Allgemeine News 30.01.2017, 08:30 Uhr

CEO KRAETSCHMER ÜBER VERGANGENES, AKTUELLES UND KOMMENDES

Fans, Spieler, Betreuer, Sponsoren, Sympathisanten – sie alle sehnen die Fortsetzung der Bundesliga-Saison herbei. Vor dem Ankick, der für den FK Austria Wien am 12.2. mit dem 320. Derby im Happel-Stadion erfolgt, stellte sich AG-Vorstand Markus Kraetschmer einem Interview.

CEO Kraetschmer über Vergangenes, Aktuelles und Kommendes

Derby-Tickets oder gleich das sehr günstige Frühjahrsabo sichern.

Im Gespräch mit der Homepage-Redaktion www.fk-austria.at blickt der 45-Jährige kurz in das vergangene Jahr, spricht über seine Wünsche für 2017, die sportlichen Ziele, über die Transferperiode im Jänner, die Bedeutung einer Europacup-Teilnahme und auch über die Wiederwahl von Klubpräsident Wolfgang Katzian.

Was wünschen Sie sich als CEO der Veilchen vom neuen Jahr 2017?

Markus Kraetschmer: „An oberster Stelle Gesundheit für alle Mitglieder der Austria-Familie. Und zweitens, dass wir unsere sportlichen Wünsche und Ziele im Frühjahr und im Herbst erreichen. Drittens, dass wir mit dem S.T.A.R.-Projekt, unseren so wichtigen Infrastrukturinvestitionen weiterhin so planmäßig vorankommen wie bisher.“

Können Sie sportlichen Wünsche für unsere Leser und Anhänger etwas näher erläutern!

"Wir wollen uns zumindest wieder für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Wir sind in der tipico-Bundesligist als Vierter und im ÖFB-Samsung-Cup als Viertelfinalist gut dabei. Ich hoffe, dass das so bis zum Schluss bleibt und vielleicht dürfen wir uns dann über das eine oder andere besondere Zuckerl freuen (schmunzelt).“

Was würde es finanziell bedeuten, wenn wir das Minimalziel EC-Quali nicht erreichen?

„Grundsätzlich denke ich positiv und möchte das Ziel natürlich erreichen. Doch ist es in unserer kaufmännischen Verantwortung auch unsere Aufgabe, ein solches Szenario zu berechnen. Unsere Grundausrichtung geht schon davon aus, dass wir diese Europacup-Plattform auch in der nächsten Saison haben werden. Wir planen wie stets aber nur mit der Quali-Phase. Welche Möglichkeiten die Gruppenphase bietet, haben wir im Herbst gesehen.“

Was hat der Herbst 2016 mit insgesamt zwölf Europacup-Spielen dem Verein gebracht?

„Die Endabrechnung erfolgt auf Grund einiger offener Fragen (zB Strafen, Marketpool) erst, aber wir haben mindestens einen Umsatz von 5,5 Millionen Euro erzielt. Das zeigt die Bedeutung dieses Bewerbs, die wir in den zwei Jahren davor nicht hatten. Wenn wir uns auf diesem Niveau weiterentwickeln wollen, dann müssen wir auch die EC-Quali wieder schaffen. Wir haben ja nebenbei auch die infrastrukturellen Investitionen für die mittel- und langfristige Zukunft zu tätigen. Daher wäre eine EL-Teilnahme wirtschaftlich sehr wichtig.“

Was muss vom 5,5 Millionen-Umsatz im Europacup abgezogen werden, was bleibt?

„Veranstaltungs- und Reisekosten, Prämien für Spieler, Trainer, Betreuer, Mitarbeiter etc. und auch noch die eine oder andere UEFA-Strafe müssen da abgezogen werden. Andererseits ist eben auch der UEFA-Marktpool noch nicht endgültig abgerechnet. Der Europa League bringt ganz sicher einen positiven Deckungsbeitrag in unserem Jahresergebnis 2016/17.“

Bringt der Europacup-Auftritt jedoch außer Geld nicht auch noch eine Reihe anderer angenehme Effekte mit sich?

„Ja, man darf auf einige weitere positive Nebenaspekte nicht vergessen: Dass unsere Spieler interessant geworden sind und deren Marktwerte gesteigert wurden, dass wir neue Sponsoren, die bisher nur im Europacup dabei waren, auch mittel- und langfristig an den Klub binden können. Das arbeiten wir jetzt alles auf.“

Zu welchem Kurzresümee kommen Sie, wenn Sie das jüngste Europacup-Engagement zusammenfassen?

