28.12.2005, 00:00 Uhr

IM SPORT IST MENTALES TRAINING EIN WEIT VERBREITETES THEMA. IM...

Im Sport ist mentales Training ein weit verbreitetes Thema. Im...

Im Sport ist mentales Training ein weit verbreitetes Thema. Im Fußball fristet es in der breiten Öffentlichkeit zumeist ein Schattendasein, wenngleich es viel mehr machen, als man eigentlich weiß. Ex-Veilchen Paul Scharner ist vielleicht der bekannteste Kicker, der mentales Training in Anspruch nimmt. Auch der FK Austria MAGNA setzt künftig wieder auf mentale Wettkampfvorbereitung. "Wieder" deshalb, da im Jahr 2000 bereits erste Gehversuche unter dem damaligen Coach Heinz Hochhauser unternommen wurden. Mit der Trennung von Hochhauser verschwand aber auch der Mentalcoach. Was nur die wenigsten wissen: Sportdirektor Peter Stöger und Trainer Frenkie Schinkels vertrauten bereits in der gesamten Frühjahrs-Saison auf die Ratschläge eines Mentalcoaches, nämlich auf jene von Wolfgang Hartweger (im Bild beim Gespräch mit Kapitän Blanchard).   "Obwohl ihn niemand gesehen oder gehört hat, weil er das selber nicht wollte, hat Wolfgang ebenfalls seinen Teil zu unserem Doublegewinn beigetragen", bekennt Stöger, der Hartweger von der Fußball-Trainer-Ausbildung kennt. Hartweger sagt: "Der mentale Faktor im Fußball wird immer wichtiger. Vor allem bei Teams, die annähernd auf einem gleichen technischen und taktischen Niveau sind. Wer mental stärker ist, kann enge Spiele für sich entscheiden."   Wenngleich es immer sehr schwierig ist, dass man Informationen über einen Job auf dieser Ebene bekommt - Wissen ist Vorsprung - hat uns Hartweger doch umrissen, worauf seine Arbeit beim FAK beruht: "Auf drei Säulen. Erstens auf dem Einzelspieler-Coaching. Ich arbeite am Selbstbewußtsein und der Persönlichkeitsentwicklung. Zweitens auf Teambuilding-Maßnahmen. Es soll sicher gestellt werden, dass die Qualität der Zusammenarbeit in einem großen Team passt. Und drittens auf der Trainer-Betreuung."   Stöger über das neue Mitglied der Austria-Familie: "Wir sind sehr froh, dass wir ihn in unserem Team haben. Er soll aber nicht nur mit den Trainern arbeiten, sondern auch mit den Spielern. Sofern sie das wollen." Wie er ihn und Frenkie Schinkels im Frühjahr unterstützt hat, das verrät Stöger nicht: "Das sind Sachen, über die man nicht redet. Zudem glauben wir, dass wir mit ihm Möglichkeiten haben, um Dinge zu nutzen. Das können andere nicht. Ich bin der Meinung, dass sich immer mehr im mentalen Bereich entscheidet, vor allem in Stresssituationen."   Geplant ist, dass Hartweger ein- bis zweimal pro Woche mit Trainern und Spielern arbeitet. Tagtäglich geht gar nicht, da er auch die Aussensicht braucht, um nicht wie alle von der emotionalen Dynamik beeinflußt zu sein. "Sonst sehe ich auch nichts mehr."   Dass Hartweger weiß, wovon er spricht, beweist seine lange Refernzliste. Im Jahr 2002 hat er kurz zu Saisonbeginn bereits mit der Austria zusammengearbeitet, da Walter Schachner ebenfalls auf sein Können und Wissen vertraute. Schachner wechselte im Herbst zum GAK, vertraute aber weiterhin auf Hartweger und so wie heuer bei uns, wird er auch 2004 zum Meistertitel der Grazer das Seine beigetragen haben.    Im Hauptberuf ist der 47jährige Leiter der Trainer-Ausbildung der Bundessport-Akademie in Wien (Direktor ist Leichtathletik-Präsident Johann Gloggnitzer), einem Kompetenzzentrum für Sport. Derzeit absolvieren aus dem Fußball-Bereich neben Peter Stöger gerade Leute wie Lars Söndergaard oder Andi Herzog die Ausbildung dort. Absolventen sind z. B. auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum oder Segel-Olympiasieger Roman Hagara.