Europacup 06.12.2016, 11:30 Uhr
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KRAETSCHMER: „ZIEL IST, JEDE SAISON EUROPÄISCH IN EINER GRUPPENPHASE VERTRETEN ZU SEIN“

Der AG-Vorstand des FK Austria Wien spricht über die geplante UEFA-Reform von Europa- und Champions League. Die EC-Einnahmen seien am nationalen Markt nicht erreichbar und deshalb langfristig für den gesamten Verein sehr wichtig.

© Bildagentur Zolles KG Kraetschmer: „Ziel ist, jede Saison europäisch in einer Gruppenphase vertreten zu sein“

Am Donnerstag (19:00 Uhr) spielt der FK Austria Wien am letzten Spieltag der UEFA-Europa-League-Gruppenphase auswärts gegen Viktoria Pilsen um den Aufstieg in die K.o.-Phase. Eine Riesenchance für den ganzen Verein. Ein Sieg gegen den amtierenden tschechischen Meister reicht zum Weiterkommen, wenn Astra Giurgiu im Parallelspiel nicht daheim gegen AS Roma gewinnt.

Die UEL-Saison war bis hierhin aus violetter Sicht schon sehr erfreulich. Grundsätzlich ist es der Anspruch des FK Austria Wien, jedes Jahr europäisch vertreten zu sein. Deshalb betrifft die geplante UEFA-Reform auch die Veilchen.

Die Teilnahme-Kriterien an der Champions League, die die UEFA für den Zyklus von 2018 bis 2021 im heurigen September geändert hat, benachteiligen die kleineren Länder zugunsten der Großen. „Vielleicht kann man das eine oder andere Detail noch optimieren“, hofft dazu Markus Kraetschmer, der AG-Vorstand des FK Austria Wien.

Was die Veilchen als bisher letzter Verein Österreichs und erstmals in ihrer Klubgeschichte im Herbst 2013 als Meister geschafft haben, nämlich das Vordringen in die überaus lukrative Gruppenphase der „Königsklasse“, dürfte für heimische Klubs bei heutigem Stand in Zukunft um einiges schwieriger werden.

Denn es wurde beschlossen, dass die vier Top-Klubs der vier bestplatzierten nationalen Verbände ab 2018 einen Fix-Platz in der Gruppenphase erhalten. Das bedeutet, dass nur noch sechs statt zehn Plätze über die Qualifikation ausgespielt werden. Und außerdem erhalten nur die ersten zehn der Fünfjahres-Wertung einen fixen Gruppenplatz – bisher waren es zwölf.

Champions- und Europa League dürfen nicht auseinanderdriften

Beim UEFA-Europa-League-Spiel gegen AS Roma war ein hochrangiger Vertreter der Europäischen Klub-Vereinigung (ECA) in Wien zu Gast, mit dem das Thema erörtert worden ist. „Ich glaube, es ist auch innerhalb der ECA klar geworden, dass dieses starke Auseinanderdriften von Champions- und Europa League schlecht ist. Und an diesen Schrauben wird wohl doch noch nachgestellt werden“, betont Kraetschmer.

In dieser Causa wechseln einander Gespräche und Sitzungen aller Beteiligten laufend ab. Auch die EPFL, die Vereinigung der Europäischen Profi-Ligen, zu deren Mitgliedern Österreichs Bundesliga zählt, vertritt gegenüber der UEFA ihren Standpunkt. Man müsse aber auch einfach zur Kenntnis nehmen, dass die "großen" Länder bzw. Klubs auch in der ECA den Takt vorgeben.

Andererseits, so Kraetschmer, müsse man die UEFA ebenfalls verstehen, die unter Druck stehe. „Weil die Spitzenklubs mit chinesischen Investoren im Hintergrund Abwanderungsgedanken geäußert haben - die Gründung einer Superliga mit Spitzenklubs mehrerer Kontinentalverbände. Trotzdem muss man versuchen, über Verhandlungen eine Lösung zu finden“, erklärt der violette CEO. Allianzen mit vergleichbaren Ligen und Verbänden werden gesucht und die Standpunkte abgestimmt.

„Einnahmen sind auf nationalem Markt nicht erreichbar“

Der 44-Jährige, der auch erster Vizepräsident der heimischen Bundesliga ist und damit dem ÖFB-Präsidium angehört, wies auf die Bedeutung einer Teilnahme an der UEFA Europa League oder noch viel mehr an der UEFA Champions League für die Klubs aus den kleineren Ländern hin. „Wir müssen alles unternehmen, um unsere Chancen aufrechtzuerhalten, auch aus diesen Töpfen in Zukunft Gelder zu verdienen. Auf dem nationalen Markt ist dies de facto nicht erreichbar.“

Diese Einnahmen, erklärt Kraetschmer, würden im Austria-Budget benötigt, um nachhaltig das aktuelle Niveau zumindest halten zu können. „Wir haben für uns eine klare Zielsetzung definiert und sehen uns in Österreich als einen der Top-3-Klubs und wollen grundsätzlich jede Saison europäisch in einer Gruppenphase vertreten sein.“

Violette Wellentäler im Europacup sind zu glätten“

Die Wellentäler, wie sie die Veilchen zuletzt durchgemacht haben, wollen sie in Zukunft hinter sich lassen. „Nach der Sensation unserer ersten Champions-League-Teilnahme im Herbst 2013 hatten wir zwei Jahre keine EC-Spiele, das war bitter, diese Berg- und Talfahrt müssen wir glätten. Dass es nicht leichter geworden ist, in die Champions League zu kommen, liegt nach den letzten UEFA-Beschlüssen auf der Hand“, sagt der Magister der Betriebswirtschaft.

Für die heimischen Klubs setzt sich sowohl die ÖFB-Spitze mit Präsident Leo Windtner und Generalsekretär Thomas Hollerer als auch das Liga-Duo mit Präsident Hans Rinner und Vorstand Christian Ebenbauer ein. „Sie sind aktiv unterwegs, führen viele Gespräche - in Abstimmung mit anderen Verbänden und Ligen werden dazu immer wieder Analysen angestellt“, weiß Kraetschmer von entsprechenden Bemühungen.

Das Format der UEFA Champions League zwischen 2018 und 2021 bleibt mit vier Achter-Gruppen zu je vier Klubs gleich. Alle weiteren Details zu den Zugangsbestimmungen sollen mit Ende des Jahres finalisiert sein. Neu ist außerdem ein System für den Klub-Koeffizienten, wobei die Vereine nach ihrer eigenen Bilanz beurteilt und vergangene Erfolge im Wettbewerb bei der Berechnung des Koeffizienten ebenfalls berücksichtigt werden.