Young Violets 10.07.2019, 16:54 Uhr

CHRISTIAN WEGLEITNER: "GEMEINSAM ETWAS NEUES PROBIEREN"

Er weiß, wie Menschen ticken, kann vor allem junge Spieler bestens einschätzen. Christian Wegleitner spricht als Co-Trainer der Young Violets über die Freude am Fußball sowie ambitionierte Ziele und erklärt, wann die Spieler auch grantig sein sollen.

Christian Wegleitner: "Gemeinsam etwas Neues probieren"

Gemeinsam mit Harald Suchard kam auch sein langjähriger Wegbegleiter Christian Wegleitner zu Austria Wien und übernahm den Posten als Co-Trainer der Young Violets. Suchard bezeichnet der 40-Jährige als guten Freund: "Wir haben in den letzten Jahren sehr viel Wertschätzung und Respekt füreinander entwickelt, daraus ist auch eine sehr enge Freundschaft entstanden." Klar sei allerdings auch, dass nur die Freundschaft allein nicht reiche, um so gut zusammenzuarbeiten. "Wir beide bringen schon unsere Qualitäten mit und ergänzen uns sehr gut."

"Hätte mir den Start nicht besser ausmalen können"

Das ist auch auf dem Trainingsplatz zu beobachten. Wegleitner ist dort sehr präsent, erklärt viele Übungen und versucht mit Kommandos zu pushen. "Harry ist gerne in der Rolle des Beobachters. Grundsätzlich bringt aber jeder, da zähle ich natürlich auch unseren Talentecoach Christoph Glatzer dazu, die fachlichen Kompetenzen mit, um verschiedene Übungen anzuleiten." Eine steife Aufgabenaufteilung gibt es demnach nicht. "Wir besprechen vor den Trainingseinheiten, was wie passiert, wer was erklärt. Es ist ein gelebtes Miteinander", spricht Wegleitner das gute Klima an.

Überhaupt fühlt sich der Burgenländer bei Austria Wien wohl, ist von seinen ersten Tagen in Violett begeistert. "Alles ist extrem positiv abgelaufen, das hat meine Erwartungshaltung sogar noch übertroffen. Der Wohlfühlfaktor, den du als Neuer sicherlich brauchst, war von Anfang an da – sowohl im Verein als auch im Betreuerteam der Young Violets, das mich großartig integriert hat. Ich hätte mir den Start für mich nicht besser ausmalen können", schildert Wegleitner. Die Freude an der Arbeit ist da, der Schmäh läuft bereits gut. Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Erfolg, denn "das stärkt dich in guten wie in schlechten Zeiten".

Der Spaß ist für ihn ohnehin ein enorm wichtiger Punkt, denn, so Wegleitner, nur dann sei der Mensch erst aufnahmefähig. "Wir wollen eine wissbegierige und kritikfähige Mannschaft entwickeln. Das geht aber nur, wenn du das Interesse der Spieler weckst, mit ihnen Spaß hast und ihnen die Freude am Fußball lässt. Wenn ich mich nicht für etwas interessiere, dann bin ich auch für Kritik nicht aufnahmefähig, da kann der Trainer noch so lange auf mich einreden."

Social Media und der Blick auf die Realität

Wir repräsentieren Austria Wien und da hat man entsprechend aufzutreten. Christian Wegleitner

Dem Trainerteam ist die Kommunikation innerhalb des Teams ein großes Anliegen. Nicht zuletzt deshalb, ist vor allem das Handy bei allen Mannschaftsaktivitäten tabu. Wegleitner stören in diesem Zusammenhang Instagram & Co. "Bei jungen Menschen wird das Rundherum zu wichtig und bekommt viel zu viel Aufmerksamkeit. Man sollte sich nicht ständig damit beschäftigen, sich ins perfekte Licht zu rücken, sonst verliert man den Blick auf die Realität."

