08.08.2005, 00:00 Uhr

MANAGER MARKUS KRAETSCHMER IM INTERVIEW / TEIL 2

Manager Markus Kraetschmer im Interview / TEIL 2

Wie zufrieden sind Sie mit den Amateuren?Sie verdienen großes Lob. Ein derart sensationeller Start, das hätten wir bei aller Zuversicht nicht erwartet. Was ich mir für die Burschen allerdings wünsche, wären noch mehr Zuseher im Horr-Stadion. Ich möchte mich aber auch ausdrücklich bei allen bedanken, die uns jetzt schon so treu und lautstark unterstützen. Ich denke, die Zuseher die kommen, erleben technisch hervorragenden Fußball, attraktive und erfolgreiche Spiele. Mit unserem Kombiangebot für Abonnenten haben wir ein sehr faires Angebot gemacht und ich hoffe die Kulisse wird noch besser.Oft hört man Kritik, dass zu wenig Akademiker eingesetzt werden, ist das nachvollziehbar?Die Austria konnte bereits zweimal den Benjamin der Runde stellen und hat insgesamt acht Spieler aus der Akademie eingesetzt. Dazu einige andere junge Spieler aus unserem Nachwuchs. Für die Jungen ist es wichtig Führungsspieler neben sich zu haben. Roman Mählich und die anderen Routiniers leben dies auch konsequent vor. Sie ermöglichen, dass junge Kicker herangeführt werden. Wir sehen diese Kritik sehr gelassen, denn wir gehen einen guten Weg.Die UEFA hat eine Initiative umgesetzt, in der besonders die Ausbildung im Vordergrund steht. Wie sehen Sie diese Richtlinie aus Sicht der Austria?Wie gesagt, haben wir bereits etliche Akademiespieler im Kader und können besonders stolz auf die Amateure sein. Sie haben den höchsten Österreicheranteil und den niedrigsten Altersschnitt in der Red-Zac-Liga. Diese Regelung entspricht genau unseren Vorstellungen, junge Spieler über die Akademie und die Zwischenstation Amateure mittelfristig in die Kampfmannschaft zu integrieren. Wir müssen natürlich aufpassen, dass sich dies nicht zu einer geschützten Werkstätte entwickelt, sondern die Burschen wirklich ständig gefordert werden. Bei unseren äußerst kompetenten Betreuern sehe ich das aber in guten Händen.Beide Teams spielen jetzt im Horr-Stadion, welcher Aufwand ist damit verbunden?Gerade zu Beginn waren wir da sehr unter Druck, es ist einfach ein enormer Aufwand, der bei der Betreuung zweier Profiteams entsteht. Die Amateure reisen jetzt nach Altach und nicht in die nähere Umgebung Wiens, das ist nur eine von etlichen Umstellungen. Wir haben das aber binnen kürzester Zeit durch großen Einsatz all unserer Mitarbeiter in den Griff bekommen. Diesen Herausforderungen stellen wir uns gerne, und wo ein Wille, da ist auch ein Weg.Durch TV-Übertragungen stehen die Amateure jetzt im Mittelpunkt des Interesses. Sie haben sich kürzlich zu den Sendungsbeginnzeiten zu Wort gemeldet?Es gibt eine vertragliche Vereinbarung, dass eine fünfundzwanzigminütige Sendung über die Spiele der Red-Zac-Liga um 23 Uhr auf ATV+ ausgestrahlt werden muss. Dies ist leider im Moment nicht der Fall, aber da möchten wir, vor allem auch als aktueller Tabellenführer, im Namen der Vereine erreichen, dass eine attraktive Sendezeit gewährleistet wird. Wir arbeiten Inhaltlich mit ATV+ sehr gut zusammen und die Sendung entspricht unseren Vorstellungen. Verträge gilt es aber einzuhalten, wir erbringen ja auch die vereinbarten Leistungen und ATV+ pocht hier auf die genaue Einhaltung. Sie können ja mit dem Gesamtpaket Fußball, bestehend aus Meisterschaft, Cup und internationalen Spiele auf eine sehr attraktive Palette bauen. Zum Beispiel hatte das Cupfinale die höchste Quote der ATV+-Geschichte. Unter den Top 10 der ATV+-Einschaltquoten des vergangenen Jahres fanden sich sieben Fußballspiele. Fußball ist ein Zusehermagnet und verdient auch die dementsprechende Behandlung. Alles in allem entwickeln sich die diesbezüglich geführten Gespräche aber gut und ich bin zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen werden, von der alle profitieren.Mit der Zusammenarbeit mit Premiere sind Sie zufrieden?Die Liga ist heuer attraktiv und hochklassig wie selten zuvor, damit ist die Ausgangsbasis eine sehr gute. Klubfußball ist wieder populär und dank guter Arbeit hat Premiere sowohl inhaltlich, als auch in der Umsetzung der Berichterstattung ein sehr gutes Produkt geschaffen. Hier gilt es lediglich noch ein bisschen an der Kommunikation zwischen Premiere und den einzelnen Klubs zu feilen. Bei manchen Gelegenheiten ist eine langfristige Planung und zeitgerechte Information wichtig. Dann fällt auch die Kooperation noch leichter.In Deutschland, England etc. wird sehr viel Geld aus TV-Rechten lukriert. Gibt es auch in Österreich Möglichkeiten, die Situation zu verbessern?Man darf nicht