Allgemeine News 11.04.2017, 11:26 Uhr
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AG-VORSTAND KRAETSCHMER: “WIR SIND JETZT ALLE IM KLUB GEFORDERT!“

Zuerst das Gute: Nach der 28. Runde der tipico Bundesliga ist der FK Austria Wien im Kampf um die zwei fixen Europacup-Startplätze hinter Spitzenreiter RB Salzburg als Tabellenvierter weiterhin voll dabei. Denn auch SCR Altach und Sturm Graz haben am Wochenende nicht gewonnen.

© Bildagentur Zolles KG AG-Vorstand Kraetschmer: “Wir sind jetzt alle im Klub gefordert!“

Dass das violette "Werkl" derzeit nicht so läuft wie sich das alle Violetten wünschen, ist ebenso Fakt, wie vier Niederlagen in Serie recht deutlich machen. Daran ist nichts zu beschönigen. Das tut auch Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer nicht, sondern er versucht wachzurütteln: „Wir sind jetzt alle im Klub gefordert!“

Ihm gefällt derzeit das grundsätzliche Auftreten unserer Mannschaft nicht. „Man muss von Beginn an hochkonzentriert arbeiten und auch mit Leidenschaft spielen. Unsere Fans haben dafür sehr gute und sehr sensible Antennen. Wir haben diese Tugenden nur in Teilphasen immer wieder gezeigt, das reicht aber nicht“, sagt der 45-Jährige nach dem 1:2 zuletzt gegen SKN St. Pölten.

Richtungsweisende Partien warten

Seiner Meinung nach verlässt sich derzeit einer zu stark auf den anderen. „Es ist keiner bereit mit einer Aktion vielleicht auch einmal ein Zeichen zu setzten. Und wir lassen uns dann leider bieder und einfach die Schneid abkaufen“, kritisiert Kraetschmer zum Abschluss der bitteren englischen Woche. Das müsse sich rasch ändern, fordert unser CEO mit Nachdruck. Nicht nur Analysieren und Sezieren, sondern auch beinhartes tagtägliches Arbeiten sei für alle angesagt.

Die nächsten vier Spiele werden mit Sicherheit richtungsweisend sein. Drei der vier kommenden Aufgaben warten in der Fremde. Am Ostersonntag (15:00 Uhr) geht es zum SV Mattersburg, am 23.4. nach Hütteldorf (16:30 Uhr) und am 7.5. (16:30 Uhr) nach Altach. Dazwischen (29.4./16:00 Uhr) haben wir mit Sturm Graz den zweiten Rivalen um einen Startplatz in der UEFA-Europa League-Qualifikation im Happel-Stadion zu Gast.

AG-Vorstand: „Unsere Zugmaschine funktioniert momentan nicht“

Für Kraetschmer sind jetzt wirklich alle im Bereich Profisport gefordert - die Mannschaft, das gesamte Trainerteam und Sportdirektor Franz Wohlfahrt. Weil es für den Klub um sehr viel gehe, begründet der AG-Vorstand. „Wir haben Pläne, eine Strategie für die Entwicklung des gesamten Klubs und dafür ist es an der Spitze wichtig und unumgänglich, dass die Kampfmannschaft als unsere Zugmaschine funktioniert. Das tut sie im Moment nicht!“

Die Herausforderung durch die aktuelle Situation müsse jeder zu hundert Prozent annehmen, wir können uns jetzt keine unnötigen Punkteverluste mehr erlauben. „Das ist aus meiner Sicht in dieser Woche die Aufgabe des gesamten Trainerteams und aller Spieler. Und mit einer ordentlichen Leistung müssen wir in Mattersburg die Kehrtwende schaffen, dieses Spiel wird ein hartes Stück Arbeit“, betont Kraetschmer.

Sportdirektor: „Mit 80 Prozent spielen geht nicht!“

Wohlfahrt sprach am Sonntagabend in der Sky-Sendung „Talk und Tore“ von einer „sehr kritischen Situation“, in der sich die Austria befinde, aber es wäre „nicht richtig, komplett den Kopf zu verlieren“. Man habe vollstes Vertrauen in das Trainerteam, gemeinsam die Trendwende zu schaffen.

