Europacup 18.10.2016, 13:00 Uhr

AUSTRIA-IKONE PROHASKA: „ROMA FAVORIT, ABER …!“

Herbert Prohaska, der als Mittelfeldspieler 1982/83 in 26 von 30 Serie-A-Spielen (3 Tore) mitgeholfen hat, dass die AS Roma nach 41 Jahren Pause wieder den italienischen „scudetto“ holte, muss seinem FK Austria Wien für das Treffen am Donnerstag (21:05) in Rom aus der Ferne die Daumen drücken.

Austria-Ikone Prohaska: „Roma Favorit, aber …!“

Da der 61-Jährige durch eine lange geplante Privatreise verhindert ist, kann er „nur“ via Internet dabei sein. „Ich war 14 Jahre Austria-Spieler und vier Jahre Trainer, bin mit dem Klub eng verbunden – klar, dass ich zu meinen Veilchen helfe“, sagt Prohaska vor dem UEFA-Europa-League-Gipfel der Führenden (je 4 Punkte) in Gruppe E.

UEFA Europa League in Italien nicht so wichtig

Über die Rollenverteilung in den zwei Partien (Rückspiel am 3.11./19:00 Uhr im Happel-Stadion) gibt es für die Ikone keinen Zweifel. „Unsere Chance liegt darin, dass für die Römer die Serie A wesentlich wichtiger ist als die Europa League“, sagt Prohaska, der überzeugt ist, dass der Gegner gegenüber der Meisterschaft eine an einigen Positionen (vier, fünf) veränderte Elf aufbieten wird.

In Italien stünden nämlich nur die UEFA Champions League und der nationale Meistertitel auf einer Stufe, der frühere UEFA-Cup bzw. der einstige Europacup der Cupsieger seien im Land des vierfachen Weltmeisters viel weniger wichtig, weiß Österreichs und Austrias „Kicker des Jahrhunderts“ als Roma-Insider.

Alles was die Violetten gegen die Römer mitnehmen können, ist für uns ein Bonus. Die Rivalen im Kampf um den zweiten Gruppenplatz sind nämlich Viktoria Pilsen und Astra Giurgiu. „Gewinnen wir gegen Roma ein Spiel oder erreichen wir ein x, würde mich das freuen. Es wäre auf alle Fälle gut, wenn wir punkten“, sagt Prokaska.

Im Happel-Stadion „bin ich dabei“!

In Wien hält er einen Punktezuwachs seiner Austria gegen die Römer „schon für möglich“. Sein zweiter Wunsch ist es, dass sowohl Roma als auch Austria den Aufstieg in der Gruppe schaffen. Im Happel-Stadion wird der „Schneckerl“ anwesend sein und vielleicht den einen oder anderen Römer Ex-Kicker treffen.

Das Prater-Oval vergleicht der 83-fache ÖFB-Teamspieler (10 Tore) vom Alter her ein bisschen mit dem „Stadio Olimpico“, das von der Kapazität (70.600 Zuschauer) aber viel größer ist. Seine Austria brauche sich in Rom keine Sorgen über eine volle Arena zu machen. „Ich rechne damit, dass nicht viel mehr als 20.000 Besucher kommen werden.“

„Habe mich in Rom immer wohlgefühlt“

Prohaska, der es als Aktiver und Trainer auf insgesamt 17 Titel (u.a. siebenmal mit Austria Meister und mit Inter Mailand einmal italienischer Cupsieger 1982) gebracht hat, berichtet, dass die AS (Associazione Sportiva) mit ihren Ultra-Fans der Südkurve im Clinch liegt. Die Anhänger protestieren, dass ihr Tribünen-Bereich verkleinert werden soll.

