Profimannschaft 14.06.2018, 09:30 Uhr
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AUSTRIA-SPIELER SEHEN WM-DEBÜT DES VIDEOBEWEISES SKEPTISCH

Die 21. Fußball-WM vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland erlebt eine Premiere. Erstmals kommen sogenannte Video Assistant Referees (VAR) zum Einsatz. Die Spieler des FK Austria Wien stehen nach einer Umfrage dieser "Überwachung" der Schiedsrichter eher skeptisch gegenüber.

© Bildagentur Zolles KG Austria-Spieler sehen WM-Debüt des Videobeweises skeptisch

"So wie es derzeit in der deutschen Bundesliga praktiziert wird, hat es keine Zukunft", sagt Abwehrchef Michael Madl nach der ersten Saison des Video-Beweises im Land des regierenden Weltmeisters. Er sei jedenfalls kein großer Fan davon, bekennt der Steirer.

Er sagt, Fußball lebe von Emotionen und Fehlentscheidungen gehörten einfach dazu wie die Diskussionen unter den Fans. "Schiri-Pfiffe sind Tatsachen-Entscheidungen", meint Madl.

Venuto: "Dadurch wird Fußball schon bisschen komisch"

Für Lucas Venuto wird der Fußball durch den Video-Beweis schon "ein bisschen komisch". Das Anschauen der Wiederholungen am Bildschirm durch den Mann vor dem Bildschirm dauere einfach zu lange. "Ich glaube, da sind viele Spieler meiner Meinung", betont der Brasilianer.

Der "Flügelflitzer" findet es besser, nach Spielen über Entscheidungen der Schiedsrichter, die in einer Sekunde zu urteilen haben, diskutieren zu können. „Das macht unseren Sport auch aus!“ Christoph Martschinko findet das Video-Schauen von der Idee her gut, aber es dauere alles ein bisschen zu lange.

Alexandar Borkovic hält ebenfalls nicht so viel vom Video-Beweis und sagt: "Ob es ein Foul war oder nicht, kann man schon nachweisen. Das sind so Entscheidungen, die bleiben müssen, das gehört zum Fußball dazu." Tor, Elfer, Abseits, Tätlichkeit hinter dem Rücken des Referees wären für den Innenverteidiger prüfungswürdig.

"Man kann eine Aktion oder einen Konter nicht einfach abpfeifen und sagen, es ist laut TV-Bildern vorher ein Elfer im gegnerischen Strafraum gewesen", nennt unser Defensivspieler ein Beispiel. Krass war es zuletzt in Freiburg, wo ein Team nach Pausenpfiff schon in der Kabine war, aber wegen eines Handelfers wieder auf den Rasen musste.

Martschinko: "Übertreiben sollte man es nicht"

"Übertreiben", so Christoph Martschinko, "sollte man es nicht. Man muss ein paar Regeln genau definieren oder neue einführen, und komplizierte Dinge rausnehmen, einfach Fußball spielen lassen." Thomas Salamon hält für sich fest, dass die Anlaufzeit des Video-Beweises noch immer andauere, sich alles erst einspielen müsse.

"Man wird sehen, wie es in Russland funktioniert. Lassen wir uns überraschen", meint der Verteidiger. Die Entscheidungsfindung der  Unparteiischen müsse innerhalb kürzester Zeit passieren, um den Spielfluss nicht zu unterbrechen. Daran sollte noch gefeilt werden, fordert der 29-Jährige.

Ähnlich sieht es Franz Gruber, unser Tormann-Trainer, für den der Video-Beweis "noch ein bisschen in den Kinderschuhen" steckt. Vor der Entwicklung darf man aber nicht haltmachen. "Denn das System dient dazu, Fußball gerechter und Entscheidungen der Schiedsrichter leichter zu machen."

Almer zieht Anleihe beim Tennis in Betracht 

Robert Almer, der uns diesen Sommer verließ, glaubt grundsätzlich an den Video-Beweis. "Man muss ihn nur sinnvoll einsetzen, wissen, wann man ihn einsetzt. Teilweise wird es schon übertrieben", mahnt der 33-fache ÖFB-Teamkeeper. Der EM-Teilnehmer 2016 zieht eine Anleihe beim Tennis in Betracht.

Dort darf ein Spieler pro Satz dreimal strittige Entscheidungen per Elektronik überprüfen lassen. "Das wäre für den Fußball auch eine mögliche Variante", glaubt der Steirer. "Eine neue Methode dauert zwar bis sie funktioniert. Aber man muss sich etwas überlegen, weil es in Deutschland diesbezüglich sehr viele Probleme gibt", betont der Schlussmann.

Für David de Paula, dessen Vertrag mit der Austria zu Saisonende auslief, ist der traditionelle Fußball durch Video nicht mehr so wie vorher. "Wenn die Spieler ehrlich sind, würde man Video-Assistenten nicht brauchen", glaubt der Baske, der in allen Hilfen für den Referee auch Gutes sieht.

"Es geht um viel, um das Prestige und um Geld", sagt der routinierte Allrounder und spricht im Sinne des Schweizer FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, der zur WM-Premiere des Video-Beweises erklärte: "Bei einer WM können wir es uns nicht leisten, dass ein potenzieller Referee-Fehler gravierende Folgen hat."

Transparenz und Aufklärung für Zuschauer angekündigt

Die für die WM nominierten 36 Haupt-Schiedsrichter und die Assistenten wurden speziell geschult, um dann im Turnier eine klare Kommunikation und reibungslose Umsetzung zu gewährleisten. 13 Mann sind nur als Video-Schiris im Einsatz, aber auch die 36 Headreferees können vor dem Bildschirm aufgeboten werden.

Bei der Anwendung des Video-WM-Debüts bei den 64 Spielen sollen für die Zuschauer in und außerhalb der Stadien keine Fragen offen bleiben. Denn auf den Anzeigetafeln werden Wiederholungen und Grafiken zur Aufklärung zu sehen sein.

Außerdem sollen relevante Informationen aus den Gesprächen zwischen Referees und Video-Assistenten an die TV- und Radio-Kommentatoren weitergeleitet werden. Erklärungen soll es auch auf der Internet-Seite der FIFA geben.

Zur Vorbereitung der Fans sei hier festgehalten: Die Assistenten, die strittige Szenen im Kämmerlein unter die Lupe nehmen, dürfen lediglich in vier Spielsituationen prüfen: bei einem Tor, einer Abseitssituation, einem Platzverweis oder bei einer Verwechslung eines durch den Schiri zu bestrafenden Spielers! 

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 36 83
2. SK Puntigamer Sturm Graz 36 70
3. SK Rapid Wien 36 62
4. LASK 36 57
5. FC Flyeralarm Admira 36 51
6. SV Mattersburg 36 46
7. FK Austria Wien 36 43
8. CASHPOINT SCR Altach 36 38
9. RZ Pellets WAC 36 33
10. SKN St. Pölten 36 20
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