Mit 47 Punkten, gleichviel wie vor einem Jahr nach 28 Runden, sei man vom Saisonziel noch nicht ganz entfernt, sagt unser Sportdirektor, der nach seiner Analyse Fehler sah und analysierte. „Wir können es uns nicht erlauben, nachzulassen. Mit nur 80 Prozent zu spielen, geht nicht. Das habe ich der Mannschaft auch klar gesagt. Wir haben zuletzt fehlerhaft gespielt. Wir müssen die Mannschaft aufwecken. Das machen wir. Die Jungs sind stark genug, um wieder erfolgreich zu sein.“

Trainer Fink: „Nicht auf andere hoffen“

Auch Cheftrainer Thorsten Fink wird seine Schützlinge in dieser Woche nochmals deutlich machen, worum es in den restlichen acht Runden geht, dabei Einzelgespräche mit Spielern und Betreuern führen und auch auf Positives hinweisen. „Wenn man hart arbeitet, kommt der Erfolg irgendwann zurück“, meint der Deutsche.

Denn darauf zu hoffen, dass RB Salzburg den Cup-Titel holt und dann der vierte Endrang reicht, auf das will sich der Ex-Bayern-Spieler nicht verlassen: „Wir wollen uns ohne Hilfe der anderen qualifizieren. So abgeschlagen sind wir jetzt nicht, um noch Zweiter oder Dritter zu werden.“

Kraetschmers Aufgabe als Vorstand ist es dennoch, ein mögliches Verpassen der UEL-Teilnahme ins wirtschaftliche Kalkül zu ziehen. „Natürlich müssen wir ein Worst-Case-Szenario durchrechnen. Das würde uns in der jetzigen Situation mit den infrastrukturellen Investitionen, vor allem mit dem Neubau der Generali-Arena und dem vorübergehenden Trainingsquartier in Steinbrunn, ohne Zweifel zurückwerfen.“

„Man kann sich vorstellen, dass diese Konstellation einem CEO neben der sportlichen Tristesse sehr wehtut und großes Kopfzerbrechen bereitet. Wir werden in allen Bereichen, so wie bisher versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten ein optimales Umfeld zu schaffen, das fordere ich von allen Mitarbeitern nachdrücklich ein, aber all das kann nur nachhaltig Ertrag bringen, wenn die sportliche Performance an der Spitze passt.“

Das Modell des FK Austria Wien baut auf regelmäßigen Europacup-Teilnahmen auf. Dass wir nicht jedes Jahr mit dem Erreichen der Gruppenphase der UEFA Europa League kalkulieren können, entspricht dem Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns. „Aber unser Ziel und Anspruch muss es sein, sich zumindest für das internationale Geschäft zu qualifizieren“, sagt Kraetschmer.

Das aktuelle Rennen um die Europacup-Startplätze hinter RB Salzburg betrachtet der violette „Chef“ als sehr schleppend, es ist alles noch sehr knapp beisammen. Auf Altach (zuletzt 0:0 beim WAC) fehlen uns drei Punkte, Sturm (zuletzt 0:1 in Salzburg) liegt nur einen Zähler vor uns.

„Dass wir eine Mannschaft haben, die den Anspruch besitzen muss, nicht nur aus budgetären Gründen, sondern vor allem auch aufgrund der Kader-Qualität in die Top drei der Bundesliga zu kommen, sollte bei allem Respekt vor den Konkurrenten selbstredend sein“, erklärt Kraetschmer.

Es müsse dieser Tage weiterhin sehr, sehr hart analysiert werden, was da in den letzten Wochen passiert sei. „Mit der 0:5-Klatsche in Salzburg ist ein Negativtrend eingetreten, der trotz aller Beteuerungen zuletzt nicht umgekehrt werden konnte - wir brauchen aber Lösungen!“, stellt der AG-Vorstand fest.