Der diplomierte Sozialarbeiter – Wegleitner arbeitete unter anderem in einer Wohngemeinschaft für psychisch kranke Jugendliche, am Jugendamt und seit mittlerweile 15 Jahren beim Psychosozialen Dienst Neusiedl/See – verzichtet selbst auf Social Media. "Da geht so viel Zeit verloren. Ich merke das ja schon selbst, wenn ich mich um organisatorische Dinge kümmere und dabei auf dem Handy arbeite. Natürlich kannst du das den Spielern nicht verbieten, aber man muss sie dafür sensibilisieren, wann genug ist."

Bedingt durch seine Ausbildung und die jahrelange Erfahrung im Umgang mit Menschen in verschiedensten und schwierigen Lebenssituationen, entwickelte Wegleitner ein gutes Gespür und eine hervorragende Menschenkenntnis. "Das ist sicherlich auch eine meiner Hauptaufgaben, mich um die Spieler als Menschen zu kümmern. Ich versuche schnell einzuordnen, wie jemand tickt und sich verhält."

Apropos Verhalten: Auch darauf legt das Trainerteam großen Wert. "Was wir verlangen ist nichts Außergewöhnliches, da geht es um die Basics wie grüßen, freundlich und zuvorkommend sein. Das wollen wir vorleben, so dass es auf der anderen Seite ankommt." Wird das nicht eingehalten, gibt es Konsequenzen. "Wichtig ist, dass das sowohl auf als auch abseits des Platzes gilt. Niemand braucht sich zu fürchten, wenn er auf dem Feld einen Fehler macht. Das ist völlig normal und passiert. Aber außerhalb muss es möglich sein, diese Regeln einzuhalten, sonst sind wir der Meinung, dass es nicht reichen wird. Wir repräsentieren Austria Wien und da hat man entsprechend aufzutreten."

Naturgrant, Kontrolle und junge Spieler

Young Violets - Huddersfield

Was den fußballerischen Auftritt der Young Violets betrifft, hat Wegleitner ebenfalls ein klares Bild vor Augen. "Es gilt gemeinsam daran zu arbeiten, den Ball haben zu wollen. Und wenn wir ihn nicht haben, einen gewissen, ich nenne es Naturgrant, zu entwickeln, weil wir den Ball nicht haben. Da braucht es dann Strategien, wie wir ihn wieder zurückerobern wollen. Über allem steht, dass wir immer mit der Konsequenz auftreten, Tore zu erzielen." Kontrolle lautet das Stichwort, im Test gegen Huddersfield hat das phasenweise schon gut funktioniert.

Mit durchschnittlich 18 Jahren und 153 Tagen im zweiten Durchgang stand auch im dritten Spiel der Vorbereitung eine sehr junge Mannschaft auf dem Feld. Für Wegleitner kein Problem: "Ich empfinde es nicht als große Aufgabe, das Alter beim Sportlichen zu betrachten. Grundsätzlich geht es um das Miteinander, auf und neben dem Platz. Aber am Ende entscheidet immer noch der Faktor Qualität." Es gebe daher keinerlei Gründe, warum die Veilchen so nicht auch in der HPYBET 2. Liga auftreten sollten. "Mir fällt kein Grund ein, weshalb ein 16-Jähriger nicht spielen sollte, wenn er sich im Training besser präsentiert als ein älterer Spieler."

Allgemein kennt sich Wegleitner im Umgang mit jungen Spielern aus, war er doch viele Jahre in Akademien tätig. Nach seinem Trainerjob bei seinem Heimatverein FC Illmitz wechselte er zur Admira, wo er erstmals auf Harald Suchard traf. Der Chefcoach der Young Violets war damals kurz zuvor zum Akademie-Leiter aufgestiegen und trainierte nebenbei die U15, zu der er sich Wegleitner als Co-Trainer holte. "Dann hat sich relativ schnell herausgestellt, dass wir uns beide sowohl fachlich als auch menschlich sehr ähnlich sind." Später wurde Wegleitner Cheftrainer der U16, danach der U18.

