SK Puntigamer Sturm Graz 20 39
4. FK Austria Wien 20 37
5. SK Rapid Wien 20 27
6. FC Admira Wacker Mödling 20 23
7. RZ Pellets WAC 20 22
8. SV Guntamatic Ried 20 20
9. SKN St. Pölten 20 18
10. SV Mattersburg 20 14
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