Dieser Zwist ist kein Hindernis, dass unser Aushängeschild auch privat immer wieder in die „Ewige Stadt“ reist. Er ist mit den Tifosi stets gut ausgekommen. „Rom, eine der schönsten Städte, bietet viel Kultur, gutes Essen, exzellente Weine und das Klima ist ebenfalls ein Traum. Dort habe ich mich immer wohlgefühlt.“

Noch immer Kontakt mit früheren AS-Spielern

Prohaska pflegt die Kontakte zu seinen früheren Roma-Mitspielern, die damals u.a. Carlo Ancelotti, Bruno Conti oder Roberto Pruzzo hießen. Conti ist jetzt Nachwuchschef, Pruzzo hat eine eigene Radiosendung, in der der „Schneckerl“ hin und wieder via Telefon zu Wort kommt. Es gebe noch viele Leute in Rom, die ihn kennen“, sagt der „austriaco“ mit Stolz.

Wenn es irgendwelche „Festl“ gibt oder zu einem Benefizspiel gebeten wird, dann kommt es zum Wiedersehen unter Freunden. „Zuletzt war das vorigen Dezember in Rom der Fall, als wir für einen guten Zweck spielten“, erzählte der Wiener. Und wenn er zurückkommt, dann werden Erinnerungen und Erlebnisse wach.

„Ab diesem Tag haben wir nur noch gefeiert“

„Das Schöne ist, dass sie mich, obwohl ich nur ein Jahr für Roma gespielt habe, trotzdem zu ihren Legenden zählen. Weil wir damals nach 41 Jahren wieder den Titel für den Klub geholt haben, damit hatte niemand gerechnet“, schätzt der zweifache WM-Teilnehmer als Spieler (1978, 1982) die italienische Mentalität und Euphorie.

Als Prohaska in jungen Jahren mit Ostbahn XI den Meistertitel in der ersten Klasse Wien gewann und später mit seiner Austria Serienmeister geworden ist, hat er sich genauso gefreut. Aber Rom war anders, etwas Außergewöhnliches. „Da standen wir zwei Runden vor Schluss als Titelträger fest und ab diesem Tag haben wir nur noch gefeiert, die Stadt war in „gelb-rot“ versunken.“

Lädierte Schulter mit Beton zuschmieren lassen

Im Finish der Serie A hatte der Spielmacher aus Österreich einige Matches versäumt, weil er sich in der WM-Quali beim 1:3 in Wien gegen Deutschland einen Bänderriss in der Schulter zugezogen hatte. Prohaska wollte damals das letzte Spiel und damit die Meisterfeier nicht versäumen. „Daher habe ich mir meine lädierte Schulter mit Beton zuschmieren lassen“, erinnert er sich.

Hätte er nur eine Saison bei der Austria gespielt, dann wäre das vielleicht heute jedem wurscht gewesen, hätte sich keiner an ihn erinnert, vermutet einer unserer besten Kicker. Durch die lange Zugehörigkeit sind die Violetten aber der Klub seines Lebens und Herzens geworden.

Bei der Austria wurde damals immer der Titel gefordert

„Bei der Austria war es damals so, dass der Verein und die Fans immer den Titel gefordert haben, weil wir fast jedes Jahr als Favorit gestanden sind. Da wurde einen Tag gefeiert und alles war vorbei“, erzählt er von vergangenen Veilchen-Zeiten, die ihn vor seiner Italien-Ära (auch Inter Mailand 1980-1982/Cupsieger 1982), zu vier und nachher zu drei Meistertitel führten.

In Rom und allgemein in südlichen Breitengraden feiert man im Fußball eben ganz anders. Geprägt hat Prohaska jedoch noch immer die Heimat. Da hat er seine Karriere begonnen, wurde Vorbild als Kicker und Mensch, der nie den Boden unter seinen Füßen verlor. Er hat stets Sport und Privates getrennt, Schlagzeilen lieferte er nur im Fußball. Da gab es viele: Mit der Austria wurde er als Spieler 7 x Meister, 4 x Cupsieger und als Trainer kam er zu je 2 nationalen Ehren.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 35 78
2. FK Austria Wien 35 60
3. SK Puntigamer Sturm Graz 35 60
4. CASHPOINT SCR Altach 35 53
5. FC Flyeralarm Admira 35 46
6. SK Rapid Wien 35 43
7. SV Mattersburg 35 40
8. RZ Pellets WAC 35 39
9. SKN St. Pölten 35 37
10. SV Guntamatic Ried 35 35
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