28.04.2005, 00:00 Uhr

DIE KLEINEN FISCHE ZÄHLEN WIE DIE GROßEN HAIE

Die kleinen Fische zählen wie die großen Haie

Noch acht Runde geht es in der T-Mobile-Bundesliga, spätestens am 29. Mai 2005 steht der Meister fest. Mit zwei der drei Titelkonkurrenten matcht sich die Austria auch noch im Cup um das mögliche Double. Wie es um die Spieler der Violetten im Endspurt steht, erklärt Trainer Lars Söndergaard im Interview.Lars, wir sind der Favoritenstellung in St. Pölten gerecht geworden, gibt der 6:0-Kantersieg (um 18:40 ein TV-Bericht auf ATV+, Anm. d. Red.) auch Auftrieb für das Finish?Natürlich tankt man Selbstvertrauen, wenn man spürt, dass es läuft und man viele Tore schießt. Man kann das Cup-Spiel aber nicht mit einem normalen Bundesliga-Match vergleichen. Nur die erste Halbzeit, wo noch die Gegenwehr da war, nach unserem dritten Tor haben sie aufgegeben. Einige Spieler haben aber sicher eine breitere Brust bekommen. Sie sehen, dass sie eingesetzt werden und wichtig für die Mannschaft sind. Wir haben keine Unzufriedenen, alle bringen gute Leistungen. Ich ziehe sogar den Hut vor ihnen, denn einige wissen nicht, wo sie im Sommer spielen, trotzdem geben sie alles."Da drängt sich die Frage auf, wie man solche Spieler motiviert? Wie gelingt es euch, ihnen die nötige Konzentration und das Selbstvertrauen einzuimpfen?"Das passiert in der Mannschaft. Sie fühlen sich wohl, haben den Teamgeist, alle wollen gemeinsam etwas erreichen und zusammen gewinnen. Ich weiß aber nicht, was gewesen wäre, wenn wir in eine schlechte Phase geschlittert wären. Seit dem Auftakt bei Sturm Graz haben wir kein Spiel verloren, also immerhin schon zwölf. Das Team geht an den Reinigungsprozeß selber heran, sorgt für Gleichgewicht und Ordnung, beweist Charakter, läßt keine gefährlichen Situationen aufkommen."Ist es nach so einer Leistung wie in St. Pölten etwas einfacher, trotz vieler Fragezeichen und einigen Fixausfällen an die Aufgabe Mattersburg heran zu gehen?"Vielleicht, weil wir wissen, dass wir viele Alternativen im Kader haben. Aber man muss nach jedem Sieg einen Strich ziehen. Salzburg, gewinnen, abhaken. Cupspiel, gewinnen, abhaken. Dasselbe gilt für Mattersburg. Wir haben noch eine Rechnung mit ihnen aus dem Herbst offen, dürfen sie nicht auf die leichte Schulter nehmen."Von der Papierform her sind die Burgenländer leichter als GAK, Pasching oder Rapid, die noch vor uns liegen. Welche Duelle entscheiden die Meisterschaft: Die gegen die kleinen Fische oder jene gegen die großen Haie?"Beide. Wenn wir gegen die direkten Gegner bestehen, dann haben wir eine super Ausgangsposition. Wenn wir die anderen unterschätzen, wird es ganz gefährlich. Überraschungen wird es bis zum Ende vielleicht noch von allen geben. Wer hätte gelaubt, dass wir gegen Bregenz daheim nur 1:1 spielen? Verlieren ist quasi verboten, acht Mal remis ist aber auch zu wenig."Hat man nach dem UEFA-Cup-Aus eigentlich so etwas wie Frust in der Mannschaft gespürt?"Nein, wir sind so erfahren und wissen, dass wir gut gespielt haben und nur unglücklich ausgeschieden sind. Sie wissen, dass sie in Europa dabei sind. Nach der Niederlage gab es nur konstruktive Kritik. Wir reden nicht über die vergebenen Chancen, das machen nur die Medien. Wir hatten viele Chancen heraus gespielt, also läuft es Spielerisch."Abseits gibt es immer Schlagzeilen: Gerüchte um das Trainer-Team, auslaufende Spielerverträge, viele Besserwisser, die immer alles schlecht machen wollen. Wie geht man damit um?"Die Ungewißheit über die Zukunft ist eine große Unbekannte und ist sicher auch ein Thema innerhalb der Kabine. Alle lesen Zeitungen und sind bestens informiert über die Spekulationen. Die Spieler zeigen aber, dass sie zusammen gewachsen sind und unbedingt Meister und Cupsieger werden möchten. Wir können die Gerüchte nicht von ihnen fernhalten."Wen schätzt du als härtesten Konkurrenten im Titelkampf ein?"Das verändert sich ständig. Seit längerem haben ich Pasching gesagt, dann haben die schlechtere Ergebnisse gehabt, sind aber immer noch dabei. Rapid hatte Glück gegen GAK und Pasching mit späten Toren. Wenn man so viel Glück hat, kann man auch Meister werden. Der GAK hat jetzt zweimal sehr gut gespielt, in Salzburg mit Glück gewonnen. Jetzt haben sie wieder jene Portion Glück, die im Herbst gefehlt hat, aber im Vorjahr auch den Titel eingebracht hat. Es bleibt ein Vierkampf, aber wir sind vorne und könne es selber schaffen."Also ist Mattersburg das nächste von 8 Endspielen?"Wir sind es gewöhnt, dass alle gegen uns topmotiviert sind, egal ob wir Erster oder Vorletzter sind in der Tabelle. Wenn wir das Optimum aus uns heraus holen, werden wir gewinnen. Ich fordere auch die Fans auf, dass sie nicht nur am Anfang hinter uns stehen, sondern uns mit ihren Anfeuerungen das ganze Spiel unterstützen. Am Anfang haben alle Gegenspieler noch die Kraft und die Konzentration. Spätestens wenn sie müde sind, müssen wir zuschlagen."

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 12 28
2. FC Red Bull Salzburg 11 24
3. SK Rapid Wien 11 19
4. FK Austria Wien 11 18
5. FC Flyeralarm Admira 11 17
6. LASK 12 16
7. CASHPOINT SCR Altach 12 16
8. RZ Pellets WAC 12 12
9. SV Mattersburg 12 7
10. SKN St. Pölten 12 2
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