Doch auch nach dem Ende bei der Admira war für beide klar, "wenn es bei einem von uns passen sollte, wollen wir wieder gemeinsam arbeiten", erinnert sich Wegleitner. Suchard schloss sich dann Rapid an, war dort Trainer der U16, Wegleitner wurde nach kurzer Pause Co der U15 der Hütteldorfer. Was dann dort nicht funktionierte, fand bei den Young Violets seinen vorläufigen Höhepunkt: Die erneute Zusammenarbeit der beiden außerhalb einer Akademie.

Verbesserte Strukturen bei Austria Wien

Suchard übernahm bei Austria Wien aber nicht nur die Young Violets, sondern auch Teile der Technischen Direktion, wo er Sportdirektor Ralf Muhr unterstützt. "Da ging es vor allem um die Strukturen, die verbessert werden sollen. Die Kommunikation ist dabei schon sehr gut, jetzt geht es um die Umsetzung", so Wegleitner. "Das heißt: Wie können wir in Abstimmung mit der Vereinsspitze, der Kampfmannschaft, den Young Violets und der Akademie Wege finden, die im Interesse aller sind, unsere Spieler zu verbessern?"

Für Wegleitner ist klar, dass die Entwicklung der Spieler oberste Priorität hat. "Es gilt unsere Talente so zu entwickeln, dass sie in absehbarer Zeit auf ein internationales Niveau kommen. Und ich spreche hier bewusst nicht nur von der österreichischen Bundesliga. Warum soll es ein Spieler der Austria nicht weiter schaffen? Wir wollen hier versuchen, Spieler auf ein absolutes Topniveau zu bringen."

Mehr Spielwitz im Nachwuchsfußball

Es gilt unsere Talente so zu entwickeln, dass sie in absehbarer Zeit auf ein internationales Niveau kommen. Christian Wegleitner

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, bedarf es, nach Ansicht von Wegleitner, allerdings auch ein Umdenken im Nachwuchsfußball. "Im Vordergrund sollte dort immer die Freude am Spiel stehen. Leider sieht man die auch in den Akademien immer seltener." Der mit der UEFA-A-Lizenz und dem UEFA-Elite-Junioren-Diplom ausgestattete Trainer sieht die Spieler teilweise als überfordert an. "Die Jungs gehen in die Schule und haben sieben Mal in der Woche Training, dazu am Wochenende ein Spiel." Das Argument, dass junge Spieler auf dem Weg zum Fußballprofi viel Zeit investieren müssen, lässt Wegleitner nur bedingt gelten. "Irgendwann verlierst du trotzdem den Spaß daran. Wir haben es hier mit Menschen zu tun."

Dazu werden Stimmen nach sogenannten "Käfigkickern" oder kreativen Spielern lauter. "Um die zu bekommen müssen wir aber auch den Spaß am Spiel zulassen. Mir wird im Nachwuchs viel zu ergebnisorientiert gespielt – das Ergebnis ist sicherlich nicht unwichtig, aber nicht das oberste Kriterium –, gleichzeitig wird mehr Spielwitz gefordert. Wenn wir den aber in jungen Jahren nicht zulassen, können wir ihn später auch nicht mehr erwarten." Für Wegleitner ist am typischen Phrasenschwein-Satz 'Wir werden das ernten, was wir säen' sehr viel dran.

"Es gilt diesen Kreislauf, dieses System mutig zu durchbrechen. Wir wollen hier gemeinsam etwas Neues ausprobieren. Nichts neues erfinden, aber unseren Denkansatz und die Idee von Austria Wien, mit aller Konsequenz durchziehen." Am Ende sollen dieser Weg und die violette Ausbildung etwas sein, wo auch außerhalb des Vereins wahrgenommen wird, dass hier gute Arbeit geleistet wird.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FK Austria Wien 0 0
1. spusu SKN St. Pölten 0 0
1. WSG Swarovski Tirol 0 0
1. TSV Prolactal Hartberg 0 0
1. SV Mattersburg 0 0
1. SK Rapid Wien 0 0
1. SK Puntigamer Sturm Graz 0 0
1. RZ Pellets WAC 0 0
1. LASK 0 0
1. FC Red Bull Salzburg 0 0
1. FC Flyeralarm Admira 0 0
1. CASHPOINT SCR Altach 0 0
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