Profimannschaft 22.02.2018, 15:09 Uhr

SPORTDIREKTOR WOHLFAHRT ZUR AKTUELLEN LAGE DER AUSTRIA

Sportdirektor Franz Wohlfahrt war diese Woche nah an den Spielern. Vor dem Gastspiel des FK Austria Wien in der 24. tipico-Bundesliga-Runde bei der Admira (Samstag, 16:00 Uhr) führte er viele Gespräche mit Spielern und Betreuern. Wie alle hofft der Kärntner auf eine Wende zum Besseren.

Sportdirektor Wohlfahrt zur aktuellen Lage der Austria

Franz Wohlfahrt spricht im Interview an, warum es derzeit nicht so läuft. Der Sportdirektor verrät, was Analysen ergeben haben, wie man das Tief abschütteln könnte. Und er sagt, was er von der nächsten Partie beim Tabellendritten in der Südstadt erwartet.

Drei Spiele 2018, ein Punkt, 3:6 Tore, siebenter Tabellenrang – Wie ist das zu erklären?

Franz Wohlfahrt: „Es gibt sehr viele Faktoren, nicht nur einen Grund, warum es nicht läuft. Der eine oder andere Spieler ist sicher überfordert mit dem Leistungsdruck. Andere haben vielleicht Gedanken, was passiert im Sommer. Gehe ich weg oder bleibe ich da? Andere wollen es gut machen, treffen aber im Spiel taktisch falsche Entscheidungen. Auch technische Fehler passieren, wie die Analyse der Mattersburg-Partie ergab.“

Was zeigte die Nachbetrachtung zur 1:2-Niederlage in technischer Hinsicht genau?

 „Der letzte Pass im offensiven Gefahrenbereich war oft miserabel. Da kann man nicht von einem guten Spiel sprechen. Dass der letzte Pass kommt, ist eben ein entscheidender Faktor. Allein, dass man in Räume kommt, wo es gefährlich werden kann, ist zu wenig. Ich muss ihn dann auch nützen.“

Wie ist es möglich, dass der starken Leistung im Derby (1:1) ein eklatanter Rückfall mit dem 1:3 gegen den LASK folgte?

 „Ich war davon auch überrascht gewesen, weil wir einen guten Start hatten, gegen die Linzer aber nirgends waren. Da hat sehr viel gefehlt, der Gegner war klar besser. Wir haben uns nicht gewehrt und verdient verloren. Die Hoffnung nach einer Wende in Mattersburg erfüllte sich nicht.“

Sie haben als Aktiver für die Austria 445 Pflichtspiele bestritten, viele Höhen, aber auch manches Tief durchgemacht. Wie kommt man da wieder raus?

 „Ja, es hat damals auch Probleme in der einen oder anderen Saison gegeben, wo es nicht gut gelaufen ist. Der Leistungsdruck bei der Austria ist stets immens groß. Im Nachhinein fragt aber keiner mehr nach dem Warum, es zählt nur das Resultat oder die Tabelle.“

Die Personalnot, die wir im Herbst 2017 durch Verletzungen hatten, wirkt scheinbar zu Beginn des neuen Jahres noch nach oder?

„Die haben wir nach wie vor, das müssen wir jetzt noch ausbaden. Aber das interessiert keinen, weil wir unbedingt gewinnen müssen. Das können wir im Moment nicht liefern. Es muss jedem klar sein, dass die Personalnot nicht als Ausrede gilt. Jene die spielen müssen einfach mehr zeigen. Das ist möglich, wie man ja gegen Rapid gesehen hat.“

Wie geht es jetzt in unserer misslichen Lage weiter, wo gibt es Ansätze zur Besserung?

 „Es braucht Lösungen. Eine solche kann sein, dass jeder ehrlich zu sich selbst ist, zu einem positiven Egoismus findet, in dem er sich fragt, wo kann ich mich verbessern und das in der täglichen Trainingsarbeit umsetzt. Soll ich im Training den Ball aus sechs Metern ins leere Tor schießen? Ja, weil im Spiel muss ich ihn auch reinhauen. Man muss auch die einfachsten Dinge probieren, zu finalisieren. Höchste Konzentration ist erforderlich.“

Gegen LASK und Mattersburg wurde vieles vermisst. Was wollen Sie auf dem Platz in Zukunft sehen?

„Von jedem will ich die Gegenwehr gegen den Misserfolg, gegen eine Niederlage sehen. Das habe ich diese Woche in Einzel- und Gruppen-Gesprächen mit der Mannschaft klar besprochen. Ich bin guter Hoffnung, dass die Spieler es verstanden haben. Es könnte eine Wende zum Besseren bewirken.“

Nicht nur unser nächster Gegner FC Admira, sondern auch LASK und Mattersburg liegen in der Tabelle vor uns. Was erwarten Sie nun in der Südstadt?

„Dass dieses Trio vor uns liegt, muss man respektieren. Wir sind schwer unter Druck, aber mannschaftlich auch in der Lage, die Admira zu besiegen. Ich sehe die Partie offen, ohne Favoriten. Der Gegner hat jeden Tag Sonnenschein, der mentale Druck liegt auf uns. Es ist die Frage, ob wir diese Situation nützen, mit einem Sieg den Anschluss schaffen können.“

Kann man sich mit einem Dreier dann wieder mehr nach oben orientieren?

„Jeder Erfolg hilft. Wir sind dann aber noch immer weit hinten. Wir haben danach noch 12 Spiele, um so viele Punkte wie möglich zu holen. Derzeit sind wir ein Stück vom Europacup-Startplatz entfernt, aber unsere Lage ist noch nicht hoffnungs- und aussichtslos.“

Was würde es bedeuten, im Herbst nicht in der neuen Generali-Arena Europacup zu spielen?

 „An diese Möglichkeit will ich gar nicht denken. Es ist allein aus wirtschaftlichen Gründen für alle enorm wichtig im Verein, da natürlich dabei zu sein. Und es ist bedeutend, dass das die Spieler auch wissen.“

In Bälde startet die Ostliga ins neue Jahr. Unsere Amateure sind Dritte. Was ist das Saisonziel?

„Das gleiche wie zu Saisonstart. Wenn wir eine Chance sehen, dann wollen wir in die neue Zweite Liga aufsteigen. Es ist aber kein Muss. Der Erste und Zweite steigen direkt auf, der Dritte spielt Quali. Das Streben nach oben hat eine Eigendynamik bekommen, die Trainer und Spieler wollen jetzt unbedingt rauf. Ein positiver Druck ist da, der ist auch gut. Ich würde es als sportlich Verantwortlicher Klasse finden, wenn wir in der Zweiten Liga eine Mannschaft hätten.“

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 11 31
2. SKN St. Pölten 11 21
3. LASK 11 21
4. FK Austria Wien 11 17
5. RZ Pellets WAC 11 15
6. SK Puntigamer Sturm Graz 11 14
7. SV Mattersburg 11 13
8. TSV Prolactal Hartberg 11 12
9. SK Rapid Wien 11 12
10. FC Wacker Innsbruck 11 10
11. CASHPOINT SCR Altach 11 9
12. FC Flyeralarm Admira 11 9
» zur Gesamttabelle