Allgemeine News 16.11.2016, 08:34 Uhr
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NOCH INTENSIVE ARBEITEN FÜR DAS NEUE LIGA-FORMAT NOTWENDIG

AG-Vorstand Markus Kraetschmer spricht über die Reform und erklärt, in welchen Bereichen der Zwölferliga schon Konsens herrscht und worüber noch diskutiert wird.

© Bildagentur Zolles KG Noch intensive Arbeiten für das neue Liga-Format notwendig

Wenn der FK Austria Wien ab 2018/19 in seine neue Generali-Arena zurückkehrt, bricht auch für den heimischen Spitzenfußball auf Klubebene ein neues Zeitalter an. Ab 18/19 wird die tipico-Bundesliga von zehn auf zwölf und die Sky-Go-Erste Liga von zehn auf 16 Vereine erweitert.

Die grundsätzliche Änderung der Liga-Formate hat die gemeinsame Klubkonferenz im Mai ausgearbeitet und dann im September die Generalversammlung mit großer Mehrheit beschlossen. Die Reform im Detail muss jetzt noch von den zuständigen ÖFBL-Gremien am 9. Dezember endgültig abgesegnet werden.

Wie die Kicker auf dem Rasen, haben auch die Funktionäre hinter den Kulissen im Jahresfinish noch viel zu tun. „Es werden für die Arbeitsgruppen der Liga noch intensive Wochen“, sagt dazu Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer zum aktuellen Stand der vielen Gespräche und vor allem Diskussionen.

Es geht um sehr grundlegende Entscheidungen. Markus Kraetschmer

Offene Frage: Wie werden die Europacup-Startplätze vergeben?

Die Zwölferliga wird sich aus einem Grunddurchgang (mit Hin- und Rückspiel also insgesamt 22 Runden) und dem folgenden Play-off (je sechs Klubs „oben und unten“) zusammensetzen. Darüber herrsche Konsens. Sehr weit sei man auch schon in der Entscheidung des Auf- und Abstiegs in der zweiten Leistungsstufe, meint Kraetschmer, der auch erster Vizepräsident der Bundesliga ist.

Unterschiede in den Ansichten gibt es in der Zwölferliga jedoch noch in der Frage, nach welchen Kriterien im Play-off die Europacup-Startplätze vergeben werden sollen. „Mit dem derzeitigen Stand und den von einigen favorisierten Modellen sind wir absolut noch nicht zufrieden. Aber es gibt 106 (!) verschiedene Varianten, da bedarf es noch intensiver Diskussionen, es geht um sehr grundlegende Entscheidungen“, erklärt der violette CEO.

UEFA-Reform sorgt für Ungewissheit

Viel hängt von der Europacup-Reform ab, die ja ebenfalls ab 2018/19 von der UEFA umgesetzt werden soll und den großen Nationen 16 Fixplätze in der UEFA Champions League garantiert, es damit den Kleinen noch schwerer macht, an der Königsklasse teilzunehmen. „Was passiert dann mit unserem Meister nach dem nationalen Play-off? Wie viele Klubs nehmen an welchem UEFA-Bewerb teil?", fragt Kraetschmer zurecht.

Diesbezüglich gibt es Modellvarianten, demnach der endgültige UEFA-Startplatz in einem einzigen Spiel entschieden werden soll. „Das kann es für uns aber sicher nicht sein. Da werden wir uns in den Gesprächen noch sehr stark einbringen, um zu einem vernünftigen Modus zu kommen“, betont der Ex-Banker, der einen Tag nach der Reform-Absegnung am 10. Dezember Geburtstag hat.

Auch eine UEL-Chance im unteren Play-off?

Für den 44-Jährigen gibt es in dieser Frage – die Angelegenheit wird durch die niederländische Berater-Firma Hypercube professionell begleitet – noch viele Dinge, die in den laufenden Verhandlungen abzuwägen sind. „Trotz der Unterstützung von außen muss man den Findungsprozess auf die Spezifika des österreichischen Marktes herunterbrechen“, erklärt Kraetschmer.

Er bestätigte, dass es weitere Vorschläge gibt, den Erstplatzierten im unteren Play-off in den Kampf um die Europacup-Startplätze zu involvieren. „Es kann aber nicht sein, dass der Vierte oder Fünfte im oberen Play-off diejenigen sind, die dann überhaupt keine Chance auf einen UEFA Startplatz haben“, hält der Ex-Banker fest.

In das Vergabethema der internationalen Startplätze (derzeit stellt Österreich vier Teilnehmer, davon einen in der UEFA-Champions-League-Qualifikation; es besteht aber durchaus die Chance, dass Österreich ab 2018/19 wiederum 5 Startplätze hat) spielt natürlich auch der Sieger im ÖFB-Samsung-Cup eine Rolle. Was passiert, wenn dieser in der Meisterschaft nach dem Play-off einen Europacup-Startplatz einnimmt?

Das wäre absolut nicht im Sinne der sportlichen Entwicklung. Markus Kraetschmer

„Startplatz sollte über die gesamte Saison erarbeitet und verdient werden“

Es ist keine einfache Aufgabe für die diversen tagenden Gremien, bis zum dritten Advent-Wochenende Antworten auf die offenen Fragen zu finden. „Es muss schon bestmöglich gewährleistet sein, dass am Ende des Tages der Klub, der sich über die gesamte Saison den Startplatz erarbeitet hat, diesen auch verdient. Und vielleicht nicht nur ein Spiel darüber entscheidet, ob man international dabei ist oder nicht“, sagt unser ÖFB-Präsidiumsmitglied.

Oder dass es gar so weit komme, führt er weiter aus, dass es dann ein Taktieren gibt, ob es nicht besser sei, im unteren Play-off zu spielen, um damit leichter zu einer Europacup-Teilnahme zu kommen. „Das wäre absolut nicht im Sinne der sportlichen Entwicklung“, erklärte Kraetschmer klipp und klar über ein mögliches „Hintertürl“.

Grundsätzlich beschlossen ist in der Zwölferliga der Abstiegsmodus. Der Tabellenletzte muss in den „Keller“. Doch auch hier werden Überlegungen angestellt, ob vielleicht der Elfte in eine Relegation mit dem Zweiten der zweiten Leistungsstufe gehen muss - "dann bedarf es aber wieder eines neuen Beschlusses", stellt Kraetschmer klar. 

Bis zu drei Amateurteams in der zweiten Liga

Daneben sind in der zweiten Spielklasse (freigestellt, ob mit Amateurteams der Erstligisten, semiprofessionellen oder Profibetrieb-Vereinen) auch noch einige andere Fragen zu klären. In dieser Leistungsstufe dürfen bis zu drei Amateurteams von Klubs der höchsten Spielklasse mitspielen. Die letzten drei Teams der zweiten Liga müssen in die drei Regionalligen, aus der drei Aufsteiger kommen. 

Ebenso ist noch zu klären, wie zum Beispiel die gelben Karten nach dem Grunddurchgang und/oder den Play-offs mitgenommen bzw. korrigiert werden.

Es werden also noch spannende Gespräche und Diskussionen bis zur Entscheidungsfindung am 09. Dezember, um das richtige Gleichgewicht zwischen sportlicher Fairness, Spannung für die Zuseher, Attraktivität und Vermarktungschancen zu finden!