„Ganz klar zu dem Schluss, dass für den Klub, die Marke FK Austria Wien, der Europacup extrem wertvoll ist. Er war unheimlich wichtig für uns, nach zwei Jahren wieder dabei gewesen zu sein.“

Die Transferperiode läuft bis Ende Jänner. Richie Windbichler hat uns Richtung Südkorea verlassen. Was sagen Sie zu dem Wechsel?

„Ich möchte betonen, dass der Abgang von Windbichler uns allen wehtut, weil wir schon ein Angebot für eine Verlängerung ausgearbeitet hatten. Aber wir wollten dem Spieler die Herausforderung, das Abenteuer Asien nicht verbauen. Wir konnten auch für einen Spieler, dessen Vertrag im Sommer ausgelaufen wäre, einen Transfererlös erzielen.“

Sollte ein weiterer Spieler die Austria verlassen, hätte Sportchef Franz Wohlfahrt Mittel zur Verfügung einen anderen neu zu verpflichten?

„Wir haben analysiert und entschieden, die Position von Windbichler durch unseren Kader und das Aufrücken des einen oder anderen Nachwuchsspielers wie Michael Blauensteiner und David Cancola kompensieren können. Dennoch sehen wir uns permanent auf dem Markt um. Klar ist, würde uns jetzt ein Spieler noch verlassen, dann müssten wir reagieren. Wenn keiner geht, werden wir auch nicht reagieren. Wir signalisieren durch Verlängerung der Verträge wie zuletzt mit Grünwald, Serbest und Blauensteiner aber auch, dass wir diese Mannschaft bestmöglich langfristig zusammenhalten wollen, das Team soll weiter zusammenwachsen!“

Seit Jänner 2007 Amt, ist Präsident Wolfgang Katzian am 18.1. für eine weitere vierjährige Periode wiedergewählt worden. So lange ist nach dem Zweiten Weltkrieg noch nie ein Klubboss im Amt gewesen. Das zeugt von Austria-Kontinuität oder?

„Ja, es war wichtig in unserem Gesamtkonzept, dass Wolfgang Katzian sich der Wiederwahl gestellt hat, dass er einziger Kandidat war, und dass er dann letztendlich auch mit 92 Prozent eine sehr große Stimmenmehrheit erhalten hat. Das alles bestätigt, der vor einigen Jahren eingeschlagene und propagierte Weg wird von den Mitglieder geschlossen mitgetragen und unterstützt.“

Was hat das bewährte Duo Katzian und Kraetschmer in Zukunft vor?

"Wir sehen uns als Leader in einem tollen Gesamtteam, mit diesem haben wir noch einiges vor. Präsident Katzian hat in seiner Antrittsrede die Themen-Schwerpunkte mit der Infrastruktur, der Internationalisierung und der Digitalisierung für den Klub sehr klar skizziert. Wir wollen den gesamten Klub weiterentwickeln, da ist die Zusammenarbeit aller sehr wichtig. Katzian ist ja nicht nur unser Präsident, sondern auch Vorsitzender des Aufsichtsrates in der FK Austria AG, das ist eine sehr wichtige Funktion. Alle Klubs, die in der Führung, in der Spitze Kontinuität haben, gelingt eine solche Weiterentwicklung und sind erfolgreich - das wollen und werden auch wir schaffen!“

Immer um den Jahreswechsel kommt die Frage nach einer Auferstehung des Stadthallen-Turniers auf. Welche Antwort hat die Austria als Rekordsieger dazu?

„Es hat Überlegungen für einen verkürzten Bandenzauber gegeben. Grundsätzlich sind wir dieser Tradition immer sehr offen gegenübergestanden. Man muss aber realistisch davon ausgehen, dass es fast unmöglich ist, einen Turniertermin zu finden. Die Spieler brauchen in der kurzen Winterpause eine Erholungsphase, um ihre Akkus wieder aufzuladen.“

2004/05, als wir im Europacup überwinterten, hatten wir eine junge Mannschaft gestellt, die durchaus erfolgreich war. Wäre das nicht feine Überlegung, die Tradition wieder zu wecken?

„Das ist damals von den Fans nicht gut angenommen worden. Sie wollen ihre Stars sehen, was aber wegen der erforderlichen Pause - insbesondere nach einer EC Teilnahme im Herbst - nicht realistisch ist. Wirtschaftlich waren wir beim bisher letzten Turnier Co-Veranstalter und mussten wie der Stadtrivale am Ende einen Verlust ausgleichen. Austria und Rapid sind die Zugpferde, fehlt eines, würde das Turnier entwertet, die Fans, die Sponsoren und die TV-Sender wären unzufrieden. Wirtschaftlich wird es dann auch nicht mehr darstellbar sein, denn die Sponsor- und TV-Märkte sind begrenzt.“