vergessen, dass der heimische Markt kleiner ist. Die Anzahl der Konkurrenten bzw. Sender könnte aber höher sein. Das wäre besser für uns. Es herrscht derzeit eine Fußballeuphorie, die ihres gleichen sucht. Die WM 2006 naht, geographisch als auch zeitlich. Die Heim-EM 2008 wird hoffentlich einen weiteren Schub bringen. Hier müssen wir die Entwicklungen forcieren. International gesehen hinken die heimischen Klubs bei den TV-Geldern sicher hinterher. Während die Budgets der europäischen Spitzenklubs bis zu 70 Prozent aus Fernseheinnahmen finanziert werden, können in Österreich nur fünf bis zehn Prozent damit abgedeckt werden. Da gilt es am Ball zu bleiben, sich weiterzuentwickeln. Die Austria hat seit Saisonbeginn viele neue Business-Bereiche. Ist es da schon gelungen neue Sponsoren an Land zu ziehen? Unser neues Konzept ist hervorragend angenommen worden und es gibt bereits viele fruchtbare Gespräche. Der reformierte Businessbereich ist annähernd ausverkauft, und bei den Logen haben wir eine Auslastung von etwa 90 Prozent. Diese Gelegenheit möchte ich auch nutzen, um neben unseren Fans und unseren langjährigen Partnern für ihre Treue und die gute Zusammenarbeit zu danken. Wir bieten eine professionelle Plattform und möchten als Verein natürlich auch von diesen gebotenen Möglichkeiten profitieren.Welche Rolle spielt Siemens als Partner?Es ist uns erfreulicherweise gelungen, mit Siemens einen Weltkonzern für unsere Philosophie zu begeistern. In erster Linie wird uns Siemens als Technologiepartner unterstützen. Besonders in der Akademie werden wir viel von dieser Zusammenarbeit profitieren. Es ist auch für uns sehr positiv zu beobachten, dass Großkonzerne unsere zukunftsorientierte Arbeit schätzen und mitarbeiten möchten. Besteht auch Interesse an einer Werbung auf den Trikots?Insbesondere durch die Erfolge gibt es natürlich auch hier Interessenten. Das Trikot hat den höchsten Werbewert, das hat auch die erfolgreiche UEFA-Cup-Saison gezeigt. Besonders im asiatischen Raum hat MAGNA sehr erfreulich Entwicklungen beobachten können. Derartige Neuerungen müssen überlegt angegangen werden und können nur langsam, dafür aber dann langfristig umgesetzt werden.Tut der Austria ein Konkurrent wie Red Bull gut?Auf alle Fälle, ich möchte hier drei Punkte unterscheiden. Das Engagement dieses Weltkonzerns wertet die Liga, das Produkt, das wir anbieten wollen, auf. Zweitens bringt es uns ein bisschen mediale Ruhe, da sich gerade zu Saisonbeginn die Medien regelrecht auf Salzburg gestürzt haben. Und sportlich ist eine starke Liga sehr zu begrüßen. Wöchentlich gefordert zu sein hebt das Niveau. Das bringt allen etwas. Schade nur, dass durch etwas unglückliche Problembewältigung, die Vereinsfarbenproblematik zum Beispiel, die Schlagzeilen eher negativ sind. Hier hätte man sich vielleicht den einen oder anderen Konflikt ersparen können.Wie geht man damit um, im Inland als Finanz-Krösus zu gelten, im internationalen Vergleich aber nur eine Kirchenmaus zu sein?So toll unser Budget national aussieht, so sehr müssen wir im internationalen Vergleich noch an einer Verbesserung arbeiten. Die sportliche Rangliste reiht uns sehr weit vorne ein, das Budget ist im Vergleich zu unseren Europacupgegnern aber eher bescheiden. Als Beispiel Dortmund, mit damals etwa 160 Millionen Euro Jahresbudget, oder Bilbao mit 100. Es ist aber schön zu beobachten, dass wir trotzdem im Stande sind, diese großen Vereine sportlich zu fordern. Das Umfeld, die Organisation, die Tagesverfassung - es sind am Ende viele kleine Mosaiksteine, die den Ausschlag geben. An unseren Leistungen im Europacup in der vergangnen Saison und brandaktuell am Beispiel Petrzalka, die gegen Celtic Glasgow sensationell den Aufstieg geschafft haben, sieht man, wie schön Fußball immer wieder sein kann.Gibt es aktuelle News, das neue Stadion betreffend?Leider im Moment nicht, bedingt durch die politische Sommerpause. Ich möchte aber noch einmal versichern: Frank Stronach und die Austria wollen dieses Stadion unbedingt und so schnell wie möglich errichten. Wir müssen uns allerdings an die notwendigen Vorgaben halten. Der Ball liegt derzeit bei der Gemeinde Wien. Bis zum Ende des Sommers sollte diese über die notwendigen Grundstücke verfügen, dann können wir die Gespräche intensivieren.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 20 42
2. FC Red Bull Salzburg 20 40
3. SK Puntigamer Sturm Graz 20 39
4. FK Austria Wien 20 37
5. SK Rapid Wien 20 27
6. FC Admira Wacker Mödling 20 23
7. RZ Pellets WAC 20 22
8. SV Guntamatic Ried 20 20
9. SKN St. Pölten 20 18
10. SV Mattersburg 20 14
» zur Gesamttabelle